stiegen sie aus ... Der Chorherr rief plötzlich : Schauen Sie da ! ... Ist das nicht Ihre gestrige Dame ? ... Eine Cavalcade von Reitern sprengte durch die Alleen ... In ihrer Mitte eine Reiterin , auf deren Identität mit der gestrigen Tigerbekanntschaft der Chorherr nur der Offiziere wegen schloß , die wieder der italienischen Garde angehörten ... Sie ritten zu schnell vorüber , um sie zu erkennen ... Inzwischen gingen sie weiter ... Der Chorherr nannte den Prater öde und langweilig ... Nur die Abendsonne , sagte er , macht ihn schön ... Wenn man so hinschlendert und sein Tagewerk vollbracht hat ... Dann freilich kommt die Schönheit - wie so oft - aus unserm Gemüth ... Nach einer halben Stunde kamen sie zu dem im Prater befindlichen großen » Hamburger Berg « , dessen Schaustellungen und Sehenswürdigkeiten ... Eine große Menagerie kündigte sich durch ihre ausgehängten Bilder , Papagaien und Affen an ... Zieht Sie schon wieder so ein Spectaculum ? sagte der Chorherr fast ärgerlich , als Benno einer dicken hinter Vorhängen sitzenden Dame zunickte , die auf dem Dampfboot ihre verspäteten Käfige begleitet hatte ... Benno berichtete nur vom Dampfboot ... Da plötzlich unterbrach ihn der Chorherr und zeigte auf die in der Nähe stehenden dampfenden Rosse der vorhin gesehenen Cavalcade ... Die Italienerin wird schon wieder vor den Käfigen der wilden Thiere sein ... sagte der Chorherr und rief dann aufhorchend : Da ! ... Hören Sie ! ... Und in der That hörte man drinnen eine laute Stimme italienisch rufen ... Mitten durch das kurz ausgestoßene , fast hustende Brüllen eines gereizten Thieres vernahmen sie die Worte : Eh ! Tu ! Muove ti ! Dormi ? Non essere si pigra ! ... Diese anstachelnden Worte , so unweiblich die Situation war , die sie begleiteten , übten auf Benno sowol wie den Chorherrn den Reiz , daß sie die Hütte betraten ... In der That waren es die Italiener von gestern ... » Der weibliche Zwerg « , wie der Chorherr übertreibend sagte , stand diesmal mit der Reitgerte vor dem Käfig einer jungen Löwin und reizte sie zu einer solchen Wuth , daß warnend schon der Aufwärter herbeilief ... Benno sah voll Staunen dem wilden Spiel der Italienerin zu ... Die junge Löwin sprang bald an die Gitterstangen , bald rannte sie im Kreise und stieß Töne aus , die wie aus dem Widerhall einer mächtigen Felsenhöhle kamen ... Im schwarzen Tuchrock , mit der linken Hand die lange Schleppe haltend , stand das kleine Wesen von gestern , dessen Kopf wenig über die Stellage , auf der der Käfig ruhte , hinausragte , und schlug mit der Reitgerte bald nach links , bald nach rechts in die Stäbe hinein ... Wieder lachten die Herren und bedeuteten den Wärter , der Signora nicht ihr Vergnügen zu rauben ... Schon lauschte die geputzte » Marchand ' mod ' « , wie sie auf dem Dampfschiff geheißen hatte , eine Holländerin , an dem rothen Vorhang ... Schon wurde ein junger Mann , ihr Begleiter , von ihr angerufen , sich ins Mittel zu legen , als die Italienerin von ihrem Uebermuth plötzlich abließ ... Sie hatte Benno erblickt ... Mit kalter Ruhe stand sie noch eben vor dem Käfig und trieb ihr Spiel ... Jetzt war sie wie entwaffnet ... Ein fast rosiger Hauch der Freude überflog sie ... Mit dem Schein der mädchenhaftesten Schüchternheit senkten sich die langen blauschwarzen Augenwimpern ... Mit schneller Fassung und plötzlich ihre Stimme mildernd sagte sie zu Benno : Ecco il domatore delle bestie feroci ! ... Benno erwiderte - halb nur für sich - : Ecco la Romana ! ... Perché Romana ? fragte sie , scharf aufhorchend ... Benno hatte » Romana « betont ... Una lupa e stata la nutrice di Romolo ... sagte er , sprach aber wieder wie nur zu ihr allein ... Ohne sich von der Voraussetzung , daß auch sie von einer Wölfin könnte genährt worden sein , getroffen zu fühlen , schloß sie sich Benno an zum Weiterwandeln ... Sie gingen die Käfige entlang ... All ihre Aufmerksamkeit für die wilden Thiere war verschwunden ... Sie wollte nur Benno festhalten , nur mit dem sprechen ... Ehrerbietig grüßte sie seinen Begleiter , in dem sie am langen Oberrock den Priester erkannte ... Kennen Sie Rom ? begann sie , noch über und über erglüht ... Ich bin im Begriff , es kennen zu lernen ... sagte Benno ... Sie reisen nach Rom ? ! ... Ein Ausdruck der äußersten Freude kämpfte in ihren Mienen mit der Verlegenheit , sich in der ganzen Wirkung zu verrathen , die ihr schon seit gestern der junge anziehende Fremdling gemacht zu haben schien ... Noch würde das Gespräch in kurzen Fragen des höchsten Interesses und in ausweichenden Erwiderungen so fortgegangen sein , wenn nicht ein tragikomisches Ereigniß dazwischengetreten wäre ... Der elegante junge Mann mit den gelben Glacéhandschuhen von gestern war gleichfalls zugegen und etwas vorausgegangen ... Schon befand er sich am Ende der Breterbude , wo ein Elefant auf einer Art kleiner Bühne unter gemalten Drapperieen eingepfercht und an einem seiner mächtigen Füße festgebunden stand ... Das gewaltige Thier war vor den Zuschauern völlig frei ... Ehe sich der junge Mann seines Schicksals versah , hatte der sich schlängelnde Rüssel eine Schwenkung um ihn her gemacht und ihm in dem Augenblick , wo die Offiziere warnend Altezza ! riefen , den Hut abgenommen ... Die Altezza , demnach ein Fürst , stieß einen Schrei : Gesú Maria ! aus , taumelte zurück und sank in Ohnmacht ... Die Italienerin stand inzwischen , noch wie von Liebeswonne durchschauert ... Sie schien so abwesend , daß sie die Ursache des Rufs nicht verstand und nur den zusammenbrechenden jungen Mann sah , der noch in seinen Beinkleidern mit den Sporen obenein festhakte , an die Breterwand stürzte , die den ersten vom zweiten Platz trennte und sich wirklich die Stirn blutig schlug ... Benno