anzustellen nach dem Kinde jener kalten vornehmen Dame und dann nach einem offnen Bekenntnisse seiner Liebe von Franziska für den Winter Abschied zu nehmen und in die Residenz zurückzukehren , schritt er rüstig vorwärts und achtete des Dunkels nicht , das sich inzwischen ganz über die stille , trauernde Gegend herabgesenkt hatte . Er war im Wald . Das Grün der Tannen verscheuchte hier die Vorstellung vom herangenahten Winter . Am Fuße der entlaubten Bäume , die hier und da noch zwischen den Tannen standen , grünte unbekümmert vor dem Herbste das immergrüne Moos . Der Weg war viel fester als im Felde . Wo man dort einsank , wurde man hier durch die weitgestreckten , aus dem Boden hervorstehenden Wurzeln der Bäume oder durch das zusammengeballte Laub im Gehen erleichtert . Fröhlich pfiff Louis leichte Liedchen vor sich hin und suchte mit seinem spähenden Auge in der Ferne irgend ein Licht , oder mit dem scharfen Ohre irgend einen Schall , wenigstens von den Rädern der Sägemühle . Bald hörte er das Bellen eines Hundes , bald auch das Rauschen des Waldbaches , der die Sägemühle trieb . Es war so finster geworden , daß er diese einsame Niederlassung erst erblickte , als er dicht an ihr vorüberging . Sie lag tief . Die Dächer waren breit und gedrückt . Ohne Zweifel wurden geschnittene Dielen unter ihnen aufbewahrt . Da lagen Blöcke vom Regen durchfeuchtet , die frischgesägten Breter schimmerten durch die Dämmerung . Doch schwieg die Mühle . Alles schien hier wie ausgestorben . Nur weniges kaum hörbares Leben deutete auf Bewohner . Louis fand hier die beiden Wege , von denen Ackermann ' s Knecht gesprochen hatte . Der eine ging an dem Waldbache entlang , der andre stieg aufwärts und folgte immer dem bald höheren , bald sich senkenden Felsufer dieses Baches . Louis ging den letzteren . Er war trockner , aber beschwerlich und nicht ganz ohne Gefahr . Steine lagen links und rechts im Wege und leicht konnte man bei einem Fehltritt ausgleiten und in den Waldbach stürzen . Sich in die Verspätung ergebend , schritt er langsam vorwärts und suchte das schwarze Kreuz auf , von dem Oleander und der Knecht gesprochen hatten . Er fand es endlich . Eine Inschrift , die darauf zu lesen war , konnte er nicht mehr erkennen . Er rieth auf einen Unglücksfall , der sich hier einst ereignet haben mußte und nahm das Kreuz umsomehr für eine Warnung vorsichtig zu sein , als gerade hier unter dem Vorsprunge , auf dem das Zeichen errichtet war , der Waldbach ein tieferes Bett gewonnen zu haben schien und wild im Strudel rauschte und schäumte . Wie er noch so stand und dem Winde lauschte , der die Bäume schüttelte , war ihm , als hörte er einen Schrei aus weitester Ferne von der Luft herübergetragen . Im ersten Augenblick bebte er zusammen . Es war ein einziger schreckhaft hervorgestoßener Ton , den er nicht von den krachenden Zweigen , nicht von einem Vogel herleiten konnte . Es war ein Ton aus menschlicher Brust . Wie er entsetzt lauschte , ob sich der Ruf wiederholen würde , und nichts hörte als nur den Wind , nur das Rauschen des Waldbaches , glaubte er doch , daß er sich geirrt hätte und setzte beruhigter seine Wanderung fort . Sie war jetzt nicht mehr so schwierig . Von dem Kreuze führte ein gepflegterer Weg abwärts . Rüstig schritt er vorwärts und hatte die Freude , deutlich von Plessen herüber die Kirchthurmuhr fünf schlagen zu hören . Nun wußte er , daß er in der Nähe des Jägerhauses war . Schon glaubte er sich zurecht zu finden . Die jenseitige Wand des Waldbaches war eine schroffe mit Bäumen besetzte Anhöhe , das diesseitige Ufer führte zuweilen schon durch Weideplätze , grüne Moos- und Grasstellen . Zuletzt stand er an einer kleinen Brücke von Erlenholz . Der Waldbach schweifte links ab nach Plessen zu . Er kannte diese Biegung und nahm keinen Anstand über die kleine Brücke hinüber zu schreiten und sich von dem Flüßchen ganz zu trennen . Ein bestimmter fester Glaube führte ihn den Weg , den er für den richtigen und den zum Forsthause leitenden erkannte . Um so entsetzlicher mußte es für ihn sein , als er nach einigen Minuten raschen Fortwanderns wieder jenen Ton hörte , der ihn schon oben an dem schwarzen Kreuze erschreckt hatte . Jetzt war es sicher kein sich biegender Ast , kein Vogel mehr . Es war eine menschliche Stimme , die einen erstickten Entsetzensschrei hören ließ . Es ist Franziska ! sagte sich seine aufgeregte Phantasie . Sie ruft um Hülfe ! Und ohne die Gefahr zu achten , daß er in der Dunkelheit gegen einen Baum anrennen konnte , stürzte er in die Nacht hinaus , vertrauend , er würde zum Ziele kommen . Er rannte gegen Gesträuche und hielt einen Ast in der Hand . Er brach ihn , so stark er war , mit gewaltiger Kraft von seinem Stamme los , um eine Waffe zu haben . So stürmte er fort und rief mit einer Löwenstimme : Franchette ! Franchette ! daß es im Walde schauerlich widerhallte . Endlich lichtete sich der Weg . Da lag die Wiese ! Da lag das Jägerhaus ! Ein Lichtchen brannte an Franziska ' s Fenster . Quer über das sumpfige Grün hinweg ! Franchette ! Franchette ! Die Hunde bellten im Forsthause . Fränzchen lebte . Sie öffnete das Fenster . Louis ! Ach , Gott ! Sind Sie ' s ! In demselben Augenblicke fiel in der Ferne ein Schuß . Das ist der Onkel ! sagte sie , als sie todtenbleich draußen schon an der Thür in Louis ' Armen lag . Was ist geschehen ? Kommen Sie ! Kommen Sie ! sagte Franziska und zog Louis in das Jägerhaus , einen entsetzten Blick auf die Treppe hinwerfend , an der sie vorüberhuschte . Wie sie mit Louis im Zimmer