sah dies kaum , als er schon hinzugesprungen war und die Altezza aufgefangen hatte ... Bei Nennung jener fürstlichen Würde befiel ihn jetzt ein Bangen ... Der Hut war vom Wärter schon wieder zurückgegeben worden ... Die Begleiter hatten sich geflüchtet ... Sie schienen über den Elefanten ebenso erschrocken wie die Altezza ... Voll Aerger über die störende Scene und im Nu ihren ganzen Gesichtsausdruck verändernd , sagte die Italienerin zu Benno ' s Begleiter : Sehen Sie da , warum man lieber die Thiere liebt , als die Menschen ! ... Aqua ! Aqua ! E una carozza ! rief sie gellend hinterher ... ... Der Fürst fing an sich zu erholen , versuchte zu lachen und erschrak wieder über seine blutigen Handschuhe ... Benno übergab ihn aus seinen Armen in die seiner Begleiter ... Er wagte nicht weiter mitzugehen , als bis an die Vorhänge ... » Altezza ! « ... Waren nicht seine Mutter und Olympia in Begleitung eines italienischen Principe Rucca angekommen , des Verlobten Olympia ' s ? ... Die Italienerin rief ergrimmt aufs neue : Non viene la carozza ? Fatte subito ! Al monte Palatino ! ... Palatino ! ... Es war gewiß ... Doch » Monte Palatino « ? ... Dann zu Benno rasch sich wendend , warf der süßeste und zärtlichste Mund von der Welt wie mit Zaubermetamorphose und fast leise ihm ins Ohr die Worte : Besuchen Sie uns - den Principe Rucca - morgen um elf Uhr ... Wie sie das gesagt , verschwand sie - voraussetzend , daß Benno nicht folgen würde . Aber in ihrem Abschiedsblick lag ein Ausdruck aller Seligkeiten der Erde und des Himmels , ja als wäre Psyche überwunden worden von Amor ... Das ist eine Eroberung ! brach der Chorherr aus , als Benno wie betäubt stehen blieb ... Und Al monte Palatino ! setzte er lachend hinzu ... Sie glaubt , der Gasthof zum » Palatinus von Ungarn « hätte seinen Namen von einem der sieben Hügel Roms ... So sehen diese Menschen überall nur sich ... Deutschland ist ihnen nichts als eine römische Vorstadt , wo zuweilen Schnee fällt ... Ich zweifle gar nicht , es ist die - Nichte des Cardinals Ceccone , eine Comtesse - Maldachini ! fiel Benno aus seiner Erstarrung kaum aufathmend ein ... Eine Verlobte des Prinzen Rucca , den Sie - aus dem Felde geschlagen haben , Bester ! Haha ! ... Sie flüsterte Ihnen ja ein Rendezvous zu ... Um elf Uhr ... Auf dem Mons Palatinus ! ... Meine Mutter - die dritte in diesem Bunde ! - riefen tausend Stimmen in Benno ' s Innern ... Mit bebendem ! Herzen und tiefbeklommenen Athems verweilte Benno noch einige Augenblicke ... Dann traten beide gleichfalls hinter den Vorhängen ins Freie und sahen , wie eben die Herren zu Pferde stiegen und ein herbeifliegender Miethwagen den Principe Rucca und die Italienerin aufnahm ... Benno ließ nur den Chorherrn reden , der von der Weichlichkeit der italienischen Aristokratie sprach , leise Andeutungen über den Cardinal gab , der einen einzigen Winter nicht ohne seine gewohnten Umgebungen zu sein vermochte , vom Prinzen Rucca erzählte , daß sein Urgroßvater ein Bäcker gewesen - in Rom wäre alles käuflich , Grafen- und Fürstenhüte - nur die Cardinalshüte stünden noch im Preise ... Der Name der Herzogin von Amarillas wurde in Pater Grödner ' s Geplauder nicht erwähnt , auch der nähere Zusammenhang Olympia ' s mit Ceccone zwar » möglicherweise « als das des Kindes zum Vater leise und ironisch angedeutet , aber ohne genauere Kenntniß des wahren Ursprungs , den Benno vollkommen wußte - wußte bis zu den Namen der Gebrüder Biancchi , deren Schwester die Mutter Olympia ' s war ... Luigi Biancchi , einer der Brüder des Napoleone und Marco Biancchi , sollte in dieser Stadt Musiklehrer sein ... Alles das war ihm durch seinen Bruder , den Präsidenten , vollständig bekannt geworden ... Auch der Chorherr nahm jetzt einen Wagen ... In dem Lärm der Stadt verhallte der empfangene Eindruck und die Benno durchzitternde Empfindung : Das Schicksal ruft dich selbst zu deiner Mutter ! .... Daß er morgen um elf Uhr im Palatinus nach - dem Befinden des Fürsten fragen würde , stand fest bei ihm ... Daheim fand er Karten von Stadtrath Schnuphase ; auch von einem Herrn Harry Zickeles , der Einladungen zurückgelassen , das Großhandlungshaus Zickeles zu jeder Abendstunde als ein offenes zu betrachten ... Es strömte dann ein anhaltender Regen ... Benno verbrachte Stunden der höchsten Aufregung auf seinem Zimmer ... Die Aufgabe , die ihm für morgen gestellt war , erforderte seine ganze Manneskraft ... Gegen Abend erst ging er aus , suchte den » Palatinus « , gerieth in die Herrengasse , wo das vom Grafen Hugo empfangene Billet nun die morgenden Palatinus-Absichten durchkreuzte und ihn zwischen Mutter und Schwester , wen er zuerst sehen sollte , wählend stellte , kam mit irrendem , hin- und hersinnendem Grübeln in die Vorstellung des » Hamlet « , erlebte , daß Olympia es war , die in der Loge des großen Kanzlers neben seiner Mutter die Gläser auf ihn gerichtet hielt , ihm durch das ganze Theater hindurch auf italienische Art mit ihrem Taschentuch ein Zeichen des Grußes gab ; erlebte , daß die Mutter das Lorgnon auf ihn richtete - - Die versagende Kraft trieb ihn aus seiner Loge - in Begleitung eines Mannes , der den Namen seiner Schwester trug ! 6. Um den Weg in seine Wohnung zu finden , konnte sich Benno keiner zuverlässigeren Hülfe bedienen , als des Herrn von Pötzl , der gleichfalls Hut und Regenschirm genommen hatte und ihm gefolgt war ... Ueber den Namen dieses Mannes hatte sich Benno beruhigen wollen ... Schon daheim , wo er so oft dem Kattendyk ' schen Hausfreund begegnete , dem alten Pfleger der Bologneserhunde , dem als Gesellschaftsheloten benutzten Spaßmacher Ignaz Pötzl , der sich darum doch einen Thaler nach dem andern in die