vier oder fünf an der Zahl , die völlig eigenartig wirken und in ihrer Mischung von Berliner Nähtisch und ägyptischem Fetisch , von Ramses und Christian Friedrich Gentz , kairensischen Teppichen und Ahornpaneelen aus der Berliner Glanzzeit der Jenny Lind , nirgend ihresgleichen haben , auch in den maurischen Häusern nicht , deren wir vielleicht einige , jedenfalls aber eins in unserer Stadt besitzen : das Diebitschsche Haus am Hafenplatz . Denn all das bisher in wohlüberlegter Gegensätzlichkeit Aufgezählte gibt nur eine schwache Vorstellung von dem , was sich an aparten und untereinander in einer Art Fehde stehenden Dingen hier alles zusammenfindet , Dinge , die berufen scheinen , ein Fünfweltteile-Redenzvous und dabei zugleich das bunte reiche Leben zu veranschaulichen , das der Besitzer aller dieser Herrlichkeiten führen durfte . Was von dem Grund und Boden unserer Hauptstadt gesagt worden ist , » jeder Quadratmeter bedeute schon ein Vermögen « , das gilt fast auch von den Wänden dieser W. Gentzschen Wohnung , und » gekeilt in drangvoll fürchterliche Enge « haben wir hier die bei den verschiedensten Gelegenheiten , als Erinnerungsblätter , an W. Gentz überreichten Skizzen aller möglichen Malerberühmtheiten zusammen . Ich kenne , soweit Berlin in Frage kommt , keinen Privatmann , dessen Wohnung angetan wäre , mit der hier vorhandenen Bilderfülle zu wetteifern , und wenn beispielsweise das an den Wänden der Menzelschen Wohnung Aufgespeicherte , schon weil sich viele » Menzels « darunter befinden , unendlich wertvoller ist , so verschwinden doch , namentlich solange wir der Zahl ihr Recht gönnen , selbst diese Menzelschen Schätze neben der bunten Mannigfaltigkeit des hier bei W. Gentz Gebotenen . Daß übrigens das Gentzsche sich auch inhaltlich sehen lassen kann , das wird sich aus einer bloßen Aufzählung der Bilder und Skizzen genugsam ergeben , trotzdem ich gezwungen bin , an drei Vierteln des Vorhandenen vorüber zu gehen . Es befinden sich hier : Friedrich Geselschap : Mädchen von Capri . Anselm von Feuerbach : Aretins Tod bei einem ihm von Tizian gegebenen Gastmahl . Otto Knille : Dolce far niente . Ein Tiroler Bursch . Rudolf Henneberg : 1. Szene vorm Forsthaus . 2. Reiter , ein Wasser durchschreitend . Gustav Spangenberg : Studienkopf zu Spangenbergs Lutherbild in der Nationalgalerie . Albert Hertel : Dorf in Abendbeleuchtung . Georg Bleibtreu : Kaiser Wilhelm und Moltke am Abend des 18. August 1870 ( Gravelotte ) . von Meckel 32 : Arabische Wegelagerer . von Klever ( Professor an der Petersburger Akademie ) : Russisches Dorf am Meer . Hugo von Blomberg : Benvenuto Cellini im Keller . Teutwart Schmitson : Bäuerliches Gespann . Ernst Ewald : Märchenerzähler . Dörr : Vier Interieurs einer Färberei in Fontainebleau ( Dörr war ein Mecklenburger aus Ludwigslust , bildschöner Mensch und um seiner Schönheit willen früh gestorben . ) Ludwig Knaus : Kinderszene aus der Feilnerstraße . Paul Meyerheim : Ziegen und ein im Grase liegender Junge . Geschenk Paul Meyerheims an sein Patenkind Ismael Gentz . Fritz Werner : 1. Französische Gefangene im Tempelgarten zu Ruppin . 2. Porträt von W. Gentz , in ägyptischem Kostüm . Anton von Werner : 1. Almosen-Verteilung auf einem Kirchhofe bei Kairon . 2. Gebet in der Wüste ; Abd el Kader . Ferdinand Heilbuth : Doppelte Nelken in einer japanischen Vase . Jean Lous Hamon : Im Ringelreihen tanzende Mädchen . ( L. Hamon , gest . 1874 . ) Diese zweiundzwanzig Bilder und Skizzen , unter denen mir F. Heilbuths » Doppelte Nelken « und J. L. Hamons » Ringelreihen « als die bedeutendsten erschienen sind , geben aber , wie schon angedeutet , nur eine geringe Vorstellung von dem , was sich hier alles auf engstem Raume zusammenfindet . Vieles von dem Verbleibenden ( dreißig Bilder und Skizzen ) rührt von niemand Geringerem her , als von W. Gentz selbst , und wenn ich in vorstehendem speziell auf Aufzählung dieser Gentzschen Arbeiten , zu denen auch zahlreiche Kopien nach Veronese , Tizian , Velasquez , Rubens , Jordaens , Giorgone , Correggio , Poussin usw. gehören , verzichtet habe , so geschah es , um diesem Aufsatze nicht über Gebühr einen katalogartigen Charakter zu geben . Abschließend aber möchte ich an eben dieser Stelle noch hervorheben dürfen , daß der reiche Bilderschmuck nur einen Teil der Gesamtausschmückung dieser Räume bietet , die mit ihren aus Afrika mitgebrachten Erinnerungsstücken in erster Reihe den Eindruck eines ethnographischen Museums machen . Da finden sich wunderbar geformte Laternen , Leuchter und Kannen aus arabischen Moscheen , Rauchgefäße , Teller und Tassen , altägyptische Götterfiguren , perlmutterbelegte Sessel , Kaffeemörser und Musikinstrumente : Darabucken und Tamburine . So das Gentzsche Haus . Und eigenartig wie das Haus , so das Leben in ihm , auch das gesellschaftliche , das , in vielen Punkten mit dem Leben anderer Künstlerhäuser übereinstimmend , sich doch auch wieder durch einen eigentümlich internationalen Zug von ihnen unterscheidet . W. Gentz ' zwölfjähriges Leben in Paris , seine bis auf diesen Tag alljährlich fortgesetzten Reisen in immer noch wenig befahrene Gegenden , sein ausgebildeter Sinn für Geographisches , Anthropologisches und Kulturhistorisches überhaupt , sein Wissen , das es ihm ermöglicht , auch eigentlichsten Gelehrten auf ihren Wegen zu folgen – all das hat sich vereinigt , um seinem gastlichen Hause nicht bloß einen künstlerischen , sondern auch einen wissenschaftlichen , halb diplomatischen , alle Gesellschafts-und Völkerklassen umfassenden Stempel zu leihen . Ich würde mich nicht wundern , Tippo Tipp oder Mirambo , oder Bana Heri , oder , wenn er noch lebte , den König Mtesa von Uganda bei Gentz zum Frühstück anzutreffen , Stanleys oder Wißmanns , oder Emin Paschas , als einfacher Selbstverständlichkeiten , ganz zu geschweigen . Ich darf mich nicht rühmen , oft an den Reunions in der Hildebrandtstraße teilgenommen zu haben , aber niemals war ich zugegen , ohne sachlich und persönlich Interessantes erlebt zu haben . W. Gentz liebt es zum Beispiel , seinen Gästen , auf gut Afrikanisch , Bananen vorzusetzen , und er tut wohl