, die man sich nicht verhohlen ins Ohr sagte , nein , von der die Täler dies- und jenseits der rätischen Alpen widerhallten . Aber das war das Geringste – Schlimmeres drohte – Bünden unterhandelte mit Spanien , behauptete Wertmüller . Und nicht etwa einzelne Parteigänger und Unruhestifter zettelten , sondern das gesamte Volk war in Gärung und Verschwörung gegen Frankreich begriffen und Jenatsch , der heillose Heuchler , hielt das ganze Spiel des Betrugs in der Hand . Der Herzog pflegte gemeiniglich leichthin zu erwidern , derartiges habe sich noch nie ereignet , es sei schlechterdings undenkbar , daß ein ganzes Volk sich wie eine geheime Gesellschaft verschwöre , unmöglich , daß nicht mindestens einer ihn warnte unter seinen vielen redlichen Anhängern im Lande . Im schlimmsten Falle würde ihn sein Gastfreund , der ruhige , wohlunterrichtete und keiner Partei pflichtige Doktor Sprecher , gegen dessen ehrenwerte Gesinnung selbst der Locotenent nichts werde einwenden können , vor solchen unerhörten verräterischen Anschlägen sicherstellen . Der unbekehrbare Zürcher ließ das nicht gelten . Was die Verschwörung eines ganzen Volkes betreffe , so wolle er gerne zugeben , sagte er , daß sie nirgends möglich wäre , als unter den Bündnern , die mit dem nordischen Phlegma die südliche Verschlagenheit in glücklicher Mischung vereinigten . Der erste beste dieses Volkes könne dem geriebensten Diplomaten zu raten geben . Die Staatskunst sei hier so allgemein verbreitet und landesüblich , daß das ganze Volk wie ein Mann rede oder schweige , wenn es sich um einen deutlichen Vorteil handle ; die Schwierigkeit sei also nur , den langsamen Köpfen die Rechnung klarzumachen und dafür werde der Volksredner Jenatsch ausgiebig gesorgt haben . Was den gelahrten Herrn Doktor angehe , so wolle er ihm nicht zu nahe treten , aber für mutig halte er ihn nicht , wenigstens nicht einer gewissen geheimen Ferne gegenüber , von der man munkle . Er könne hier seine Quellen nicht nennen ; aber er müsse glauben , es sei im Lande ein Geheimbund errichtet mit Statuten , die sie den Kletten- oder Kettenbrief nennen – wahrscheinlich um das feste Ineinandergreifen und Zusammenhalten der Bundesglieder zu bezeichnen . Auf Verrat stehe der Tod . Er wolle nun nicht behaupten , daß der Doktor ein Glied dieser Kette sei , er sei nicht das Eisen dazu , aber daß er sich vor diesen Banditen sträflich fürchte , das sei mehr als wahrscheinlich . Diese Verschwörung , deren Verräter dem Tode verfalle , behandelte der Herzog als eine vom Müßiggange erfundene und geglaubte Schauergeschichte . » Man hat Euch das aufgebunden , Wertmüller « , pflegte er zu scherzen , » um Euerm Argwohne gleich das stärkste Gewürz vorzusetzen ! Und gesteht nur , Ihr verdient etwas für Eure böse Zunge . « Am verdächtigsten war dem Locotenenten die Keckheit , mit der Jenatsch den Herzog über dessen eigene Stellung am französischen Hofe mit schmeichelnden Worten zu täuschen versuchte . Darüber mußte sich Heinrich Rohan doch selber im klaren sein . Was konnte den Bündner dazu bewegen , fragte sich Wertmüller , wenn nicht die teuflische Absicht , den guten Herzog von allen Seiten mit Netzen der Täuschung und dämoschen Irrsals zu umspinnen , um den Sichergewordenen um so gewisser zu verderben ? Und sein Haß gegen den Obersten steigerte sich ins Unglaubliche . Priolo war unverrichteter Dinge von Paris zurückgekommen – Wertmüller nahm an , er sei in das Zögerungssystem des Kardinals eingeweiht und von diesem gewonnen – und wurde mit neuen Briefen wieder weggesandt , welche die dringendsten Vorstellungen enthielten , doch ja die Unterzeichnung des für Frankreich verhältnismäßig günstigen Vertrags nicht länger zu verzögern , nicht die Bündner dadurch spanischen Anerbietungen zugänglich zu machen . Kaum war Priolo abgereist , so berichtete der tapfere Herr von Lecques , den Rohan an der Spitze seines Heeres im Veltlin zurückgelassen hatte , von drohenden Zeichen des Ungehorsams unter seinen Bündnertruppen , die auf eine allgemeine Gärung im Volke hindeuteten . Er würde , schrieb er , diesen einzelnen Vorfällen weiter keine Bedeutung beilegen , wenn nicht die Spanier in ansehnlichen Massen sich der Grenze näherten , wenn nicht der Herzog von seinem Heere getrennt wäre und sich in der Mitte eines , wie er fürchte , mit der Politik Frankreichs täglich unzufriedener werdenden Landes befände . Er schloß seinen Bericht damit , daß er den Herzog bat und beschwor , sich um jeden Preis mit seinem getreuen Heere im Veltlin zu vereinigen . Sei dies geschehen , habe er , Lecques , seiner peinigenden Verantwortung sich entledigt und den Befehl in die ruhmreichsten Hände niedergelegt , so freue er sich , an der Seite seines Feldherrn , den Degen in der Faust , der ganzen Welt zu trotzen . Wertmüller vernahm diesen rettenden Vorschlag mit Jubel- und fluchte wütend , als er nach dem nächsten Besuche des Obersten wahrnehmen mußte , daß es diesem gelungen war , den Herzog zu überzeugen , sein Aufenthalt in Chur sei völlig gefahrlos , für die französischen Interessen in Bünden vorteilhaft , bei der Verehrung , die seine Person im Lande genieße , zur Beruhigung der Gemüter sogar unumgänglich notwendig . Ein Augenblick des Zweifels kam auch für den edlen Herzog . Es war Wertmüller gelungen eine Spur aufzufinden , deren Verfolgung ihn in den Stand setzen konnte , auch das blindeste Vertrauen zu erschüttern . Er hatte in der Schenke zum staubigen Hüttlein die Bekanntschaft eines welschen Quacksalbers gemacht und zufällig erfahren , dieser gedenke jetzt in das Land des Lorbeers und der Myrte zurückzukehren . Das abenteuerliche Männchen , das sich in dem kalten Klima den Magen mit dem gefährlichen weißen Completer wärmte , rühmte sich in prahlerischer Weinlaune seiner hohen diplomatischen Beziehungen und Fähigkeiten ; in Wertmüller , der ihn bewundernd anhörte und ihm fleißig einschenkte , blitzte eine Erinnerung auf . Jüngst , als er spät in der Nacht den bischöflichen Palast verließ , hatte er dies unverkennbare Figürchen bei schwachem Mondscheine in einer Ecke des Hofes neben einer Holofernesgestalt und