war mit Fahnenmasten , die man in Krepp gehüllt hatte , und von denen halbmast schwarze Wimpel wehten , eingefaßt , und auf dem festgestampften Schnee lagen Tannenzweige wie ein dichter , grüner Teppich . Zu beiden Seiten des Trauerweges hatten Soldaten Spalier gebildet , hinter ihnen schob und drängte sich die Menge . Mitten durch dieses Gewirr wand sich ein Schlitten , zwei verschleierte und vermummte Damen saßen darin . Ein paar große Reisekörbe waren hinten auf den Kufen befestigt . Das junge Mädchen , dessen ovales feines Gesicht nur ein dünner Schleier schützte , sah weder rechts noch links , mit gesenktem Kopf fuhr sie durch die Menge . „ Das ist Fräulein May , die reist heut ’ nach Dresden , will Sängerin werden , “ bemerkte Karoline wichtig , die am andern Fenster mit den beiden ältesten Kindern stand . Hedwig sah dem Mädchen nach , bis der Schlitten um die Ecke bog . Also das war sie , die es verschmäht hatte , in diesem Hause Herrin zu sein , in welches als Dienerin einzutreten ihr als Glück erschien . Ach , das junge Geschöpf wußte wohl nicht , was es gethan ! Es sollte nur erst versuchen was es heißt , als Frau sich durch die Welt zu schlagen . Eines Tags würde sie bereuen , bitter bereuen , oder aber sie war ein vollwertiges Talent , vielleicht zur wirklichen Künstlerin berufen – dann – ja dann – In die Massen draußen kam plötzlich Bewegung . Die Glocken begannen zu läuten , im Schloßthor trat die Wache unters Gewehr . Eine Abteilung des in der Residenz garnisonierenden Jägerbataillons schritt voran , dann folgten die herzoglichen Forstbeamten , dahinter der von acht Pferden gezogene Leichenwagen , dessen schwarze , mit silbernen Fürstenkronen verzierte Sammetdecke von acht herzoglichen Förstern getragen wurde . Hinter diesem schritt der Herzog neben seinem Sohne , dem sechzehnjährigen Thronfolger , in langer Reihe folgte das vornehme Trauergeleit . Am Fuße des steilen Schloßberges stockte der Zug , der Herzog und die Herren vom Hofe sowie die Herzogin und ihre Damen bestiegen die bereitstehenden Wagen , die sich dem Zuge anschlossen . Hedwig Kerkow glaubte , in einer der vorderen Eguipagen ihre Schwägerin , in einer andern ihren Bruder erkannt zu haben . „ Jesus , meine Zuversicht , “ spielte die Musik ; der Kondukt setzte sich in Bewegung , in der Richtung nach dem Gebirge , dessen Wälder das stille Schloß bargen , in dessen Begräbnisstätte die Tote ruhen sollte . Breitenfels war aus der Reihe der bewohnten Schlösser gestrichen , es begann seinen Schlaf , wie so viele herrliche Burgen aus alter Zeit . In kurzer Frist würden in den Gemächern der [ 171 ] Herzogin die Vorhänge vor den Fenstern heruntergelassen sein und ein paar Diener sowie der alte Kastellan da droben gleich Gespenstern umherschleichen , höchstens im Herbst , zur Jagdzeit , würden auf ein paar Wochen wieder helle Fenster in die Dunkelheit hinausgrüßen . Hedwig seufzte tief , als der letzte Wagen ihren Augen entschwand ; wenn sie doch erst wüßte , was nun aus Heinz wird ! – Es war am Abend , sie saß allein in der Wohnstube , die Kinder schliefen bereits , der Hausherr befand sich in seinem Zimmer , da klingelte es draußen und gleich darauf kam Karoline und brachte ihr ein Briefchen – von Heinz . „ Wenn es Dir möglich ist , komme auf eine halbe Stunde zu mir . Der Diener wartet , er kann Dich gleich heraufbegleiten . “ Sie holte den Mantel , band einen Spitzenshawl um den Kopf , trug Karoline auf , falls der Herr Oberförster nach ihr fragen sollte , zu sagen , sie sei zu ihrem Bruder gegangen , und schritt , begleitet von dem Diener , aus dem Hause . „ Der Herr Hofmarschall wohnt noch in seinen alten Zimmern , “ sagte der Mann . Im Schlosse angelangt , dankte ihm Hedwig und stieg die Treppe empor in das erste Stockwerk , dort blieb sie stehen und sah sich unwillkürlich um . Der breite Gang , der zu den Gemächern der Verstorbenen führte , war nur durch eine einzige Lampe erleuchtet . Cypressenzweige und weiße Blüten lagen auf dem schwarzen Teppich und die Tuberosen dufteten fast betäubend . Unheimlich still war es . Die Dienerschaft mochte in ihren Speiseräumen sitzen oder daheim sein , sofern sie nicht im Schlosse wohnte , sie war ja außer Thätigkeit . Die auswärtigen Fürstlichkeiten und sonstigen hohen Gäste sowie die herzögliche Familie hatten sich in dem von dem regierenden Herzog bewohnten Teil des Schlosses versammelt – hier herrschte Schweigen und Verlassenheit . Hedwig Kerkow stieg weiter empor . Im zweiten Stock begegnete ihr die Jungfer der Frau von Gruber , sie trug ein Theeservice in das von der alten Hofdame bewohnte Zimmer . Tante wird angegriffen sein und nimmt den Thee im Bette , dachte Hede . Im dritten Stock angelangt , fand sie ohne weiteres die bekannte Thür und klopfte an ; eine Frauenstimme rief : „ Herein ! “ Mit enttäuschter Miene trat Hedwig ein , sie hatte gehofft , den Bruder allein zu finden . Die Lampe auf dem großen Schreibtisch brannte zwar , aber sie genügte doch nicht , das große Zimmer völlig zu erhellen . Heinz schritt der Schwester entgegen . „ Guten Tag , Hede , es ist lieb , daß du kommst , “ sagte er . „ Toni , hier ist Hedwig . “ Aus einem der riesigen Fauteuils kam ein Laut , der wohl soviel wie „ Guten Tag ! “ bedeuten sollte , und das Gesicht der jungen Frau , doppelt blaß unter der schneppigen Krepphaube über dem tiefschwarzen Kleide , wandte sich ihr zu . Hedwig ging zu ihr hinüber . „ Es thut mir leid , Toni , daß eure schöne Reise so traurig unterbrochen wurde . “ Toni zuckte unmerklich die Schultern , senkte den Kopf und schwieg . „ Ich