und dehnte sich : » Siehst du , das ist mir auch ein wunder Punkt - der allerwundeste . - Fortwährend haben sie mich in München darauf angeredet , daß ich schlecht aussähe - und ich fühl ' es ja auch selbst , daß mir irgend etwas fehlt , schon seit langem . Fast das ganze Jahr hindurch war ich immer wieder krank . Aber ich will einfach nicht krank sein - womöglich noch ein inneres Leiden , - das ist mir von jeher ein schrecklicher Begriff gewesen . - Laß uns um Gottes willen nicht mehr davon sprechen . « Bald nach diesem Gespräch fuhren sie zusammen in die Stadt . Henryk hatte jetzt eine andere Wohnung . Als Ellen die Treppe hinaufstieg , kam ihr alles so fremd und öde vor . Aber sie wollte ihn wiedersehen , vielleicht nur dies eine Mal noch - nicht etwas von ihrer einstigen Leidenschaft wiederfinden , die hatte sie längst ins Grab gelegt und sie sollte nie wieder erwachen . Nur ihm noch einmal in die Augen sehen und ihm sagen , daß sie nicht unterlegen und zerbrochen war . Er machte selbst die Tür auf , als sie läutete . » Ellen . « Sie war selbst verwundert , daß dies Wiedersehen sie völlig ruhig ließ . Er wollte sie umarmen , aber sie wich ihm aus . » Du bist ganz fremd geworden , Ellen . « » Ja , das bin ich wohl auch . « Dann saß sie auf dem Sofa und ließ ihre Blicke umhergehen ; es sah nicht mehr so armselig bei ihm aus wie früher . Henryk stand immer noch vor ihr : » Warum bist du dann wiedergekommen ? « » Um zu malen , nicht zu dir . « Beide schwiegen eine Zeitlang , sie suchte etwas von ihm wiederzufinden , von dem alten Zauber , der einstmals von ihm ausgegangen war , - ging im Atelier herum und sah seine Bilder an , es war immer noch dieselbe wilde , unfertige Malerei wie damals . Dabei antwortete sie halb mechanisch auf seine Fragen . In der Ecke stand eine größere Leinwand - eine schwarzhaarige Frau mit dem Kind an der Brust , einem ganz kleinen Kind , das beinah formlos aussah , wie kaum zum Leben erwacht - Ellen erkannte das Gesicht . » Ist das nicht die Anna , die uns damals Modell stand ? « Dann drehte sie sich plötzlich um und sah ihn an . Henryk war sichtlich verlegen und verwirrt . » Ich dachte , das würden dir die andern längst erzählt haben . « » Ist es dein Kind ? « Ihre Blicke begegneten sich . Ellen war langsam blaß geworden . In den wenigen Sekunden war alles wieder in ihr aufgewacht - die ganze Zeit , wo sie hilflos herumging mit seinem Kind unter dem Herzen , nicht wußte , wo sie es bergen sollte und sich selbst - die Heimreise - ihre Hochzeit - all die Todesangst , das Grauen , als es ihr wieder genommen wurde . Und ihre Schuld war ihr etwas Großes und Heiliges gewesen , das sie aufrecht erhielt . Jetzt lag plötzlich alles in einem ganz anderen Licht da - warum hatte sie sich so wehrlos dahintreiben lassen von diesem Mann , der ihr Kind nicht wollte , und der ihr jetzt so fremd und armselig vorkam - warum war sie ihm zuliebe über sich selbst hinweggegangen ? - Ihr Kind nicht gewollt , es kam ihr vor , als sei es seine Schuld und sein Wille gewesen , daß es niemals gelebt hatte . » Was hast du mit mir gemacht , Henryk ? « sagte sie endlich . » Wie meinst du das , Ellen , glaubst du , es wäre besser gewesen , du säßest jetzt im Elend wie das Mädchen da ? « » Tausendmal besser - denn du hast mich Komödie spielen lassen mit meinem Leben und mich glauben gemacht , es wäre ein großes Trauerspiel . Du konntest so schön reden . « » Reut es dich jetzt , daß du das damals für mich getan hast ? - Ich hätte es mir ja denken können . « » Nein , aber ich finde es jetzt beinahe lächerlich . « Ellen hatte ein Papiermesser vom Tisch genommen und bog es zwischen den Fingern hin und her , bis es plötzlich durchbrach . Dann sah sie auf , ihm in die Augen , und warf ihm das Messer vor die Füße : » Siehst du , das ist auch Theater , aber ich habe es von dir gelernt - so hast du es damals mit meinem Leben gemacht . - Komm , gib mir die Hand , wir können ja das übliche Ende machen und als Freunde scheiden , und dann gehe ich mir einen andern suchen - ich weiß , wo er zu finden ist . « Reinhard - ihr stilles heimatliches Glück bei ihm - und auch all das bange vergangene Leid - , das lag irgendwo in weiter Ferne , wo ihre Gedanken nicht hinkamen , - um sie her wogte nur ein taumelnder Rausch , der alles übertäubte , und das Leben leuchtete ihr wieder in ungebrochener Jugend , als ob sie nie von seinen Tiefen gewußt hätte . Der weite , matterleuchtete Raum , die gelbverschleierte Lampe und das dunkel schimmernde Kupfer - das alles hatte sie schon einmal gesehen in einer fernen Zeit , bei durchwachter Morgenfrühe . Und er hüllte sie wieder wie damals in einen langen , raschelnden Seidenmantel , während sie ihn aus halbgeschlossenen Augen ansah . » Du kamst mir immer vor wie ein Kind « , hörte sie seine Stimme ganz leise sagen , » ich hätte es kaum gewagt , dich nur anzurühren , und nun kommst du zu mir wie im Märchen und bist wie ein wirkliches Weib - « Dann war sie wieder draußen in den Bergen , wo es