Zeitangaben , über die kein Zweifel aufkommen kann . Karkmeß teilt das Jahr : es ist die Grenze zwischen der Schollenzeit und der Zungenzeit . Vor Karkmeß werden in schnellen Reisen nur Schollen gefangen , die lebend an den Markt gebracht werden : nach Karkmeß geht es auf die Zungen los , die auf Eis gepackt werden ; da sind die Reisen länger und mühseliger , und das Geld hat nicht mehr den hellen Klang der Schollentaler . Die Sonne steht am höchsten : Wotan will nach Süden reiten , aber ehe er sein weißes Roß , den Sleipner , wendet , hält er einen Augenblick in Gedanken inne , und diesen Augenblick benutzen die Finkenwärder Fischer , um ihr Sonnwendfest zu feiern . Ehe sie den dunkeln Nächten entgegensegeln , wollen sie sich der Sonne und des Lebens freuen , wollen sie einen Tag lachen . Wer das nicht kann , wer bis Karkmeß nicht seinen guten Schilling verdient hat , der holt den Rest des Sommers auch nichts mehr aus der See und mag denken , die alten Weiber hätten ihn behext . Die Ewer kommen nicht auf einmal wie die Hühner , wenn Tucktuck gerufen wird , sondern nach und nach . Schon acht Tage vorher füllt sich das Fleet mit Schiffen : Klugheit und Nachbarlichkeit verhindern , daß alle an einem Tag den Hamburg-Altonaer Markt überfallen und die Fische wertlos machen . Es gibt auch mancherlei zu tun . Nicht allein den Sonntag zuvor , an dem alle Fischerknechte und Fischerjungen auf Musik sind und sich een Perd , ein Mädchen , für das Fest heuern , weshalb diese Musik am Deich auch der Pferdemarkt genannt wird , sondern die ganze Woche hindurch . Da ist keine Zeit , den Knackwurstkerlen beim Aufschlagen der Zelte zu helfen oder die Reitbudenpfähle mit einzurammen , denn erst muß der Ewer sein Karkmeßkleid haben . Teeren und Schmeeren heißt die Losung , den langen Tag wird geteert und geschmeert , daß der ganze Deich danach riecht , und daß das Wasser in allen Regenbogenfarben glänzt . Da wird geschrubbt und kalfatert , da wird gemalt und gelabsalbt ! Wie Schafe , die geschoren werden sollen , liegen die Fahrzeuge auf dem Sand und lassen alles über sich ergehen , denn sie wissen , daß es gut für sie ist . Kein deutsches Kriegsschiff kann reiner sein als ein Finkenwärder Ewer zu Karkmeß , so viel tut der Schiffer daran . Nicht umsonst hat er holländisches Blut in sich und eine große Lust an Reinlichkeit und Buntheit : so schmückt er seinen Ewer mit bunten Farben und glänzenden Streifen und wird nicht müde , ihn zu zieren . Da wird der Bünn gründlich gereinigt , da werden die Eiskisten überholt , schlechte Taue ausgeschoren , neue Kurren eingestellt und zerrissene Segel geflickt . Da wird geloht : du liebe Zeit : wie wird geloht ! Der ganze Rasen des Deiches liegt voller ausgebreiteter Segel : Großsegel an Großsegel , Fock an Fock , Besan an Besan , und alle werden gebräunt und geloht , damit sie haltbarer werden sollen . Das Lohen haben die Finkenwärder vor den Blankenesern voraus , die keinen Platz dafür haben ( denn in den Sand können sie die Segel nicht legen ) und deshalb mit weißen Lappen fischen und segeln müssen . Überall am Bollwerk bruddelt es in den großen Wurstkesseln , und Fischer und Frauen schöpfen die Lohe und dweilen sie auf die Segel . Ist das Schiff moi , dann sieht der Fischermann seine Knipptasche an und begleicht die großen Rechnungen , die er beim Zimmerbaas , beim Schmied , beim Segelmacher und beim Reepschläger stehen hat , denn Karkmeß ist allgemeiner Zahltag . Hat er sein Schiff noch nicht freigefahren , also das stehende Geld noch nicht zurückbezahlt , so bekommt noch der Bauer seine Zinsen . In der Aueschule aber tagt die Seefischerkasse , die Schiffsversicherungsgemeinschaft der Finkenwärder Seefischer , die 1835 gegründet worden ist , als schwere Stürme die damalige kleine Flotte zu vernichten drohten . Sie läßt sich die Prozente , das Jahresgeld , bringen , das nach den Verlusten berechnet wird . Das ist wahrhaftig kein grüner Tisch , an dem die sechs Alten mit dem Obervorsteher sitzen ! Plattdeutsch wird gesprochen , einer nennt den andern du , jeder weiß , was er will , und niemand braucht nach Worten zu suchen ! Das ist der Senat von Finkenwärder und einen bessern hatte Venedig auch nicht . Ein fester Bau ist diese Seefischerkasse , ein Denkmal besten Gemeinsinnes . Sie ist der mächtige Leuchtturm , der seine Strahlen vom Skagerrak bis zur Themsemündung wirft . Seen wollten ihn unterwaschen , Stürme wollten sein Licht verlöschen : er steht und leuchtet ! Mittlerweile sind sie auf der Aue , von der Müggenburg bis zum Tun , auch nicht müßig gewesen , sie haben gebaut und gezimmert , geklopft und gehämmert auf Deubel kumm rut , bis Zelt an Zelt steht . Dann steigt die Sonne blank und schön aus dem Hamburger Daak , und der große Freudentag ist da mit seinen Luftbällen und Reitbuden , seinen Aalzelten und Schießständen , seinen Eiskarren und Lungenprüfern , mit Lukas und Kaspar , mit Herkulessen und Feuerfressern , mit Seiltänzern und Negern , mit Hün und Perdün , mit Jubel und Trubel ! Die Gören sind wie durchgedreht , und die Jungkerls und Deerns wissen vor Übermut und Lebensfreude nicht , was sie alles aufstellen wollen . Da wird gejagt und geschossen und getanzt und getrunken und gesungen und gelacht : die ganze Aue wirbelt durcheinander . Die Jungen tragen blaue Brillen und Rinaldinischnurrbärte , sie essen Knackwürste und Eis , bis sie nicht mehr können : die Mädchen kaufen sich Puppen und Kokosnüsse und lutschen an Zuckerstangen : es ist einfach unbeschreiblich , was auf Karkmeß alles los ist . Die sich erzürnt haben , vertragen sich und trinken wieder einen zusammen , und die gut Freund gewesen waren ,