und die Hände falteten sich , aber es kam kein Wort über ihre Lippen , nur im Herzen wogte ein verworrenes Dankgebet , ein namenloses Bangen , ein unendliches Glücksgefühl . Endlich sprang sie empor und öffnete das Fenster , „ da drüben , da drüben ! “ flüsterte sie und winkte mit der Hand , als könne er es sehen . Ob er jetzt an sie dachte ? Ob er seiner Mutter gestanden , daß er das kleine kindische Lieschen aus der Mühle im Arme gehalten und geküßt ? Und Nelly ? „ Lieschen ! Lieschen ! “ rief es da unten . „ Gleich ! “ antwortete sie – es klang wie ein jauchzender Aufschrei ; sie nahm das Licht und trat vor den Spiegel ; dunkelglühende Augen scharrten aus dem Glase ihr entgegen . Seine Braut flüsterte sie , „ seine Braut ! “ und tiefes Roth überflog ihr Gesicht ; sie löschte schnell das Licht und eilte hinunter . „ Sie sind schon in der Eßstube , Fräulein , “ rief Dörte ihr zu , und dann kreischte sie plötzlich laut auf . „ Jesses , Jesses , Jesses , Fräulein , es ist ’ ne heimliche Braut im Hause ; sehn Sie doch – eins , zwei , drei Lichter ! “ Das junge Mädchen , welches schon den Drücker der Eßstubenthür in der Hand hatte , drehte sich über und über erröthend um – richtig , da stand die Dörte mit der Küchenlampe ; dort hing die grün lackirte Flurlampe an der Wand , und die Muhme war eben aus ihrem Stübchen getreten und hielt die Hand schützend vor den flackernden Wachsstock , daß der Schein so recht hell auf das alte gute Gesicht fiel . „ Es ist doch die Möglichkeit ! “ sagte sie wie ärgerlich . „ Mädel , Du bist rein toll ; da jauchzt sie los , daß ich zum wenigsten meine , sie hat das große Loos gewonnen . Heimliche Braut – dummer Schnack , wirst es wohl selbst am besten wissen , wer ’ s ist ! Steht doch alle Abend an der Gartenpforte ein Liebespaar , trotz dem tiefsten Schnee . Geh ’ hinein , Kind ! Ich komme schon nach , “ wandte sie sich an Lieschen , die zögernd die Thür zur Eßstube öffnete und mit der alten Frau hereintrat . Da saßen sie schon , der Vater , die Mutter und der Onkel Pastor , und nun sprach dieser das Tischgebet , und dann erschien Dörte mit dem duftenden Gänsebraten , den der Hauswirth jetzt zerlegen wollte . „ Und weißt Du , Pastor , “ sagte er in Fortsetzung eines unterbrochenen Gespräches , und strich dabei das Messer an dem zierlichen Schleifstahl hinunter , „ es wäre ein wahrer Segen , wenn die Geschichte wirklich in ’ s Leben träte , aber glauben kann ich nicht daran ; es heißt schon seit zehn Jahren so . “ „ Ja , ich kann Dir auch nichts weiter sagen , Friedrich , “ erwiderte der Pastor , „ als was ich in B. neulich hörte von dem Baumeister Leonhardt ; er sagte , zum Frühjahr käme eine Commission , um die verschiedenen Strecken zu erwerben , und sobald dies geschehen , geht das Bauen los ; meinetwegen , Eisenbahn oder nicht ! Ich wollte nur – “ er strich mit der Hand über die Stirn . „ Sie ängstigen sich wegen der Krankheit der Kinder , Herr Pastor ? “ fragte nach einer Pause teilnehmend die Hausfrau . „ Nun ja , ich will es ehrlich gestehen , “ erwiderte er und sah wirklich bekümmert aus , „ wir stehen ja Alle in Gottes Hand , aber das Menschenherz ist leicht verzagt ; die heimtückische Krankheit tritt in diesem Jahre ganz besonders gefährlich auf , im Dorfe liegen ja Haus bei Haus die Kleinen ; aus mancher Familie habe ich eins oder gar zwei zu Grabe geleitet , und bei allem Beugen unter den Willen des Herrn , Minnachen – die Angst läßt sich nicht fortjagen . “ „ Um Gotteswillen , Onkel , so schlimm ist es ? “ Lieschen sah mit großen erschrockenen Augen zu ihm hinüber ; sie kam sich plötzlich im höchstem Grade lieblos vor , hatte sie doch in ihrem seligen Glück seine Angst erst gar nicht bemerkt . „ Soll ich mitkommen ? Soll ich helfen ? “ „ Ei behüte , Lieschen , das ist eine gefährliche ansteckende Krankheit – um die Welt nicht ! “ sagte freundlich der geistliche Herr und drückte ihr die kleine Hand , „ nein , nein , da wird meine Rosine schon allein fertig ; man soll , sich nicht leichtsinniger Weise in Gefahr begeben . Du bist das einzige Kind – das muß sich schonen für die Eltern ; nein , ich danke Dir , Lieschen ; es geht schon so . Uebrigens ich muß bald nach dem Essen wieder fort ; die Rosine hat mich mit aller Gewalt heraufgejagt . “ „ Na , komm , Pastor , “ sagte der Hausherr herzlich und hob sein Glas , „ auf daß es bald besser gehe daheim und alle Angst umsonst war ! “ „ Gott gebe es ! “ Das ernste Gesicht des Pastors hellte sich wieder auf ; „ aber nun ist ’ s genug davon , “ meinte er sich zusammenraffend , „ ich will Euch nicht auch noch die Festfreude verderben , gelt Lieschen ? Lach ’ nur wieder . Sahst vorhin so strahlend aus . Was hattest Du denn mit der Nelly ? Dein Gesicht glänzte ja wie eitel Lust und Freude . “ Lieschen erröthete wie eine Purpurrose . „ Nun , dort oben wird ’ s wohl nicht gerad ’ zu strahlend aussehen , “ fiel Herr Erving ein . „ Ach ja , da hat ’ s auch sein bitteres Leid – es ist wahr , “ seufzte der Pastor ; „