Rücken . Die Kirche war völlig leer , die Andächtigen hatten sie bereits sämmtlich verlassen und soeben trat auch der Priester aus der Sacristei , wo er die gottesdienstlichen Gewänder abgelegt hatte , hinter ihm kam der Meßner , der mit einem verwunderten Blick die Fremden maß und dann an ihnen vorüberging , um die Kirche zu verlassen und sich in seine dicht daneben gelegene Wohnung zu begeben ; Benedict , der noch einige Minuten in der Nähe des Altars verweilte , wendete sich jetzt ebenfalls dem Ausgange zu . Als sei der Blitz vor ihm niedergefahren und habe ihm für Minuten Sprache und Bewegung geraubt , so regungslos stand er da beim Anblick der Beiden , die er wohl unter Allen auf Erden hier am wenigsten vermuthet . In dem Moment , wo er Lucie erblickte , sah er auch den Grafen an ihrer Seite , und Alles , was dies Wiedersehen sonst vielleicht wach gerufen , erstarrte in einer tiefen tödtlichen Bitterkeit , aber die Hand ballte sich krampfhaft unter dem dunklen faltigen Gewande Das also hatte seine Warnung gewirkt ! Ottfried war nicht minder peinlich berührt durch das unerwartete Zusammentreffen . Der Zufall schien sich heute ganz und gar gegen ihn verschworen zu haben , aber er war gewohnt sich in ähnlichen Lagen rasch zu fassen und fühlte , daß er seine Niederlage hier um keinen Preis verrathen dürfe . Auf Luciens eigene ihm wohlbekannte Scheu vor dem düsteren Mönche bauend , grüßte er nachlässig und sagte scheinbar mit vollkommener Ruhe : „ Entschuldigen Sie , Hochwürden ! Fräulein Günther wünschte auf einige Minuten hier einzutreten , Sie gestatten uns doch die Besichtigung Ihrer Kirche ? “ Lucie erbleichte , diese kecke Unverschämtheit raubte ihr für den Augenblick nicht allein die Fassung , sondern auch die Kraft , sich dagegen zu erheben . Noch bleicher als sie aber war der junge Priester geworden , der Blick , der sie jetzt traf , war voll eisiger niederschmetternder Verachtung und doch barg sich tief dahinter etwas wie verzweifeltes Weh . Ohne auch nur ein einziges Wort an sie zu richten , wandte er sich dem Grafen zu . Unser einfaches Gotteshaus bietet keine Merkwürdigkeiten ! Mir scheint , Herr Graf , Sie hätten draußen hinreichende und für Sie passende Unterhaltung genug gefunden , um die Kirche entbehren zu können ! “ Was der Blick begonnen , das vollendete der schneidende Ton dieser Worte , sie gaben Lucie die Besinnung und die Sprache zurück , sie fühlte dunkel , daß sie Alles ertragen könne , nur nicht die Verachtung auf diesem Antlitz . „ Graf Rhaneck spricht die Unwahrheit ! “ erklärte sie entschlossen , aber mit bebender Stimme , und es war nicht Ottfried ’ s Nähe , die sie jetzt erbeben machte . „ Ich habe mich hierher flüchten müssen vor seiner Zudringlichkeit . Ich hoffte , die Kirche würde mir Schutz gewähren – Graf Rhaneck ist mir dennoch gefolgt ! “ Ein Aufflammen brach glühend und leidenschaftlich hervor [ 171 ] aus den Zügen , die eben noch wie zu Stein erstarrt schienen , in der nächsten Secunde stand Benedict bereits neben dem jungen Mädchen und legte schützend die Hand auf ihren Arm . „ Mein Fräulein ! “ rief Ottfried , schwankend zwischen Zorn und Verlegenheit , „ Sie geben meinen harmlosen Galanterien eine eigenthümliche Auslegung . Hätte ich ahnen können , daß Sie einen Scherz – “ „ Genug ! “ unterbrach ihn Benedict mit dumpfer , noch mühsam beherrschter Stimme . „ Das Fräulein steht unter meinem Schutze . Verlassen Sie die Kirche , Graf Rhaneck ! “ Ottfried wurde blaß vor Wut bei diesen im Tone eines Befehls ihm zugeschleuderten Worten . „ Herr Pater Benedict , “ Sie haben das seltene Glück , stets unangreifbar zu sein , und pochen darauf , wie es scheint . Früher schützte Sie das Gewand , jetzt der Ort , wo wir stehen . Hüten Sie sich , auch meine Geduld könnte ein Ende erreichen . “ Benedict trat dicht an ihn heran . „ Sie werden dies Gewand und diesen Ort ehren , wenn Sie auch die Nähe einer Frau nicht zu ehren wußten . Noch bin ich Priester und ich weise Sie als solcher von der Schwelle meiner Kirche , sie dient nicht Ihrem Zeitvertreib . “ „ Noch sind Sie es ! “ Ottfried nahm seine Zuflucht zum Hohne , denn er wußte aus Erfahrung , daß diese Waffe den Gegner am schärfsten traf . „ Ueben Sie nur ja noch heute Ihre Priestergewalt , es möchte das letzte Mal sein , daß man Ihnen erlaubt , im Namen der Kirche zu sprechen , die Sie in Ihren Predigten so unverantwortlich preisgaben , und die mein Oheim hoffentlich vor Angriffen zu schützen wissen wird . “ Die Lippen des jungen Priesters zuckten verächtlich . „ Das Strafgericht des Prälaten kommt Ihnen wohl sehr gelegen , Graf Rhaneck ? Lassen Sie den Hohn ! Wir stehen hier auf geweihtem Boden , sonst – “ er vollendete nicht , aber der Blick , der die Worte ergänzte , machte Lucie zusammenschauern , das war wieder jenes furchtbare Auflodern , das sie einst im Tanze von der Seite des Grafen emporgeschreckt und von dem Ottfried spottend behauptet , „ der Fanatiker wolle ihn damit in die fernste Tiefe schleudern . “ Jetzt flammte jener Blick wieder in dem dunklen Auge und die Tiefe – war nicht weit ! Ottfried mochte wohl fühlen , daß er in diesem Streite den Kürzeren ziehen werde , und zog es deshalb vor , ihn zu endigen . Er erklärte kurz und hochmüthig : „ Wir sprechen uns noch , Herr Pater Benedict ! “ und verließ dann wirklich die Kirche , erst draußen ließ er seinem Grimm die Zügel schießen . Der Wind hatte sich inzwischen gelegt , aber das Gebirge begann sich zu umschleiern . Tief und tiefer senkten sich die Wolken in ’ s Thal herab , während