sie halten können ? Ich werde nicht aufhören , ihr Freund zu sein und immer wünschen , « fügte er mit einem leisen Seufzer hinzu , » daß sie meiner Freundschaft nicht bedürfen wird . « Als Konrad die offizielle Anzeige der Verlobung erhalten hatte , besuchte er Frau Rubner aus bloßer Höflichkeit . Wie konnte diese Frau ihm jemals interessant , ja bedeutend erschienen sein , für die eine triviale Ehe mit einem Durchschnittsmenschen die Lösung ihrer inneren Konflikte , die Erfüllung ihrer Sehnsüchte bedeutete ? ! Ihr Anblick jedoch überraschte und fesselte ihn aufs neue . Das Gesicht hatte einen ganz weichen , fast demütig kindlichen Ausdruck angenommen , und aus ihren einst so kühlen , klugen Augen leuchtete nichts als reines Glück . » Man wird fromm , wenn man liebt , « sagte Frau Sara , nachdem sie die ersten konventionellen Redensarten gewechselt hatten , » fromm wie die Kinder , denen ihr Heiland das Himmelreich verheißt . Man glaubt alles , hofft und duldet alles . Selbst das Schwerste : daß ich meinen besten Freund so tief verwunden mußte . « Ein fragender Blick traf ihn dabei . » Warburg leidet sehr - gewiß , « entgegnete Konrad , » aber er gehört nicht zu den Menschen , die an getäuschter Neigung zugrunde gehen . « » Nein , « bestätigte sie mit tiefernstem Gesicht . » Starke Menschen gehen nur zugrunde , wenn sie sich selbst in ihrer Liebe täuschten , nicht wenn sie getäuscht worden sind . Ich weiß das , denn wir sind von gleicher Art , darum hätte ich auch nie seine Frau werden können , ebenso wie ein normales Weib nicht ihres Bruders Gattin werden kann . « Vor dem Abschied erzählte sie ihm noch , daß sie bald heiraten und im eigenen Auto die Hochzeitsreise machen würden . » Heute ist er bei seinen Eltern , « fügte sie lächelnd hinzu , » alten , einfachen Pfarrersleuten , um sie für unsere Verbindung günstig zu stimmen . Und übermorgen , wenn er heimkehrt , wird er sein neues Flugzeug zum ersten Male steuern . Wie froh wird er sein ! « Und sie klatschte in die Hände vor Freuden wie ein seliges Kind . Konrad ging langsam , von Schwermut beladen , von der glücklichen Frau . » Starke Menschen gehen nur zugrunde , wenn sie sich selbst in ihrer Liebe täuschten , « klang es ihm wieder und wieder in den Ohren , wie eine Melodie , die man nicht los wird . Und der Freund und Frau Sara waren vergessen . Es stand für ihn fest : Um das Weib , von dem er nicht lassen konnte , zu ringen , wenn es sein mußte , auch gegen sie selbst . Noch war sie ja sein - sein . Er durfte , er wollte nicht zweifeln . An dieser Gewißheit hing der Rest seiner persönlichen Würde . Gerade heute , das wußte er , gab sie ein Fest . Ihren Bitten gegenüber , daran teilzunehmen - die übrigens nicht allzu dringende gewesen waren , dachte er bitter - , war er , wie schon häufig , standhaft geblieben . Er hielt es nicht mehr aus , nur einer unter vielen zu sein , - einer am Wagen Frau Berolinas ! Aber wenn er jetzt in die Bar ging , dann würde er wohl - so nebenbei - von einigen ihrer Gäste hören können , wie sie ausgesehen hatte , wer wohl heute der Begünstigte gewesen war . Das Blut stieg ihm in die Schläfen : wie ekelhaft das war , wie unwürdig , die anderen auszuhorchen , wo es die Geliebte galt ! Nein - so ging ' s nicht mehr weiter . Ihm grauste vor sich selbst . Morgen würde er vor sie hintreten mit der einzigen Forderung , die allen Schmutz , unter dem er erstickte , abzuwaschen imstande wäre : Scheidung - In der Bar » Aux trois Grâces « spielten rotbefrackte Zigeuner . Die Geigen schluchzten , - ein hämmernder Ton fiel ein - aufpeitschend - Leonie lief Konrad entgegen . » Bist du auch betrunken wie die andern ? « Und ihr Blick forschte in seinem glühenden Antlitz . » Nein , « sagte er laut ; ihm war plötzlich , als würde er sich seiner überschäumenden Kraft wieder bewußt wie einst , da er Frau Berolina zuerst umarmt hatte . » Schau nur den Kerl , den Eulenburg , « flüsterte Leonie , » er wird sie umbringen . « » Eulenburg ? ! « Konrads Gesicht verfinsterte sich . Ihm gegenüber saß er und hielt die kranke Lia auf dem Schoß , ihr ein großes Glas Sekt in den offenen Mund schüttend . » Du , Konrad - « gröhlte er , » stell dir vor : für jeden Kuß verlangt dieser Fratz ein blankes Goldstück . Merk dir ' s , mein Junge , und tausch ' beizeiten deinen rosenroten Idealismus gegen ein Stück handfesten Erfolges ein . « Er setzte die Flasche an den Mund und trank in vollen Zügen . » Übrigens , Kinder , wozu der nicht alles gut ist ! Die schönsten Beine und die schmachtendsten Augen erreichen nicht , was er erreicht ! Nicht bloß so ' ne kleine Nachteule geht ihm auf den Leim - « Er schnalzte mit der Zunge und rülpste . Die anderen drängten sich um ihn . » Raus mit der Sprache , Gevatter , « schrien sie durcheinander . » Warum so zimperlich ! « - » Früh um viere ist keine Zote zotig genug - « Konrad war weiß geworden , er wußte selbst nicht warum . Leonie ließ ihn nicht aus den Augen . Eulenburg schüttelte sich vor Lachen , einen violetten Briefbogen , von großen , steilen Schriftzügen bedeckt , in der erhobenen Hand haltend . » Wißt ihr , was das ist , ihr Affen ? Ne ! - « Konrad war aufgesprungen ,