entrollt sich in der zweiten Dimension . Nur die tüchtigsten Köpfe unter uns begreifen die fünfte Dimension ; diese eigentümliche Verschiebung des Denkens innerhalb der Zeit . das organisierte Denken , das , möchte ich sagen , sich zum anorganischen Denken verhält , wie der dualistische Geschlechtsakt zur Parthenogenese . Derer , die so denken können , sind ganz wenige . Der Djunglemensch aber kennt nicht einmal die vierte Dimension , die Zeit , den fortgerissenen Raum . Denn erst die Idee des Fortschrittes konnte den Begriff der Zeit vollständig mit einem Anschauungsmomente decken . Der Djunglemensch sieht kleine und große Organismen , junge und alte Kreaturen , er kennt ein Wachstum und begreift es als leibliche Wohlfahrt . Aber er kennt keine Schichtungen und keine Entwickelung . Er bleibt stationär von der ersten Minute seines Atmens bis zur letzten . Bilden Sie sich nicht ein , der Djunglemensch würde , wenn Sie als Vertreter einer reiferen Rasse bei ihm eintreten , ein Einsehen mit Ihrer Überlegenheit haben . Er hat die Zeit , die in Ihnen vorgespart liegt , nicht begriffen . Er lebt in der Ewigkeit , im seienden Raum , der ihm niemals unter den Füßen fortbewegt wurde zu einer höheren Existenzform , zu technischen Umgestaltungen oder geistigen Manövern . Nur wer die Ewigkeit verliert , entdeckt die Zeit - wir verloren und entdeckten . Haust der Djunglemensch also in der dritten Dimension ? Nein . In der zweiten . Sein Leben spielt sich in der Fläche ab . Er ist noch nicht einmal beim Raume angelangt . Mein Beweis ist kurz : er hat keine Tiefe . Sie werden behaupten , das sei ein Wortspiel . Und ich erwidere Ihnen , daß ich gelernt habe , meine Überzeugung aus Wortspielen zu holen . Die Sprache ist verläßlich , oh wie verläßlich ! Alle Philosopheme und Weltanschauungen sind aus Worten geboren , die man später einmal als Irrtümer bezeichnet hat . Später einmal , das heißt zu spät . Sie kennen das Sprichwort vom Brechen der blühenden Rose , vom Schmieden des glühenden Eisens . Zurecht kommen zu einem Schöpfungsakt , nicht träge , sondern pünktlich sein , dabei sein - das ist alle Wahrheit ! Denn sehen Sie , zur Richtigkeit gehört etwas anderes als Freiheit von Irrtümern : der Takt , die Pace . Nur Wahrheiten , die Pace haben , gelten . Und die Gebilde des Wortes besitzen Takt . Aus ihnen entsteht dem , der dazu neigt , ein herrliches Phantoplasma . Der Djunglemensch jedoch hat keine Sprache in unserem Sinn : sie ist ihm nicht eine Anschauung höheren Ranges wie uns . Bei ihm sind noch die primären Künste daheim : Musik , Tanz und Malerei , und sein Dasein , seine Wurzelexistenz spiegelt sich in ihren Erregungen . Er beobachtet sozusagen mit anderen Organen , als wir es tun . Seine Beobachtung ist zweidimensional . Er beobachtet in die Fläche . Wir beobachten in die Tiefe , in die Entwicklung und in die Inversion . Unsere Beobachtung erstreckt sich letzterdings auf uns selbst . Wir sind introspektiv , er ist grausam . Neugierig sind wir beide . Einen Augenblick , bitte . Ich muß zurückgreifen , um Sie mitzunehmen . - Was erlebt der moderne Reisende ? Nicht nur die wunderbaren und abenteuerlichen Exzesse seines sensiblen Nervensystems , sondern auch die Worte und das Bewußtsein hierzu . Kommen Sie aber davon ab , gehen Sie noch um einen Grad weiter in Ihrem Denken , nehmen Sie eine Umstülpung , eine Inversion des zeitlichen Denkens in die fünfte Dimension vor und denken Sie sich zu diesem kolossalen verantwortungsvollen Bewußtsein einen bildnerischen Gesichtssinn , so haben Sie einen Maler , der scheinbar zu den Ursprüngen der Malerei zurückgekehrt ist , und der der Malerei gibt , was ihrer ist : die Fläche - und der trotz seiner Betonung des Physischen , trotz seiner urhaften Ausdeutung des Beobachtenden im Menschen als des Grausamen , der geistigste , wissenschaftlichste und ichgewandtste Figureur aller bisher gewesenen Künstler ist . Und Sie verstehen , daß ich somit wiederum nicht etwa Kelwa meine , den Djungleartisten , von dem ich Ihnen ein paar Brocken hingeworfen haben dürfte , sondern unseren verehrten Malererfinder und Freund : ich erhebe mich von meinem Sitze und toaste auf unseren Roroschkin , diesen Lionardo unserer Rasse , das gotische Genie , den Künstler jener letzten und jüngsten Dimension , in die wir eben eingetreten sind . Wir , die Beweger und Überwinder von Zeit , Logik und Denken ins höhere Denken ! Vivat Roroschkin ! Sehr gut , meine Damen und Herren . Nun bitte ich wieder um etwas Ruhe . Ihre Zustimmung für mich und Ihr Jubel für Roroschkin freuen mich . Sie sind mir ein gutes Zeichen . Mag der Widerhall aus unserer fünften Dimension auch das Durchschnittsgemüt des heutigen Geschöpfes unserer Kultur betäuben , ich bin glücklich , daß ich doch wieder einen Takt sehe , der mit eisernen Klammern die Ichs umfriedet . U mfriedet ! Die Kultur unserer Dimension ist sozusagen hochaufgeschossen , vieles , das sich der Djunglemensch organisch erhalten hat , wird von uns jetzt nachgeholt werden . Die Hauptsache ist , daß wir über die Beilegung dieses Versäumnisses einig sind . Wir müssen physischer werden - und schon sind wir es . Der Takt fliegt uns zu , die Pace legt sich uns ins Schreiten . Noch gibt es Gelegenheit , noch können wir stark und glücklich werden . Ich verglich einmal den Laut aus unserem Kulturleben dem fernen unartikulierten Schleifen von Füßen vor den Vitrinen , Bälgen und anderen Velleitäten eines Museums . Aber ich höre das Signal . Wir geben eine Parole aus , scharen uns um den neuen Menschen , fügen uns langsam aber zunehmend aus allen Teilen der Weltwandelgänge in eine neue Pace . Kurz , wir geben diese Pace aus und verfestigen uns in unserem Phantoplasma . Neue Menschheitsgüter sind im Anmarsch . Es ist die höchste Lust , die