gutmütig hinzusetzte : » Ich meine nur hier so um Kinn und Hals . « Indem kam auch der Bursche . » Nun , Orth , ich war schon in Sorge um Sie . Gott sei Dank , ohne Not ; ganz unverfallen , bloß ein bißchen bläßlich . Aber das macht die Hitze . Und immer noch dieselben Sommersprossen . « » Ja , gnädige Frau , die sitzen . « » Nun das ist recht . Immer echt in der Farbe . « Unter solchem Gespräche war sie bis in ihr Schlafzimmer gegangen , wohin Botho und Minette ihr folgten , während die beiden andern sich in ihre Küchenregion zurückzogen . » Nun , Minette , hilf mir . Erst den Mantel . Und nun nimm den Hut . Aber sei vorsichtig , wir wissen uns sonst vor Staub nicht zu retten . Und nun sage Orth , daß er den Tisch deckt vorn auf dem Balkon , ich habe den ganzen Tag keinen Bissen genossen , weil ich wollte , daß es mir recht gut bei euch schmecken solle . Und nun geh , liebe Seele ; geh , Minette . « Minette beeilte sich und ging , während Käthe vor dem hohen Stehspiegel stehenblieb und sich das in Unordnung geratene Haar arrangierte . Zugleich sah sie im Spiegel auf Botho , der neben ihr stand und die schöne junge Frau musterte . » Nun , Botho « , sagte sie schelmisch und kokett und ohne sich nach ihm umzusehen . Und ihre liebenswürdige Koketterie war klug genug berechnet , und er umarmte sie , wobei sie sich seinen Liebkosungen überließ . Und nun umspannte er ihre Taille und hob sie hoch in die Höh . » Käthe , Puppe , liebe Puppe . « » Puppe , liebe Puppe , das sollt ich eigentlich übelnehmen , Botho . Denn mit Puppen spielt man . Aber ich nehm es nicht übel , im Gegenteil . Puppen werden am meisten geliebt und am besten behandelt . Und darauf kommt es mir an . « Fünfundzwanzigstes Kapitel Es war ein herrlicher Morgen , der Himmel halb bewölkt , und in dem leisen Westwinde , der ging , saß das junge Paar auf dem Balkon und sah , während Minette den Kaffeetisch abräumte , nach dem » Zoologischen « und seinen Elefantenhäusern hinüber , deren bunte Kuppeln im Morgendämmer lagen . » Ich weiß eigentlich noch nichts « , sagte Botho , » du bist ja gleich eingeschlafen , und der Schlaf ist mir heilig . Aber nun will ich auch alles wissen . Erzähle . « » Ja , erzählen ; was soll ich erzählen ? Ich habe dir ja so viele Briefe geschrieben , und Anna Grävenitz und Frau Salinger mußt du ja so gut kennen wie ich oder eigentlich noch besser , denn ich habe mitunter mehr geschrieben , als ich wußte . « » Wohl . Aber ebensooft hieß es , davon mündlich . Und dieser Moment ist nun da , sonst denk ich , du willst mir etwas verschweigen . Von deinen Ausflügen weiß ich eigentlich gar nichts , und du warst doch in Wiesbaden . Es heißt zwar , daß es in Wiesbaden nur Obersten und alte Generale gäbe , aber es sind doch auch Engländer da . Und bei Engländern fällt mir wieder dein Schotte ein , von dem du mir erzählen wolltest . Wie hieß er doch ? « » Armstrong ; Mister Armstrong . Ja , das war ein entzückender Mann , und ich begriff seine Frau nicht , eine Alvensleben , wie ich dir , glaub ich , schon sagte , die beständig in Verlegenheit kam , wenn er sprach . Und er war doch ein vollkommener Gentleman , der sehr auf sich hielt , auch dann noch , wenn er sich gehen ließ und eine gewisse Nonchalance zeigte . Gentlemen bewähren sich in solchen Momenten immer am besten . Meinst du nicht auch ? Er trug einen blauen Schlips und einen gelben Sommeranzug und sah aus , als ob er darin eingenäht wäre , weshalb Anna Grävenitz immer sagte : Da kommt das Pennal . Und immer ging er mit einem großen aufgespannten Sonnenschirm , was er sich in Indien angewöhnt hatte . Denn er war Offizier in einem schottischen Regiment , das lange in Madras oder Bombay gestanden , oder vielleicht war es auch Delhi . Das ist aber am Ende gleich . Was der alles erlebt hatte ! Seine Konversation war reizend , wenn man auch mitunter nicht wußte , wie man ' s nehmen sollte . « » Also zudringlich ? Insolent ? « » Ich bitte dich , Botho , wie du nur sprichst . Ein Mann wie der ; Kavalier comme il faut . Nun , ich will dir ein Beispiel von seiner Art zu sprechen geben . Uns gegenüber saß die alte Generalin von Wedell , und Anna Grävenitz fragte sie ( ich glaube , es war gerade der Jahrestag von Königgrätz ) , ob es wahr sei , daß dreiunddreißig Wedells im Siebenjährigen Kriege gefallen seien , was die alte Generalin bejahte , hinzusetzend , es wären eigentlich noch einige mehr gewesen . Alle , die zunächst saßen , waren über die große Zahl erstaunt , nur Mister Armstrong nicht , und als ich ihn wegen seiner Gleichgiltigkeit scherzhaft zur Rede stellte , sagte er , daß er sich über so kleine Zahlen nicht aufregen könne . Kleine Zahlen , unterbrach ich ihn , aber er setzte lachend , und um mich zu widerlegen , hinzu : von den Armstrongs seien einhundertdreiunddreißig in den verschiedenen Kriegsfehden seines Clans umgekommen . Und als die alte Generalin dies anfangs nicht glauben wollte , schließlich aber ( als Mister Armstrong dabei beharrte ) neugierig frug : ob denn alle hundertdreiunddreißig auch wirklich gefallen seien , sagte er : Nein , meine Gnädigste , nicht gerade gefallen , die meisten sind wegen Pferdediebstahl von den Engländern