Winter , eingeschlossen in einem Ring unschuldiger Genüsse . In solchen Bildern lag etwas von der Wehmut reuigen Gewissens und dem Schmerz eines auf immer Verstoßenen . Zum andern Teil aber enthielten sie viel von der modischen Empfindsamkeit , die auch das verhärtetste Gemüt unter Umständen davon schwärmen ließ , seine selbstgeschaffene Unrast am Busen der Natur zu besänftigen . Und dann sprach er doch von seinem Leben . Er wußte sich als einen Mann darzustellen , der , vielbeneidet , mit Ehren und Ämtern und greifbaren Glücksgütern beladen , gleichwohl das Opfer feindlicher Mächte ist . Das Schicksal trat in romantischer Verkleidung auf und jagte den Sohn eines verfluchten Geschlechts unstet von Land zu Land . Vater und Mutter tot , ehemalige Freunde gegen den edeln Sproß des Hauses verschworen und er , ein Mann von fünfzig Jahren , ohne Heim und Weib und Kind , Ahasver ! Derlei Enthüllungen öffneten wie nichts sonst Caspars Herz der Freundschaft . Denn da war endlich einer , der sich gab , sich öffnete , die Vermummung abwarf . Es war bittersüße Lust , die angebetete Gestalt den Sockel verlassen zu sehen , auf dem sie für alle übrigen thronte . Was ihn betrifft , er bot in dieser Zeit das Schauspiel eines ruhenden Menschen ; außen und innen ruhend , gelöst von hemmender Fessel , Blick und Gebärde gelöst , die Gestalt aufgerichtet , die Stirn wie entschleiert , die Lippen geschwellt von einem beständigen Lächeln . Er wurde seiner Jugend inne . Er dehnte sich aus , es war ihm , als sei er ein Baum und seine Hände wie Zweige voller Blüten . Ihm schien , als ströme sein Blut einen Wohlgeruch aus ; die Luft schrie nach ihm , das Land schrie nach ihm , alles war voll von ihm , alles nannte seinen Namen . Er pflegte manchmal laut mit sich selbst zu reden , und wenn er dabei überrascht wurde , lachte er . Die Leute , die mit ihm in Berührung kamen , waren bezaubert ; sie fanden kein Ende , die über alles liebliche Erscheinung zu preisen , in der Kind und Jüngling zu rührendem Verein gediehen waren . Es gab junge Frauen , die ihm zärtliche Briefchen schrieben , und Herr von Tucher wurde vielfach mit Bitten belästigt , ihn von einem Maler konterfeien zu lassen . Das üble Gerede gegen ihn war auf einmal wie verblasen . Keiner wollte je etwas Schlechtes gesagt haben , die eingefleischten Widersacher duckten sich , die ganze Stadt warf sich plötzlich zu seinem Beschützer auf . Es hieß mit immer kühnerer Deutlichkeit , man müsse ihn gegen die Machenschaften des englischen Grafen in Schutz nehmen . Eines Tages mußte Stanhope zu seiner größten Bestürzung wahrnehmen , daß er von allen Seiten peinlich überwacht und behorcht war . Er mußte sich entschließen zu handeln . Die geheimnisvolle Mission und was ihrer Ausführung im Wege steht Schon lange hieß es an allen Wirtshaustischen , der Lord wolle Caspar Hauser an Sohnes Statt annehmen . In der Tat stellte Stanhope Mitte Juni den förmlichen Antrag an den Magistrat , ihm den Jüngling zu überlassen , er wünsche für seine Zukunft zu sorgen . Der Magistrat ließ durch den Bürgermeister erwidern : zum ersten , daß ein solches Ersuchen in pleno vorgetragen werden müsse ; zum zweiten , daß der Lord vor allem den Nachweis eines hinlänglichen Vermögens erbringen müsse , damit die Stadt eine sichere Gewähr für das Wohlergehen ihres Pfleglings habe . Stanhope nahm den Bescheid sehr ungnädig auf . Er ging zum Bürgermeister , zeigte ihm seine Orden , die Beglaubigungen fremder Höfe , sogar vertrauliche Briefe hoher Fürstlichkeiten ; Herr Binder , bei aller Ehrfurcht vor Seiner Lordschaft , bedauerte , den einstimmigen Beschluß des Kollegiums nicht rückgängig machen zu können . Der Graf war unvorsichtig genug , in einer Gesellschaft , wo er zu Gast geladen war , seine Geringschätzung gegen das pedantischüberhebliche Bürgerpack zu äußern . Dies wurde ruchbar , und obgleich er sich beeilte , in einem Brief an den Magistratsvorstand sein Benehmen zu entschuldigen und es als einen durch Weinlaune verursachten Ausbruch verzeihlichen Ärgers hinzustellen , machte die Sache doch böses Blut . Der Argwohn war einmal geweckt . Man wollte wissen , daß er in seinem Hotel häufig Persönlichkeiten von zweifelhaftem Aussehen empfange , mit denen er hinter verschlossenen Türen lange Verhandlungen führte . Wie kommt es überhaupt , fragte man sich , daß der angeblich so reiche und vornehme Mann sein Quartier in einem Gasthaus zweiten Ranges nimmt ? Fürchtet er am Ende , von seinen eignen Landsleuten gesehen zu werden , wenn er wie sie im » Adler « oder im » Bayrischen Hof « wohnt ? Dies schien plausibel , wenn man einer unverfolgbaren Nachricht trauen durfte , die irgendwer eines Tages verbreitete und nach welcher der Lord ehedem als Traktätchenverkäufer im Dienst der Jesuiten in Sachsen herumgezogen sei . Stanhope beeilte sich zu reisen . Er stattete dem Bürgermeister in seiner Kanzlei einen Abschiedsbesuch ab und sprach von dringlichen Geschäften , die ihn wegberiefen ; bei seiner Rückkunft werde er den geforderten Vermögensnachweis vorlegen . Zugleich deponierte er fünfhundert Gulden in guten Scheinen , welche Summe ausschließlich für die kleinen Wünsche und Bedürfnisse seines Lieblings zu verwenden sei . Der Bürgermeister wandte ein , daß eigentlich Herr von Tucher die Verwaltung dieses Geldes übernehmen müsse , doch der Lord schüttelte den Kopf und meinte , in Herrn von Tuchers Verfahren liege zu viel vorgefaßte Strenge , er handle nach einem erdachten Ideal von Tugend , eine so zarte Lebenspflanze könne nur in liebevollster Nachsicht aufgezogen werden . » Seien wir doch eingedenk , daß das Schicksal eine alte Schuld an Caspar abzutragen hat , und daß es engherzig ist , immerfort hemmen und beschneiden zu wollen , wo die Natur selbst gegen den Willen der Menschen ein so herrliches Gebilde erzeugt hat . « Der Ernst dieser Worte wie auch das hoheitsvolle Wesen des Lords machten großen