, der Tonheros ? « » Nicht so viel . Das ist ein überspannter Tropf . « » Gabriel ! « » O , Sie werden ja sehen - und kurzen Prozeß mit ihm machen . « » Schnell , meinen dunkelbauen Promenadenanzug , Gabriel . « » Mit dem Sonnenblumen-Orden ? « » Laß Deine Zirkuswitze von damals . « » Ach , Herr , damals war der dumme Aujust auch immer mit den schönsten Orden bemalt , von oben bis unten , vorn und hinten . Der Zirkus ist die vornehmste Welt , das Publikum abgerechnet , und die gelehrteste Welt ; so gelehrte Hunde und Schweine - bitte , hier in den linken Ärmel - immer diesen gebildeten Umgang - hier die Manschetten . Ein frisches Taschentuch gefällig ? München will eine Kunststadt sein und hat nicht einmal einen Zirkus . Die Kravatte sitzt schief , erlauben Sie . Der hochnäsige Musikant da drinn ' möcht ' sich wohl auch für einen Künstler ausgeben . Die Hose müssen wir wieder einmal glatt bügeln . Der Hochmut dieser Parterremusiker ! Die sollen sich erst einmal aufs Trapez schwingen oder auf die schwankende japanesische Leiter , ehe sie von Kunst reden wollen . Wir hatten einmal einen Musikklown - sonst ein ganz gemeiner Mensch , aber wie der in den höchsten Regionen geigte und eine glatte Serie von Saltomortales dazu machte ... « » Gabriel , hinkender Teufel , Du bist ein unverbesserlicher Schwätzer und Taugenichts . « » Wie Gott will , das heißt nach Schopenhauer wie der Wille will . « » Du hast wieder getrunken ? « » - ? - ! « » Marsch , pack ' Dich mit Deinem Willen auf Deinen Posten ! « » Immer der alte Schnee : der Wille mit der Marschroute . Der Wille will , was er muß . Also ist der Wille nicht das Ding an sich ... Das Ding an sich ist das Müssen . O Schopenhauer , dem dummen Aujust steht der Verstand still . « » Besser , es stünde ihm das Maul still . « Der Doktor lächelte dem forthumpelnden Diener nach . Der Musiker stand mit verschränkten Armen und zusammengekniffenen Lippen vor dem Bilde Schopenhauers . Er trug einen hellbraunen Überrock mit dunklem Samtkragen , etwas zu kurze Beinkleider , absatzlose Schnabelschuhe , gelbe waschlederne Handschuhe und um den Hals ein weißseidenes Tuch lose über dem modischen Stehkragen geknotet . Die Haare waren von der Stirn zurückgekämmt , bauschten sich an den Ohren auf und fielen als wirre Büschel auf die Schultern . Es war ein Gemisch von altfränkischer Künstlerziererei und modischer Sauberkeit in der ganzen Erscheinung . Aus den Zügen des nicht unangenehmen Gesichtes sprach fanatisches Selbstbewußtsein . Nachdem er die Begrüßung und Entschuldigung des eintretenden Doktors mit feierlicher Miene angehört und mit stummer Verbeugung erwidert , nahm er auf dem ihm angewiesenen Lehnstuhl Platz . Doktor Trostberg liebte es , sich der besseren Beobachtung wegen zu neuen Besuchen so zu setzen , daß sein Gesicht im Schatten blieb , während auf das des Gastes volles Licht fiel . » Womit kann ich Ihnen dienen ? « Indem Friedberg langsam die gelben Handschuhe abzog : » Ich komme aus Italien , wo ich mit meinem verehrten Meister Franz Liszt den Winter zu verleben pflege . In Neapel habe ich die Bekanntschaft des genialen Architekten und vielseitigen Reisenden Joseph Zwerger gemacht . Aus seinen Andeutungen schöpfte ich das Vertrauen , daß Sie meine Annäherung nicht abweisen würden . Ich glaube , unsere Wege bewegen sich nach dem nämlichen hohen Ziele : der überlegenen deutschen Kunst die Weltherrschaft zu sichern , zunächst durch eigene Produktion , dann durch Förderung des besseren Bekanntwerdens der Meisterwerke anderer , hauptsächlich Franz Liszts . « » Sie gestatten eine Unterbrechung : Sie sind Raucher ? Lassen Sie uns auch auf diesem Wege das nämliche hohe Ziel anstreben : hier Zigarretten aus Genidezetabak , russische Papyros , Feuer , bitte , bedienen Sie sich . Es hört und spricht sich besser beim Rauchen . « » Ich bin Tondichter - danke , es brennt schon ; Sie sind Wortdichter - vorzüglicher Tabak . Ich schlage Ihnen eine gemeinsame Arbeit vor . « » Ah , Sie wünschen ein Libretto für eine , große Oper . « » Nein . Wenigstens vorderhand nicht . Ich habe im Stile und unter den Augen und Ohren meines verehrten Meisters Franz Liszt umfangreiche , den Konzertabend füllende symphonische Tondichtungen geschaffen . Dazu bedarf ich eines fein ausgeführten , poetischen Programmes . Es handelt sich um Programm-Musik , verstehen Sie , für großes Orchester . « » Ich verstehe , Herr Friedberg . Darstellung bestimmter poetischer Stoffe durch Instrumentalmusik , wie die poetisierenden Symphonieen von Liszt , Berlioz , Raff , Romantik mit Pauken und Trompeten und so weiter ... « » Sie kommen mir wunderbar entgegen , Herr Doktor . Ich gehe aber weiter , als die Genannten , ich erweitere den Gedanken- und Gefühlsinhalt der Programm-Musik in neuen , eigenartigen Formen . « » Bitte , gehen Sie lieber nicht weiter ! Ich ahne alles , was kommt - und verwerfe alles . « Friedberg , die Zigarrette aus dem Munde nehmend , mit überlegenem Lächeln : » Wie vermögen Sie das ? « » Rund heraus : ich betrachte die ganze moderne Instrumentalmusik als einen kolossalen künstlerischen Irrtum ; ich negiere alle von Sebastian Bach bis auf Wagner und Brahms komponierte programmatische Musik grundsätzlich . Für mich ist Bach nicht weniger auf dem Holzweg , als Wagner ; Mozart und Beethoven nicht weniger , als Liszt und Brahms . Nur durch die im Verlaufe der Zeit und der Gewöhnung geschaffene Verderbnis des Gehörs sind wir überhaupt im stande , moderne Instrumentalmusik zu ertragen . All ' unsere Begriffe von Wohlklang und Übelklang , von melodisch und unmelodisch , von harmonisch und disharmonisch sind das Ergebnis einer grundfalschen musikalischen Erziehung . Späteren , natürlicheren Zeiten und Bildungszuständen wird es ganz unerklärlich