befremdeten Ausdruck auf das Paar , das scheinbar so einträchtig daherkam . Oben , am Erkerfenster der Herzogin , aber flatterte ein weißes Tuch und das schmale Gesicht der fürstlichen Frau lächelte hinter den Scheiben . Die Herren ließen mit tiefer Verbeugung den Herzog und Fräulein von Gerold vorbei . Sie sah merkwürdig aus , die schöne Freundin der Herzogin , ein harter Zug lag um den sonst so lieblichen Mund . Im Schlosse angelangt , stieg sie die Stufen empor , so langsam und müde , als trage sie eine schwere Last auf den Schultern . » Nun ist alles vorüber « , sagte sie noch einmal und betrat das Vorzimmer zu den Gemächern der Herzogin . » Klaudine « , rief diese , die am Fenster nach ihrem Liebling ungeduldig ausgeschaut hatte , und schlang die Arme um den Hals des schönen Mädchens , » Sie sind so lange geblieben ! Wie Sie fortgingen , wurde ich auf einmal so ungeduldig , ich wäre Ihnen am liebsten nachgegangen , ich kann wirklich nicht mehr ohne Sie sein . Hören Sie , Klaudine ? « Sie zog die Schweigende neben sich auf das kleine Polstermöbel im Schatten der roten Vorhänge und sah in die traurigen blauen Augen . » Armes Herz , Sie wurden verletzt vorhin , die Kleine war unartig und wird ihre Strafe bekommen . Es ist die Geschichte von dem Gänschen , das neben dem Schwan sich nur durch Geschrei bemerkbar machen kann . Klaudine « , fuhr die Herzogin fort , » ich habe doch wieder recht gesehen , wer Sie sind und wer die anderen ! « Sie drückte die kühle Hand des Mädchens . » Ich habe Sie so herzlich lieb , Klaudine « , flüsterte sie weiter , » ich möchte Sie so gern > du ! < nennen , wenn wir unter uns sind . Ist das unbescheiden ? « » Hoheit ! Bitte « , stammelte sie . » Nicht Hoheit , Klaudine . Denkst du , ich werde › du ‹ zu dir sagen , wenn du mich › Hoheit ‹ nennst ? › Elisabeth ‹ will ich heißen und › du ‹ ! Ach bitte , bitte ! – Nicht eine einzige Seele habe ich im Leben gehabt , die so mit mir verkehren durfte . Gönne mir doch dieses reine schöne Bewußtsein , daß du meine Freundin bist . Bitte , bitte , Klaudine , sage › ja ! ‹ « » Hoheit sühnen die unbedeutende Kränkung von vorhin durch allzu große Gunst « , sprach das Mädchen erregt , » ich kann , ich darf es nicht annehmen . « Und sie sprang plötzlich empor und faßte sich an die Schläfen . » Ich hätte dich für vernünftiger gehalten , Klaudine « , sagte die fürstliche Frau , » als daß du über eine so einfache Sache außer dir gerätst ! Es ist der Inbegriff alles Vertrauens , aller Liebe – das › du ! ‹ Und weil ich zufällig Herzogin bin , soll ich das entbehren ? So darfst du nicht denken , und so denkst du auch nicht . Komm her , Klaudine , und gib mir den Schwesterkuß ! « Klaudine kniete vor der liebenswürdigen Frau nieder , sie wollte sprechen : » Laß mich ! Laß mich ! Es ist besser für dich und für mich , ich gehe fort von dir , so weit mich meine Füße tragen ! « Und sie brachte es doch nicht über die Lippen unter diesen fieberglänzenden Augen , die so innig bittend in die ihren blickten . Und dann schloß ein Kuß ihren Mund . Im nächsten Augenblick fühlte sie etwas kaltes an ihrem Arm , ein schmaler goldener Reifen in Gestalt eines Hufeisens , die Stellen der Nägel mit Saphiren und Brillanten geschmückt , blitzte ihr entgegen . » Wird Eure Hoheit – wird dich – « verbesserte sie sich weinend , » dies nie gereuen ? « und ihr ernstes blasses Gesicht sah fragend zu ihrer fürstlichen Freundin auf . » Ich habe ein feines Gefühl , Klaudine , für Menschenwert . Ich weiß , ich habe keiner Unwürdigen mein Herz angeboten . « 16. Prinzessin Helene war in außerordentlich schlechter Stimmung nach Neuhaus zurückgekehrt . Sie hatte während der Fahrt schweigend in der einen Ecke des Landauers , Prinzeß Thekla in der anderen gelehnt , ebenso still . Komtesse Moorsleben , die in den Wagen befohlen war , wußte nur mit Mühe ein Lächeln zu unterdrücken , so ähnlich sahen sich in diesen Minuten des Verdrusses das junge und das alte Antlitz . Erst oben , in den Gemächern des Neuhäuser Schlosses , entlud sich das Gewitter , und zwar über dem Haupt der Frau von Berg , die in das Zimmer der jungen Prinzessin befohlen ward . Die Kleine überhäufte die scheinbar schwer gekränkte Frau mit den wahnsinnigsten Vorwürfen , gerade als ob sie schuld sei , daß vor vierhundert Jahren ein alter Gerold die Idee hatte , in dieser Gegend ein festes Schloß zu bauen , das nach und nach zu diesem unausstehlichen Altenstein geworden war . Ein greulicher Aufenthalt , eine Einöde sei es , es liege ja klar am Tage , daß niemals ein vernünftiger Mensch so eine geschmacklose Erwerbung hätte machen können , wenn nicht ganz besondere Absichten damit verbunden wären . Ob denn so etwas erhört sei , daß man öffentlich einen Verweis von Ihrer Hoheit hinnehmen müsse wegen – wegen so einer – . Sie fand in ihrem Zorn kein passendes Wort . Es habe ja gerade noch gefehlt , daß sie , Prinzeß Helene , die Hofdame Ihrer Hoheit um Verzeihung bitten solle ! » Oh ! « fragte die schöne Frau , die mit gesenktem Haupt diesen Sturm über sich ergehen ließ , » um Verzeihung bitten ? Durchlaucht hatten doch nichts getan ? « » Ich habe sie einfach nicht gesehen , denn ich mag sie nicht leiden « , erklärte die