sehen wir dich am besten . Und nun sage mir , hat es seine Richtigkeit damit , daß du gestern abend im Grunewald , in dem ganzen Junkerübermut einer geborenen Schmidt , einen friedlich und unbewaffnet seines Weges ziehenden Bürgerssohn , namens Leopold Treibel , seiner besten Barschaft beraubt hast ? « Corinna lächelte . Dann trat sie vom Fenster her an den Tisch heran und sagte : » Nein , Papa , das ist grundfalsch . Es hat alles den landesüblichen Verlauf genommen , und wir sind so regelrecht verlobt , wie man nur verlobt sein kann . « » Ich bezweifle das nicht , Fräulein Corinna « , sagte Jenny . » Leopold selbst betrachtet sich als Ihren Verlobten . Ich sage nur das eine , daß Sie das Überlegenheitsgefühl , das Ihnen Ihre Jahre ... « » Nicht meine Jahre . Ich bin jünger ... « » ... Das Ihnen Ihre Klugheit und Ihr Charakter gegeben , daß Sie diese Überlegenheit dazu benutzt haben , den armen Jungen willenlos zu machen und ihn für sich zu gewinnen . « » Nein , meine gnädigste Frau , das ist ebenfalls nicht ganz richtig , wenigstens zunächst nicht . Daß es schließlich doch vielleicht richtig sein wird , darauf müssen Sie mir erlauben , weiterhin zurückzukommen . « » Gut , Corinna , gut « , sagte der Alte . » Fahre nur fort . Also zunächst ... « » Also zunächst unrichtig , meine gnädigste Frau . Denn wie kam es ? Ich sprach mit Leopold von seiner nächsten Zukunft und beschrieb ihm einen Hochzeitszug , absichtlich in unbestimmten Umrissen und ohne Namen zu nennen . Und als ich zuletzt Namen nennen mußte , da war es Blankenese , wo die Gäste zum Hochzeitsmahle sich sammelten , und war es die schöne Hildegard Munk , die , wie eine Königin gekleidet , als Braut neben ihrem Bräutigam saß . Und dieser Bräutigam war Ihr Leopold , meine gnädigste Frau . Selbiger Leopold aber wollte von dem allen nichts wissen und ergriff meine Hand und machte mir einen Antrag in aller Form . Und nachdem ich ihn an seine Mutter erinnert und mit dieser Erinnerung kein Glück gehabt hatte , da haben wir uns verlobt ... « » Ich glaube das , Fräulein Corinna « , sagte die Rätin . » Ich glaube das ganz aufrichtig . Aber schließlich ist das alles doch nur eine Komödie . Sie wußten ganz gut , daß er Ihnen vor Hildegard den Vorzug gab , und Sie wußten nur zu gut , daß Sie , je mehr Sie das arme Kind , die Hildegard , in den Vordergrund stellten , desto gewisser - um nicht zu sagen desto leidenschaftlicher , denn er ist nicht eigentlich der Mann der Leidenschaften - , desto gewisser , sag ich , würd er sich auf Ihre Seite stellen und sich zu Ihnen bekennen . « » Ja , gnädigste Frau , das wußt ich oder wußt es doch beinah . Es war noch kein Wort in diesem Sinne zwischen uns gesprochen worden , aber ich glaubte trotzdem , und seit längerer Zeit schon , daß er glücklich sein würde , mich seine Braut zu nennen . « » Und durch die klug und berechnend ausgesuchte Geschichte mit dem Hamburger Hochzeitszuge haben Sie eine Erklärung herbeizuführen gewußt ... « » Ja , meine gnädigste Frau , das hab ich , und ich meine , das alles war mein gutes Recht . Und wenn Sie nun dagegen , und wie mir ' s scheint ganz ernsthaft , Ihren Protest erheben wollen , erschrecken Sie da nicht vor ihrer eignen Forderung , vor der Zumutung , ich hätte mich jedes Einflusses auf Ihren Sohn enthalten sollen ? Ich bin keine Schönheit , habe nur eben das Durchschnittsmaß . Aber nehmen Sie , so schwer es Ihnen werden mag , für einen Augenblick einmal an , ich wäre wirklich so was wie eine Schönheit , eine Beauté , der Ihr Herr Sohn nicht hätte widerstehen können , würden Sie von mir verlangt haben , mir das Gesicht mit Ätzlauge zu zerstören , bloß damit Ihr Sohn , mein Verlobter , nicht in eine durch mich gestellte Schönheitsfalle fiele ? « » Corinna « , lächelte der Alte , » nicht zu scharf . Die Rätin ist unter unserm Dache . « » Sie würden das nicht von mir verlangt haben , so wenigstens nehme ich vorläufig an , vielleicht in Überschätzung Ihrer freundlichen Gefühle für mich , und doch verlangen Sie von mir , daß ich mich dessen begebe , was die Natur mir gegeben hat . Ich habe meinen guten Verstand und bin offen und frei und übe damit eine gewisse Wirkung auf die Männer aus , mitunter auch gerade auf solche , denen das fehlt , was ich habe - soll ich mich dessen entkleiden ? soll ich mein Pfund vergraben ? soll ich das bißchen Licht , das mir geworden , unter den Scheffel stellen ? Verlangen Sie , daß ich bei Begegnungen mit Ihrem Sohne wie eine Nonne dasitze , bloß damit das Haus Treibel vor einer Verlobung mit mir bewahrt bleibe ? Erlauben Sie mir , gnädigste Frau , und Sie müssen meine Worte meinem erregten Gefühle , das Sie herausgefordert , zugute halten , erlauben Sie mir , Ihnen zu sagen , daß ich das nicht bloß hochmütig und höchst verwerflich , daß ich es vor allem auch ridikül finde . Denn wer sind die Treibels ? Berliner-Blau-Fabrikanten mit einem Ratstitel , und ich , ich bin eine Schmidt . « » Eine Schmidt « , wiederholte der alte Wilibald freudig , gleich danach hinzufügend : » Und nun sagen Sie , liebe Freundin , wollen wir nicht lieber abbrechen und alles den Kindern und einer gewissen ruhigen historischen Entwicklung überlassen ? « » Nein , mein lieber Freund , das wollen wir nicht . Wir wollen nichts der historischen Entwicklung und noch weniger der