, - einmal schrie sie laut nach Onkel Hovannessian um Hilfe . Es war das einzige Mal , wo ihre Aufregung von Josefine geteilt wurde ... Im übrigen war Josefine nie , seit Jahren nicht , so hoffnungslos ruhig gewesen , wie sie jetzt war . Mein Schicksal ist besiegelt , dachte sie , ich bin nicht geboren , um glücklich zu sein . Aber unter die Füße will ich nicht fallen , oben will ich bleiben , solange ich atme . Der Schrei ihres Kindes nach dem Einzigen , Verschollenen erschütterte sie für einen Tag . Dann zog die ebnende Welle auch über diese Erinnerung hinweg . Ich habe Unmenschliches gelitten , als ich ihn verlor , nun bin ich schwertfest , - alles , was kommt , ist im Grunde gleichgültig , dachte sie achselzuckend . Dann fühlte sie aber doch eine Neigung in sich , ihr Leben zu gestalten , zu bilden wie mit Künstlerhand , ihr Leben und das ihrer Umgebung . Man muß versuchen , alles gut einzurichten , dachte sie , für Georges eine Beschäftigung suchen , das ist das Wichtigste . Die Arbeit wird ihn heilen , wie sie mich geheilt hat . Wer von den Hausgenossen Vernunft annimmt , soll bleiben ; wer den hohen Aussichtsturm der Moral besteigt , der kann abziehen . Ich werde offen mit ihnen sprechen . Und sie ging zuerst zu Helene Begas . Helene schwankte zwischen Kopfschütteln und Bewunderung . » Du bist verrückt , liebe Josy , « sagte sie mit feuchten Augen , » du rennst dir den Schädel ein Soviel ich sehe , gibt es hier nur eins : Scheidung . Wegziehen kann ich nicht , denn du dauerst mich in deiner Verranntheit , und du wirst bald einen Menschen nötig haben . « » Noch eine Frage : Wie wirst du mit Georges verkehren , Helene ? Man muß da etwas zartfühlend sein , Leni , « sagte Josefine trocken . Helene kam ein wenig aus der Fassung . Sie errötete , halb voll Zorn , halb , weil sie sich ihrer Vernünftigkeit schämte , auf die Josefine so wenig hielt . » An Bernstein hast du beinah einen Verbündeten , « sagte die Mathematikerin , » wir haben uns schon gezankt über ihn und dich . « » Zankt euch ja immer , « lächelte Josefine ; » also Bernsteins bin ich sicher . « Bernstein verzog das Gesicht , als Josefine ihn bat , möglichst viel seiner Muße dem unglücklichen Georges zu widmen . » Ech ! meine Muße ! Wo habe ich eine Muße ? Wäre es sehr interessant für mich , mit diesem Mann zu sprechen ! Aber ich habe keine Zeit ! Man muß ein wenig mit ihm weinen , glaube ich , aber ich habe keine Zeit ! Es ist eine traurige Tatsache , nicht wahr ? Niemand hat Zeit für die Kranken und Unglücklichen ! Lassen Sie mich in Ruh , bitte sehr , bitte ergebenst , bitte hochachtungsvoll ! ech ! « Ein paarmal , in der Folge , fand Josefine , wenn sie nach Hause kam , ihren Freund Bernstein neben Georges ' Bett . Aber schnell , mit verlegenem Gesicht , zog er sich zurück , sobald sie eintrat . » Glaube ich , daß dieser Mann ist sehr krank , « sagte er düster zu Helene Begas , » nervenkrank , schrecklich , oder so etwas . Er hört nicht , was man spricht , ihn interessiert nichts . Ich frage , womit wollen Sie sich beschäftigen ? wollen Sie vielleicht die russische Sprache lernen ? Er schreit auf seine Frau , daß sie ist schlecht , daß sie geht in Klinik , daß sie liebt ihn gar nicht , daß er will lieber in Loch sitzen - schrecklich ! Und wenn seine Frau kommt , er sagt alle dumme Sachen , ich weiß nicht , wie sie kann anhören solche dumme Sachen , wie er spricht . Man hat ihn vergiftet , mit den Stecknadeln absichtlich gestochen . - Laure Anaise will ihn mit Tee verbrennen , die Kinder draußen heulen wie Hunde , das bedeutet , daß er stirbt , - seine Frau will auch , daß er stirbt , und er will nicht , und solche Dummheiten . Er haßt sehr Loginowitsch , ich weiß nicht , warum ; ich sage : Loginowitsch ist ein ganz ordentlicher Mensch . Er schreit : Nein , er ist schlecht . Und immer von dieser Tugend spricht er , schrecklich ! Ich sage : Wo haben Sie diese Tugend gelernt ? Er sagt : Wo ich alles gelernt habe ! Man muß die Tugend lieben , sagt er , und seine Augen sind weiß vor Wut . Ich sage : Ich glaube , man muß etwas Positives machen , man muß sich mit etwas beschäftigen ! vielleicht haben Sie Lust , die russische Sprache zu erlernen ? Er faltet die Hände , so , und sagt : Du liebst mich nicht ? gut , du wirst sehen , wirst sehen , sehen ! Manchmal es ist interessant , manchmal ganz langweilig . Und ich habe keine Zeit , Sie wissen . « Dann ging Bernstein nicht mehr zu Georges , und Georges schien ihn nicht zu vermissen ... Loginowitsch zog aus , schon um Platz zu machen , weil doch nun einer mehr in der Familie war . Mit Befremden fühlte er , daß Josefine ihn kühl entließ : die Abneigung des Kranken gegen ihn war auf dessen Frau übergegangen , so schien es . Sie entfernte sich von jedem , der , wissentlich oder unwissentlich , Georges beleidigte . Und inzwischen gab es unter allen Menschen , mit denen der Unglückliche in Berührung kam , nur einen einzigen , der ihn unaufhörlich quälte , reizte , erbitterte , zur Verzweiflung brachte , und dieser eine war Josefine selbst . Sie wußte halb darum , wollte es aber nicht wissen .