Neben Bildnis und Stein ist die Sakristeitür . In der Sakristei selbst finden wir das alte Mittenwalder Kirchenbuch , ein großes , nach Art der Bilderbibeln in Leder gebundenes Buch , etwa dreihundert Jahre alt . Die Registrierungen in diesem Buch aus der Zeit von 1651 bis Neujahr 1657 rühren alle von Paul Gerhardt selber her . Seine Handschrift ist fest , dabei voll Schwung und Schönheit . Seine Aufzeichnungen schließen mit dem 28. Dezember 1656 . Bild und Stein und Buch , sie mahnen an sein Wandeln und Wirken an dieser Stätte ; fehlten aber auch diese Dinge , die seinen Namen oder die Züge seiner Hand tragen , die Kirche selber – im großen und ganzen dieselbe geblieben – sie würde dastehen zu seinem ehrenden Gedächtnis , der protestantischen Welt mehr eine Paul Gerhardts- als eine Sankt Moritz-Kirche . Wenig Modernes hat sich seit zweihundert Jahren hinzugesellt und wohin das Auge sich wenden mag , sein Auge hat darauf geruht . Veränderungen sollen vorgenommen werden ; mögen sie mit Pietät geschehen . * Paul Gerhardt ist unbestritten der Glanzpunkt in der Geschichte Mittenwaldes , aber es hat der historischen Erinnerungen auch noch andere . Den 31. August 1730 traf Kronprinz Friedrich unter starker Bedeckung , von Wesel aus , über Treuenbrietzen ( wo er die Nacht vorher gewesen war ) in Mittenwalde ein , um daselbst , vor seiner Abführung nach Küstrin , ein erstes Verhör zu bestehen . Das Truppenkommando , das ihn bis Mittenwalde geführt hatte , stand unter Befehl des Generalmajors von Buddenbrock , desselben tapferen Offiziers , der zwei Monate später dem mit der Todesstrafe drohenden König mit den Worten entgegentrat : » Wenn Ew . Majestät Blut verlangen , so nehmen Sie meines ; jenes bekommen Sie nicht , so lang ich noch sprechen darf . « 31 Kronprinz Friedrich blieb zwei Tage in Mittenwalde , vom 31. August bis 2. September . Das Verhör fand mutmaßlich am 1. statt . Er bestand es vor Generalleutnant von Grumbkow , Generalmajor von Glasenapp , Oberst von Sydow und den Geh . Räten Mylius und Gerbett und behauptete während desselben eine » kecke und beleidigende Zurückhaltung « . Als Grumbkow ihm seine Verwunderung darüber bezeugte , antwortete er : » Ich bin auf alles gefaßt , was kom men kann , und hoffe , mein Mut wird größer sein , als mein Unglück . « – Garnison stand damals noch nicht in Mittenwalde ; die Stadt war überhaupt noch klein und zählte ( 1730 ) nur neunhundertzweiundfünfzig Einwohner . In welchem Hause der Prinz bewacht wurde , habe ich nicht mehr ermitteln können ; das » Schloß « existierte längst nicht mehr . Das Verhör fand mutmaßlich auf dem Rathause statt . Das war im September 1730 . Fast siebzig Jahre später , am Silvesterabend 1799 , tritt noch einmal eine historische Figur auf die bescheidene Mittenwalder Bühne , um ihr sechs Jahre lang in Leid und Freud ' anzugehören . Sechs Jahre lang , wie Paul Gerhardt . Ein Kämpfer wie dieser , nicht mit mächtigeren , aber mit derberen Waffen . Es genügt seinen Namen zu nennen : Major von York , der spätere » alte York . « Unterm 6. November hatte der König an den damals in Johannisburg stehenden Major von York geschrieben : » Mein lieber Major von York . Da die jetzt verfügte Versetzung des Majors von Uttenhoven vom Regiment Fußjäger als Commandeur zum dritten Bataillon des Regiments von Zenge es nothwendig macht , dem Jägerregiment ( in Mittenwalde ) einen ganz capablen Commandeur zu geben und Ich Mich überzeuge , daß Ihr die zu diesem wichtigen Posten erforderlichen Eigenschaften in Euch verbindet , so will Ich Euch hierdurch zum Commandeur des Jägerregiments ernennen usw. « Am Silvesterabend 1799 , an der Neige des Jahrhunderts , traf Major von York in seiner neuen Garnison ein und überraschte seine Herren Offiziere auf dem Silvesterball . Die erste Begegnung war gemütlich genug , der dienstliche Ernst kam nach . Das seit 1780 in Mittenwalde stehende Jägerregiment war verwahrlost ; er gab ihm einen neuen Geist , und dieser Geist war es , der sich sieben Jahre später erfolgreich in jenen kleinen Kämpfen bewährte , die dem Tage von Jena folgten . Bei Altenzaun am 26. Oktober , dreiviertel Meile südlich der Sandauer Fähre , waren es die Mittenwalder Jäger , die den Elbübergang des Blücherschen Korps zu decken hatten . Sie taten es mit Ruhm und Geschick . Die Jäger kehrten nicht nach Mittenwalde zurück . York selbst nur auf wenige Tage , Januar 1807 . 32 Dann rief ihn die Not des Vaterlandes dorthin , wo damals allein noch Preußen war , – nach Königsberg . Die Mittenwalder aber waren stolz auf ihren York , und als nach schweren Jahren der Erniedrigung alles Volk im Preußenland zu Gewehr und Lanze griff und » Landwehr « wurde , da griffen die Mittenwalder zur Büchse und wurden – Jäger . Wenigstens deutet darauf die Gedächtnistafel in der Kirche hin , wo die Namen der Gefallenen fast ausnahmslos die Bezeichnung J. , F.-J. und G.-J. , d.h. also Jäger , Freiwilliger Jäger und Garde-Jäger tragen . Das Haus , das Major von York bewohnte , existiert noch . Es ist jetzt ein Gasthaus , in der Hauptstraße der Stadt gelegen , und führt wie billig den Namen » Hotel York « . Über der Haustür erblicken wir eine Nische und an derselben Stelle , wo sonst wohl ein » Mohr « oder ein » Engel « zu stehen pflegt , steht hier eine Büste des alten York . Auch in den Zimmern findet sich sein Bild . Die Lokalität ist im großen und ganzen noch dieselbe , wie sie vor siebzig Jahren war : hinter dem Hause der Hof , und hinter dem Hof ein Garten , beide von Stall- und Wirtschaftsgebäuden umstellt , an deren Außenwänden sich allerlei Treppen und Stiegen im Zickzack entlang ziehen . Im Innern des Hauses hat sich