natürlich viel verändert und nur das Zimmer , das er selbst zu bewohnen pflegte , zeigt noch ein paar der alten , übrigens höchst einfachen Stuckverzierungen . Über dem Sofa hängt der Kaulbach-Muhrsche Jeremias und von der Decke herab eine Kamphinlampe . – Beides Kinder einer andern Zeit . Wer reist nach Mittenwalde ? Tausende wallfahrten nach Gohlis , um das Haus zu sehen , darin Schiller das Lied » an die Freude « dichtete . Mittenwalde besucht niemand , und doch war es in seinem Propsteigarten , daß ein anderes , größeres Lied an die Freude gedichtet wurde , das große deutsche Tröstelied : » Befiehl du deine Wege « . Klein-Machnow oder Machnow auf dem Sande Klein-Machnow oder Machnow auf dem Sande Bei Warschau , bei Wien , Bei Fehrbellin , Ob Friedrich Wilhelm , ob alter Fritz , Ob Leuthen , Lützen , Dennewitz , Ein alter märkischer Edelmann Ist immer dabei , ist immer voran . Klein-Machnow ist ein reizend gelegenes Dorf , das sich an einem vom Teltefließ gebildeten See hinzieht . Die Häuser sind ärmlich , aber schöne Kastanienalleen , wie sie während des vorigen Jahrhunderts fast überall in den Nachbardörfern Berlins entstanden , geben dem Ganzen ein sehr malerisches Ansehen . Das Dorf ist alter Besitz der von Hakes . Diese Familie , die drei Gemshörner ( Haken ) im Wappen führt , war früher wie im Havellande so auch im Teltow reich begütert , besitzt aber in letztrem Kreise , nach Einbuße von Genshagen und Heinersdorf , nur noch Klein-Machnow und das Patronat über das angrenzende Stahnsdorf . Am Nordufer des schon genannten Sees erhebt sich der Seeberg , von dessen westlichem Abhang aus man einen prächtigen Blick ins Land hat , die Türme von Potsdam am Horizont . Bevor wir uns im Dorfe selbst und zumal in seiner alten Kirche umsehen , sei noch ein orientierendes Vorwort gestattet über die Hakes und Hackes . Hinsichtlich dieser beiden Familien herrscht nämlich , was die Rechtschreibung ihrer Namen angeht , eine große Verwirrung , die schließlich zu Verwechslungen aller Art geführt hat . Erst neuerdings scheint man sich dahin geeinigt zu haben , nicht abwechselnd und nach Laune Hake , Haake , Haacke , Hacke usw. zu schreiben , sondern im Einklange damit , daß es zwei bestimmt geschiedene Familien gibt , auch zwei bestimmt geschiedene Namen anzunehmen : die Hakes und die Hackes . Die Hackes sind aller Wahrscheinlichkeit nach aus Franken und zwar in verhältnismäßig später Zeit in die Mark gekommen . Ihnen gehört vor allem Hans Christoph Friedrich von Hacke , genannt der » lange Hacke « , der bekannte Liebling Friedrich Wilhelms I. an . Er war Oberst und Generaladjutant des Königs und derselbe , an den sich der bereits sterbende Monarch , als er die Stallbedienten unten im Hof auf einem groben Fehler ertappte , mit der bekannten Aufforderung wandte : » Gehen Sie doch hinunter Hacke 33 und prügeln Sie die Schurken . « In gar keiner Beziehung zu diesen Hackes stehen die Hakes . 34 Sie haben seit fünfhundert Jahren immer als einfache Edelleute in der Mark gelebt und seit dreihundert Jahren das Erbschenkenamt der Kurmark Brandenburg bekleidet . In allen Kriegen , die wir seit den Tagen des Großen Kurfürsten geführt haben , haben zahlreiche Mitglieder dieser Familie auf unseren Schlachtfeldern gekämpft und geblutet , besonders zahlreich zur Zeit der Türkenkriege und des Spanischen Erbfolgekrieges . Ein General der Infanterie und zwei Generalleutnants gingen aus ihr hervor . Von den Generalleutnants machte Ernst Ludwig von Hake , geboren 1651 zu Klein-Machnow , den Spanischen Erbfolgekrieg als Oberst bei der Leibgarde mit ; Levin Friedrich von Hake , geboren zu Genshagen , focht in den Schlesischen und im Siebenjährigen Kriege ; endlich Albrecht George Ernst Karl von Hake , geboren am 8. August 1769 zu Flatow , zeichnete sich während der Befreiungskriege aus , wurde 1819 Kriegsminister und 1825 General der Infanterie . Er starb 1835 zu Castellamare . Diese drei Hakes repräsentieren , wie die drei großen Kriegsepochen unserer Geschichte , so auch drei verschiedene Zweige ihres eigenen Geschlechts und zwar die Häuser : Klein-Machnow , Genshagen , Flatow . Alle drei waren unverheiratet oder kinderlos und zwei von ihnen Ritter des Schwarzen Adlerordens . Sie alle aber , brav und ruhmreich wie sie waren , werden mutmaßlich von einem ihrer ersten Vorfahren , von Hans von Hake , gemeinhin Hake von Stülpe genannt , überlebt werden . Dieser Hake von Stülpe war es , der auf der Golmheide zwischen Jüterbog und Trebbin den Ablaßkrämer Tetzel überfiel und ihm , unter der höhnischen Vorhaltung » den Ablaßzettel für erst noch zu begehende Sünden gestern von ihm gekauft zu haben « , die ganze Barschaft abnahm und den Kasten bergab in den Schnee rollte . Dieser Kasten befindet sich bis auf den heutigen Tag in der Kirche zu Jüterbog , Hake von Stülpe selbst aber ( auch Willibald Alexis hat ihm in seinem Roman der » Wärwolf « einen Abschnitt gewidmet ) wird als eine jener Figuren , wie sie das Volk gern hat , in unserer Landesgeschichte fortleben . Der gute Humor , der Übermut und der Streich , der dem ganzen Ablaßkram dadurch gespielt wurde , haben von jeher dafür gesorgt , daß man die Tat mehr auf ihre humoristische Derbheit als auf ihren sittlichen Gehalt geprüft hat . Wir kehren nach diesen Vorbemerkungen in unser Dorf zurück und schreiten , immer den laubholzumstandenen , stillen See zu unsrer Rechten , die blühende Kastanienallee hinauf . An Bemerkenswertem finden wir das Herrenhaus , das alte Schloß , die Wassermühle und die Kirche . Das Herrenhaus ist ein moderner Bau aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts . Nach der Gartenseite hin hat es einen halbkreisförmigen , von hohen ionischen Säulen getragenen Vorbau , der dem Ganzen etwas Stattliches leiht . Die Auffahrt auf den sehr geräumigen Hof erfolgt durch ein altes Sandsteinportal , das nach außen hin einen Medusenkopf und auf diesem eine Minerva