» und was wir jetzt gesprochen haben , muß weltbekannt werden - und zu der Erklärung , die hier abgegeben worden ist , muß das Gesetz seinen Segen geben - « Er hielt inne , ein erlösender Gedanke war in seinem Geiste aufgestiegen : » Das Gesetz gibt ihn nicht ! ... Vor dem Gesetz ist das in der Ehe geborene Kind rechtmäßig und sein Erbe unantastbar . « Gräfin Agathe fuhr auf : » Sein Erbe ? ... das Gesetz ? ... Es gibt ein Gesetz , welches das Kind der Sünde beschirmt , wenn es die Hand ausstreckt nach fremdem Gut ? « » Ohne Sorge ! « fiel Wolfsberg ein . Er war blaß geworden , Schweißtropfen perlten auf seiner Stirn . » Das Kind wird Dor-nachisches Eigentum nie berühren , es wird erzogen werden , wie es ihm zukommt , und einst , mündig geworden , seine Verzichtleistung unterschreiben mit dem Bewußtsein , es vollziehe eine leere Förmlichkeit . Dafür steh ich . « » Und ich « , sprach Maria , und Wilhelm rief ganz außer sich : » Und du ! ... So gibst du deinen Namen der Lästerung preis . Hast du das auch bedacht ? « Sie hatte ein trostloses Lächeln : » Guter Wilhelm , du wirst doch mich nicht schonen wollen - eine Schuldige , die mehr als überwiesen , die geständig ist ... Ich habe jahrelang Liebe und Ehrfurcht erduldet mit dem Bewußtsein meines Unwerts - - das war schwerer ... « » Worte , leere Worte « , versetzte starr , unerbittlich die Gräfin . » Wenn es dem Ewigen gefallen hätte , meinen Sohn zu erhalten , würdest du weitergelebt haben in Lüge und Trug . « » Nicht mehr lange « , sprach Maria mit sanftem , eindringlichem Beteuern , » glaube mir . Der kleinste dem - - dem unrechtmäßigen Kinde gewährte Anspruch hätte mir die Zunge gelöst , und dann wäre ich vor Hermann gestanden , wie ich jetzt vor seiner Mutter stehe , und hätte gefragt - « ihre Stimme wurde fast unhörbar : » Darf ich dir Lebewohl sagen ? « Eine ablehnende Gebärde war die Antwort der Gräfin , Wilhelm aber ging auf Maria zu und sagte vorwurfsvoll : » Lebewohl ? Du willst uns verlassen ; was fällt dir ein ? - Wir lieben dich - meiner Helmi bist du wie eine Tochter - bleibe bei uns , zieh zu uns in unser schlichtes Haus - bleibe bei uns ! « Er klopfte auf seine Brust . » Du hast einen Freund , der dich verehrt und noch mit seinem letzten Hauche wiederholen wird : Wo die gesündigt hat , da wäre ein Engel gefallen . « Maria drückte dankbar seine Hand . » Wir sehen uns wieder « , brachte sie mühsam hervor , » in Wolfsberg , wo mein Vater mich und das Kind aufnehmen wird . Nicht wahr , Vater ? « » Ich komme nicht mehr nach Wolfsberg « , erwiderte er rauh . In dieser Stunde verleugnete sich seine Liebe zu ihr . » Maria ! « rief Wilhelm , » wir werden jeden Tag segnen , den du uns schenkst . Bleibe bei uns ! « » Es kann nicht sein - du wirst das einsehen « , sagte sie . Ihre Wangen hatten sich langsam gefärbt und glühten nun fieberhaft . Zum zweiten Male wandte sie sich an ihren Vater : » Nimm uns dennoch auf ! « Er zuckte mit den Achseln und antwortete : » Was bleibt mir anderes übrig ? « 20 Das Stammschloß Wolfsberg war ein schwerfälliges steinernes Bauwerk mit düsteren Bogenhallen , feuchten Gängen , klafterdicken Mauern . Der Graf hatte es einst mit großem Aufwand bewohnbar machen und einen Teil davon in altertümlichem Stile einrichten lassen , während der andere allen Anforderungen entsprechen sollte , die heutzutage an den Landaufenthalt reicher und gastfreier Leute gestellt werden . Später , nach dem Tode seiner Frau , bereute er die romantische Laune , die ihn verleitet hatte , seinen Wohnsitz in einer unwirtlichen Gegend zu nehmen , in der Nachbarschaft einer Dorfbevölkerung , der alle Laster der Armut anhafteten . Er ließ Dolph und Maria monatelang allein ; seine Besuche wurden immer kürzer , und nach der Verheiratung seiner Tochter kam er überhaupt nicht mehr nach Wolfsberg . Das Schloß erhob sich auf einem stumpfen Hügel , der noch zu Anfang des Jahrhunderts dicht bewaldet gewesen war . Ein geldbedürftiger Vorfahr hatte die Bäume fällen und den Grund nicht mehr aufforsten lassen . Wasserrisse bildeten sich , die fruchtbare Erde wurde von Regengüssen fortgeschwemmt und der tonige Sandstein , der nun zutage kam , allmählich von einer kümmerlichen Vegetation bedeckt . Hie und da ragte der schiefe und narbige Stamm einer Föhre mit graugrünen Nadelbüscheln an den dürren Zweigen aus dem Gestein hervor , und wo ein Quellchen rieselte , gab es üppig wuchernde Moose . Wurzeltriebe der uralten Steineichen , die oben vor dem Pförtnerhause standen , schmückten sich mit Blättern . Kampanellen und Eriken wuchsen aus dem Schutt . Daß die Wasseräderchen nicht ganz versiegten , dankte man dem Baumreichtum des Schloßgartens . Hinter seiner weitläufigen , vieleckigen Einfassungsmauer , die sich stellenweise bis zur halben Höhe des Hügels zog , breiteten sich herrliche Wiesen , und sogar von Blumen und von Gewächshäusern , in denen sie überwinterten , erzählte man im Dorfe . Ein Verkehr zwischen diesem und dem Schlosse bestand nicht . Unfrieden herrschte zwischen beiden , seitdem die Gemeinde die ersten Wohltaten , die der Graf ihr erwiesen , mit Undank gelohnt hatte . Was sich an Nörgeleien erdenken läßt , das tat man einander an . Dem Grafen , in dessen Sinne die Gutsverwaltung sich dem Volke gegenüber benahm , weihte es seinen vollsten Haß , während das Andenken der verstorbenen Herrin in Ehren gehalten wurde . Ein Gemisch von Wahrheit und von böswilliger Erfindung hatte sich als Tradition in der Gegend erhalten