, der einer Seele eigene Welt zusammenfügte , und wo noch immer der Turm des Baues sich nicht aufreckt , nur erst hohe Mauern und Zinnen sich erheben , die den neugierigen Blick abweisen . Einhart war noch immer ein Zigeuner . Den Sinn für die offnen Erdenräume , für Wälder und Heiden , hatte er nicht verloren . Ob er auch , in seiner Strenge begehrt , längst selbst in Schlössern und Burgen an Fürstentafeln seine Speisen gegessen und sich als Künstler hatte rühmen lassen . Nach einer sinnlosen , ziellosen Wanderschaft hatte er von neuem Menschen gemalt . In einer der letzten großen Ausstellungen war Begehr nach seinen Werken gewesen , und ein Mäcen hatte das meiste davon aufgekauft . An Mitteln fehlte es ihm nicht . Aber auch an Gleichgültigkeit dagegen hatte er nicht abgenommen . Er fragte noch immer Krähen und Gräser , Wolken und Bäume um ihre Freuden , und wußte nicht recht , ob er nicht lieber ein Baum sein möchte und harren und es sich begeben lassen , als es mit Erjagen erraffen und nicht finden . Wenn man das Enttäuschung nennt , mag man auch ihn enttäuscht nennen . » Reich leben ist eine Sache für sich , « sagte er oft mit Lächeln und nannte dann das Geheimnis mit drolligem Namen . Damals , als er aufgewühlt in die Beglückungen des Blutes sich ganz einsenkte , waren die inneren Fluten ein Meer ohne Grenzen , und der Beseligung keine Zweifel . Hart und voll Wunder alles . Die Glutfeuer der Tiefe gaben Wärme und die Farben des Schicksals wie glühe Rosen . Das war nicht mühsam Zusammentreiben , was nicht kommen will . Das war ganz Geschenk und Fülle , Leid und Licht , Zerrissenheit und eins in allem . Jetzt schmerzte nichts in Einharts Blute , wo er ein ruhiger , selbstsicherer Künstler nun am Heideraine hinging und die Welt von ferne träumte , wie eine Baumkrone träumt , hin und her , hin und her , tändelnd mit Licht , spielend mit Schatten . Das sind die Zeiten des stillen Erntewartens auch im Geiste , die nichts von Leiden und Leidenschaften , vom Erjagen und Ersehnen wissen . 2 Unten im Moore hing ein altes , moosbegrüntes Dach nieder fast ins Gras und in Nessel- und Schierlingstauden , tief im Eichenschatten verborgen . Gänse gackerten unter den Säulen der Stämme , und ein Schwein machte drollige Sprünge und quiekte ungehalten , wenn jemand in den Frieden der verfallenen Umhürdung , in die verwunschene , verwachsene , nesselumwucherte Herrlichkeit eindrang . Einhart mußte hier oft seinen Weg hindurchnehmen weiter in die Weiden hinaus . Wie Einhart jetzt war , hatte er gern den Blick in die Ferne gerichtet . » Unstet « war noch immer sein Name . Er näherte sich , in dem Grase am Wege schreitend , dem kleinen , engen Hausfenster , legte seine Stirn an die Scheiben und sah hinein in die dunkle Stube . Hier wohnte Klaus Otten , der Moorbauer , und seine magere , strenge Frau mit der schreiigen Stimme , mit den großen Holzschuhen an den Füßen und der dürftigen Haube , und Henny , deren Tochter , die seit einem Frühling krank in den Kissen saß , und die sich nun eine Welt träumte , jemehr sich ihr die Hoffnung und der Blick verschloß . Henny war eine blonde , junge , sanfte Seele , ein wenig neckisch immer im Leben , und wo sie Arbeit tat , froh und wohlgemut singend früher . Und sie hatte allerlei Arbeit getan . Vor allem draußen in dem Mooracker hatte sie Scholle um Scholle mit Vater zusammen umgelegt und hingeschoben und der Sonne gebreitet , und geschichtet dann , und in den Kahn geborgen endlich , wenn es zum Trocknen gekommen war . Sie war auch dann mit dem wundersamen , eintönigen Ruderstoße , einer und einer und immer wieder derselbe , im sonnenweiten Wiesenglanze mit Vater und der schwarzen , erdigen Sommerernte zur Stadt gefahren . Nun war damit nichts mehr . Es blühten ihr jetzt die glühen Todesrosen im schmalen , kindlichen Angesicht , und sie träumte viel und konnte wundersam aufmerken auf alle Dinge im Himmel und auf Erden . Einhart hatte gleich im Beginn seines sommerlichen Aufenthaltes einmal zufällig hier Rast gehalten und in diese graublauen , jungen Augen gesehen und mit Staunen den seltsam glücklichen Glanz des Entsagens und Entschwebens fort in alle Weiten . Und Henny hing jetzt an der Stunde , wo Einhart oft den Abend durch die Stauden und Schatten und die goldnen Tupfen des Sonnenscheidens hindurchstapfte . Heute hatte sich Henny schon am Nachmittag zeitig in Kissen hinausbetten lassen . Um sie glühten allerlei Taube-Nesseln , Camillen und Glockenblumen . Sie horchte in die helle Sommerluft , wo Finken ihr kleines Lied sorglos pfiffen , und Spinnen sich auf die Blätter niederließen oder auf ihre Hand und erschrocken sich dann am eigenen Gespinste eilig in die Lüfte emporzogen . Henny war außermaßen fein von Sinnen . So eine Spinne mit ihrem Fleckenkleide sah sie staunend an wie eine Dame in reicher Gewandung . Die kleine Spinnenarbeit däuchte ihr voll ein Wunder . So ins Schauen versunken , konnte Henny stundenlang zusehen , wenn das winzige Dürrbein mühsam die Fäden seines Netzes zusammenrollte wie ein Seiler seine Knäuel , dort wo das Netz lädiert und undicht geworden , um mit feinem Bisse die kleinen Packen Spinnenseide zu lösen und in die Lüfte verächtlich hinauszuwerfen , wie eine Dienstmagd den Kehricht . Fein war der Knäuel . Henny fing ihn in der Hand . Sie zerdrückte ihn zu einem kaum sichtbaren Flecken Silberstaub . Es war schier ein Wunder , ihr , die angebunden an Leib und Seele , nur noch Auge und Traum hinaussprang aus ihrem kranken und schwachen Gehäuse . Und deren Hoffnung nur noch in den Lüften hinwehte ohne Halte , wie der Wind . Und wenn Einhart nicht kam , war es