Hut darüber . » Unmöglich , Fräulein , ist nichts auf der Welt - und in der Liebe nun schon gar nicht . « » Aber dies - nein - ganz schrecklich finde ich das - gar nicht zu sagen , wie ich das von meiner Schwester finde . Warum haben sie denn nicht geheiratet ? Gott im Himmel , wie kann man nur eine solche Dummheit machen ! « Frau Korn sah sich mit einem humoristisch-ironischen Ausdruck in ihren klugen kleinen Augen in dem geschmackvoll eingerichteten Raum , auf der Tafel , auf der noch ein Teil des eleganten Geschirrs und des kostbaren Krystalls mit schwerflüssigen Weinresten stand , um . » Es trifft ' s nicht jedes alleinstehende Mädchen so gut wie Sie , Fräulein . Es hat nicht jede das Talent wie Sie , sich in diesem gotteslästerlichen Berlin über Wasser zu halten , und mehr als das ! Mädchen wie Ihre Schwester , die immer an andere und nie an sich selber denken , fallen am ehesten ' rein . Ich hab ' s meiner Zeit auch nicht besser gemacht , bloss dass mein Karl mich geheiratet hat , was ich , ehrlich gestanden , von dem Schwarz - von dem Herrn Gerhart nicht glaube . « Lena machte ein entsetztes Gesicht ; Auguste aber schüttelte sehr energisch ihren runden , dicken Kopf . » Das ist noch lange das schlimmste nicht , Fräulein . Ihre Schwester muss sich natürlich von dem Kinde trennen - übrigens ein reizender Balg , wir haben es Luise genannt , nach der verstorbenen Frau Mutter - da beisst keine Maus den Faden ab . Ich hab ' mir das schon alles zurechtgelegt . Wir geben die Kleine bei meiner Freundin in Schmargendorf in Kost . Das ist eine ordentliche Person , die ihre Schuldigkeit an dem Kinde schon thun wird . Sie hat selber nur eins ; der Mann , der Tischler ist , hat sein anständiges Auskommen . Kommt nun noch das Kostgeld für das Kleine hinzu , wird ' s ihnen an nichts fehlen . Die Hauptsache , Fräulein , ist nun die : Was wollen Sie Ihrer Schwester monatlich geben ? Denn unterstützt muss das arme Ding werden , das steht fest . Mit dem bischen Putzmachen - unter uns gesagt , ist nicht viel damit los , die Haube für Muttern sah aus wie ' ne Fledermaus - kann sie sich und das kleine Ding nicht durchbringen . Na , und auf den Vater , Fräulein , ist doch in solchen Fällen am wenigsten zu rechnen . Entweder er heiratet die Mutter seines Kindes , na , dann sind wir beide ja überflüssig , oder aber er drückt sich und dann nicht zu knapp . Lieber Gott , das kennen wir doch alles . Das ist uns doch nichts neues ! « Lena war von alledem peinlich berührt . Lotte allmonatlich eine kleine Unterstützung zu geben , darauf kam es ihr nicht an . Wenn nur die Sache nicht ruchbar wurde ! Sie war gerade im Begriff , sich in ihrer gesellschaftlichen Stellung mächtig zu lancieren , Heringsdorf hatte das seine dazu gethan , mit Strehsens war sie wieder völlig ausgesöhnt , und nun kam so etwas ! Das war denn doch etwas anderes als die dummen Vorurteile , die sie selbst so gern verspottete . So etwas durfte einem anständigen Mädchen nicht passieren ! Auch Lena gehörte , bis zu einem gewissen Grade , ohne dass sie sich darüber auch nur im geringsten klar gewesen wäre , zu jener in den Grossstädten weit verbreiteten Kategorie von Frauen und Mädchen , die ohne Skrupel bis an eine sehr weit gezogene moralische Grenze gehen . Darüber aber keinen Schritt . Weniger aus sittlichen Bedenken als aus kluger Berechnung . Dass dieser Moralkodex bei weitem verwerflicher ist , als die sogenannte Unsittlichkeit eines Mädchens , das aus Liebe fällt , würden diese Mädchen und Frauen niemals zugeben . Niemals kann ihnen etwas Positives nachsagen . Ihr Vorleben wird dem Eingehen einer soliden Ehe , ihr nach aussen hin korrektes Eheleben der Aufrechterhaltung einer einmal geschlossenen Verbindung niemals hinderlich werden können und damit ist für sie alles gesagt . - Frau Korn hatte eine geraume Weile auf Lena Antwort warten müssen . Nach einer langen , nachdenklichen Pause erst sagte sie : » Ich will meine Schwester gern unterstützen . Würden zehn Mark im Monat genügen ? « Frau Korn bejahte . » Gut , ich erkläre mich dazu bereit . Ich bitte aber meine Schwester sehr nachdrücklich - wollen Sie ihr das sagen , bis ich es ihr selbst sagen kann - die ganze Angelegenheit so geheim als irgend möglich zu halten . Sorgen Sie , bitte , dafür , dass das Kind lieber heut als morgen fortkommt ! In Ihrem Hause weiss man natürlich alles ? « Frau Korn schüttelte wieder einmal sehr energisch den Kopf . » Man munkelt , aber man weiss nichts gewisses . Wir beide wohnen da oben ja gänzlich solo unterm Dach , und mein Karl , der hält reinen Mund . Ist das Kind aus dem Hause und Ihre Schwester wieder auf den Beinen , fragt kein Mensch mehr danach . Bei unser einem ist das nicht so was rares und lange hält sich keiner bei so was auf , selbst wenn er ' nen blauen Dunst davon hat , dazu haben wir alle zu viel Arbeit und Sorgen auf dem Buckel ! « Frau Korn stand auf . » Na , dann wäre ja wohl soweit alles in Ordnung , und ich kann nun gehen . Wenn ' s Ihnen recht ist , kassiere ich allemal am Letzten das Geld bei Ihnen ein . Na , und heute ? Wir haben freilich erst den fünfundzwanzigsten , aber es war schwere Zeit ! « Auguste streckte bittend die Hand gegen Lena aus . » Die Kleine ist zu nett . Sie werden sie schon lieb gewinnen , wenn Sie sie erst