, mag kommen , was will . « Eine Fledermaus flog durchs offene Fenster und huschte ohne Laut wieder hinaus . Der Regen hatte aufgehört ; nur in den Röhren und Rinnen sickerte und plätscherte es noch . Es war etwas Banges in der Luft des Juniabends . 14 Von Benda hatte Daniel in der ersten Zeit einige spärliche Nachrichten aus England erhalten ; seit anderthalb Jahren hatte er nichts mehr von ihm gehört . Aber als Lenore im Juli aus Pommersfelden zurückkehrte , sagte sie ihm , daß im April ein Brief Bendas an ihre Adresse gelangt sei und daß sie ihm diesen Brief nach Naumburg geschickt habe . Doch der Brief hatte ihn nicht erreicht , und die Nachforschungen , die er jetzt anstellte , blieben vergebens . Bendas Mutter war nicht in der Stadt . Sie lebte bei Verwandten in Worms , hatte aber die Wohnung im Haus des Herrn Carovius behalten . Frau von Auffenberg weilte im Emser Bad und sollte erst im September zurückkehren . So knüpfte Daniel frühere Beziehungen wieder an , und es gelang ihm , einige Unterrichtsstunden zu bekommen , die ihm vorläufig einen kleinen Verdienst sicherten . Die Tage forderten viel äußerliche Geschäftigkeit von ihm , der er nicht gewachsen war . Er hatte geglaubt , man könne heiraten , wie man in einen Laden geht , um etwas zu kaufen , ohne Lärm und ohne Aufenthalt . Er hatte hundert Launen , hundert Einwände , hundert Grimassen . Die Wohnung am Egydienplatz war gemietet worden ; es erbitterte ihn , daß man , um mit einer geliebten Person zu leben , Tische , Betten , Stühle , Schränke , Lampen , Gläser , Teller , Kehrichtfässer , Wassereimer , Fensterpolster und tausenderlei Krimskrams haben mußte . Es wurde in der Stadt viel über die bevorstehende Hochzeit geredet , und die Leute sagten , sie begriffen den Inspektor Jordan nicht . Der Mann muß arg heruntergekommen sein , hieß es , daß er seine Tochter einem Bettelmusikanten gibt . Daniel fand alles schwer , alles war letztes Gericht für ihn . Eine Melodie fraß an seinem Herzen , ehe sie ihre reinste Form gewonnen hatte . Die Freiheit rief mit Himmelstönen ; die stille Verlobte rief zur Kameradschaft . Die Aufgabe , der er sich geweiht , heischte Einsamkeit , dann riß ihn wieder das Blut hin , und er wurde weich und wild . So stürzte er oft zu Jordans hinauf , trat mit wirren Haaren in die Stube , wo die beiden Schwestern emsig an Gertruds Ausstattung nähten , setzte sich hin , sprach kein Wort und wartete , bis Gertrud kam und ihm die Hand auf die Stirn legte . Er stieß sie zurück , aber das Mädchen lächelte sanft . Manchmal jedoch zog er sie an den Armen zu sich herab , dann lächelte Lenore , - schamhaft , als ertrüge sie nicht den Anblick Liebender . Es war ein gebrauchter Stutzflügel gekauft worden , der einstweilen in der Wohnstube des Inspektors stand . An manchen Abendstunden spielte Daniel . Die Schwestern hörten zu . Gertrud glich einer Schlummernden , der alle Wünsche in Erfüllung gegangen sind und die ruht , geisterhaft beglückt ruht . Lenore aber wachte ; wachte und sann . 15 Der Tag der Trauung kam . Morgens um halb zehn Uhr erschien Daniel in der Inspektorswohnung , im Gehrock und Zylinderhut , verdrossen und verrucht anzuschauen , ein Bild des Jammers . Der Weltmann Benno war genötigt , das Zimmer zu verlassen und fiel draußen vor Lachen auf eine Wäschetruhe . Er billigte diese Heirat nicht ; er schämte sich ihrer vor seinen Freunden . Gertrud trug einen einfachen Straßenanzug und einen der kleinen Jung-Frauenhüte , welche die Mode vorschrieb . Sie saß am Tisch und schaute mit großen Augen vor sich hin . Lenore trat mit einem Myrtenkranz ins Zimmer . » Den sollst du aufsetzen , Gertrud , « sagte sie , » nur zum Schein für uns , damit man doch das Gefühl hat , du bist eine Braut . Sonst ist ' s ja gar zu nüchtern mit eurem Standesamt . « » Wo hast du den Kranz her ? « fragte der Inspektor . » In einer Kiste hab ich ihn gefunden ; es ist Mutters Brautkranz . « » Ach , ist es Mutters Brautkranz ? wirklich ? « murmelte der Inspektor und betrachtete den Kranz , der vergilbt war . » Setz ihn doch mal auf , « bat Lenore wieder , aber Gertrud , mit einem Blick auf Daniel , weigerte sich . Da ging Lenore zum Spiegel und setzte sich selbst den Kranz aufs Haar . » Tu das nicht , Kind , « warnte der Inspektor , wehmütig lächelnd ; » das abergläubische Volk sagt , man muß Jungfer bleiben , wenn man den Kranz einer andern trägt . « » So bleib ich eben Jungfer und bleib ' s gern , « erwiderte Lenore . Sie drehte sich vom Spiegel halb unbewußt zu Daniel . Das Blond ihrer Wimpern erschien fast grau , das Rot der Lippen wurde durch das Lächeln in viele Teilchen zerstückelt , und der Hals war wie etwas Flüssiges und zugleich Entkörpertes . Daniel sah dies alles . Sein Blick umfaßte die Undinengestalt des Mädchens . Ihm war , als habe er sie in den Tagen seit ihrer Rückkehr überhaupt nicht gesehen ; als habe er nicht gesehen , daß sie reifer , schöner , süßer geworden war . Auf einmal verspürte er einen Schrecken , daß ihm die Knie wankten . Wie ein Blitz durchschoß es ihn : da ist es ja , was ich vergessen hatte ! da ist das Antlitz , die Figur , das Auge , die Bewegung , da steht es lebendig vor mir , und ich Narr , ich unsäglicher Narr , war mit Blindheit geschlagen ! Gertrud ahnte dumpf den unheilvollen Vorgang . Sie erhob sich und schaute Daniel entsetzt an