, auf dem sie gestanden , war leer . Ihre Trümmer lagen in weitem Kreise zerstreut . Sie hatte bei diesem hannibalischen Schusse mehr geleistet , als man von ihr verlangte , hatte nicht nur nach vorne gegen den heiligen Zeno geschossen , auch nach rechts und links und nach hinten hinaus gegen den heiligen Peter . Die drei Feuerwerker lagen als regungslose Menschenpartikel in einer roten Lache . Doch drüben bei der feindlichen Schanze hallte das Siegesgeschrei der Stürmenden . Jetzt ein kurzes , wunderliches Schweigen . Dann folgte ein wirrer Lärm , der sich mischte aus Zorngeschrei und Gelächter . Hinter der niedergebrochenen Tormauer lag ein Toter ; sonst fanden die Sieger den Wallgang und das Mauthaus völlig geräumt . Nur die zwölf dräuenden Faustbüchsen waren noch da - hölzerne Brunnenröhren , die man mit Mennige rot angestrichen hatte . Und von der Schanze dehnte sich ein grüner , das ganze Tal von Wand zu Wand erfüllender See auf dreihundert Schritte hin . Der Feind hatte den Schwarzenbach durch einen Felsenwall gestaut und eine neue , feste Verschanzung hinter dem angelaufenen See errichtet , der das Land des heiligen Zeno vor jedem Einfall mit Rossen und schwerem Kriegsgerät behütete . Draußen auf dem See , schon an die hundert Schritt weit , ruderte die kleine Besatzung der Mautschanze auf einem Balkenfloß der neuen Befestigung zu . Unter dem Geschrei der siegreichen Stürmer traten die Gadnischen Armbruster und Faustschützen an . Es schnurrte und knallte . Ein Hagel von Bolzen und Bleikugeln flog in den See hinein . Die Menge tat ' s. Als die Floßbalken den Stauwall erreichten , trugen sieben leidlich gesunde Leute vier Schwerverwundete an das neue Ufer des heiligen Zeno . Den Siegern blieb geringe Arbeit . Zu rauben gab es nichts . Man steckte das kleine Mauthaus in Brand und begrub die drei Köpfe mit kummervollen Gesichtern . Den Mann , den der heilige Zeno verloren hatte , warf man in den neuen See , um für die nahe Berchtesgadnische Schanze die Luft nicht durch Verwesung verpesten zu lassen . Weiteren kriegerischen Unternehmungen war vorerst ein unbezwingbarer Riegel vorgeschoben . Über die steilen Waldgehänge des engen Tales brachte man weder Karren noch Roß hinüber . Und kletternde Fußknechte wären ein leichtes Ziel für die feindlichen Faustschützen und Armbruster geworden . Doch es war diesem sperrenden See , der dem heiligen Peter den Siegeslauf behinderte , auch etwas Gutes nachzusagen . Wie die Gadnischen da nicht hinüberkamen , so kam die Kriegsfurie der Herren von Hall auch nicht herüber . Man brauchte also in der Berchtesgadnischen Mautschanze keine große Besatzung zurückzulassen und konnte die Hauptmacht für die Ereignisse sparen , welche die Haller vermutlich an andrer Stelle vorbereiteten , weil sie hier am Schwarzenbach mit ihren Kräften so vorsichtig geknausert hatten . Die drei Feuerwerker , denen der Heldentod beim letzten Knall der Annasusanne zu einem schnellen und schmerzlosen Vorgang geworden war , bekamen am Schwarzenbach ein gemeinsames Grab und Kreuz . Und so zog der heimkehrende Haupthaufe des heiligen Peter am Abend zu Berchtesgaden nur mit einem einzigen Blessierten ein , der ohne Helm geritten kam und auf soldatischem Leib einen jungen Frauenkopf mit weißer , nach aufwärts gerutschter Kinnbinde zu tragen schien . Der Verlust der Kammerbüchse erregte in Berchtesgaden große Bestürzung bei Herren und Volk . Doch die Not ist ein Schmied , der die Schwachen zu Starken hämmert . Noch am Abend meldeten sich beim Propste zwei mutige Männer : ein Wagenschlosser , der eine neue Anna aus eisernen Stäben und Ringen schweißen wollte , und ein Erzformer , der eine neue Susanne aus Kupfer und Zinn zu gießen wagte . Weil es für solchen Guß an Speise fehlte , warf man noch vor Nacht eine schadhafte Glocke vom Turm der Pfarrkirche herunter . Trotz der Hilfe , die sich da zeigte , blieb Herr Peter Pienzenauer sorgenvoll . Ein Späher hatte am Abend zwei Nachrichten gebracht , eine gute und eine böse . Die andächtigen Bittgänger aus der Ramsau , nachdem sie bei der Sperrung des Schwarzenbachtales um ihrer selbst willen kräftig mitgeholfen hatten und jetzt neben den Stiftsmauern zu Hall in Bretterschuppen und Zelten hausten , weigerten sich hartnäckig , mit bewaffneter Hand an einem Fehdezug gegen den heiligen Peter teilzunehmen ; sie wollten nur fromm und gläubig zum heiligen Zeno beten , ihr Vieh betreuen und bessere Zeiten abwarten ; sonst nichts . Das war die gute Nachricht , die einen Fehler in der staatsmännischen Rechnung des Franzikopus Weiß bedeutete . Aber sie stand in logischem Zusammenhang mit der bösen Kunde , daß Franzikopus am Morgen in Begleitung eines mit reichen Geschenken vollgepfropften Wagens nach Burghausen gezogen wäre , um Beistand bei Herzog Heinrich zu erflehen . Goldene Geschenke pflegten in Burghausen immer zu wirken . Und da würde wohl eine hübsche Teilung beredet werden . Die Ramsau für den heiligen Zeno , das Land zwischen der Plaienburg und Bischofswies , vielleicht das ganze Gadnische Gebiet für Herzog Heinrich ? Propst Peter dachte in dieser Sorge an das gute alte Sprichwort : Stärker als zwei Wölfe ist der Bär . Von den österreichischen Schirmvögten , die in der Ferne wohnten und mit den Hussiten zu schaffen hatten , war Hilfe in kurzer Frist nicht zu erwarten . Und Salzburg würde keinen Beistand leisten ohne schwere Verpfändung . Nur eine Hilfe gab ' s : Man mußte den Bär über die Wölfe hetzen . Ein verläßlicher Bote mußte reiten ! Noch in der Nacht ! Auf weitem Umweg durch das Straubinger Land nach Ingolstadt , zu Herzog Ludwig im Bart ! Fürst Peter wußte unter seinen Chorherren keinen , der ihm für solch einen gefahrvollen Ritt verläßlich genug erschien . Doch der bisherige Verlauf dieses Ochsenhandels hatte ihn bereits aufmerksam gemacht auf ' eine neue Kraft , in der sich Jugend und Besonnenheit miteinander zu paaren schienen . Es war schon dunkle Nacht geworden . Klirrende Wachen machten die Runde , und in den Werkstätten des Stiftes wurde noch