fragte : » Sind wir heraus ? « Aber keiner antwortete . » Soll ich helfen ? « fuhr er fort . » Wenn ihr müde seid , ich versteh ' s. Und Andras versteht es auch . « Aber sie schwiegen weiter . » Hört doch . Ich seh , ihr habt noch zwei andere Ruder ; gebt sie nur her . Vier können mehr als zwei . Wir wollen mit anfassen . « Alles still . » Basseremtete ! « rief jetzt Egon im Zorn . » Sprecht . Ich will Antwort haben . Wir kommen nicht von der Stelle , drehen uns bloß und müssen doch am Ende heraus . « » Müssen ? « wiederholte der ältere nur , während er lächelnd seine Pfeife nahm und damit spielte . Franziska war bis dahin halb apathisch dem Gespräche gefolgt . Sie sah nun , wie ' s stand , und Egon die Hand reichend , sagte sie : » Verzeih ! Ich bin schuld . « » Woran ? « » An unserem Tod . « » Wir leben . « » Aber wie lange noch ? Und es ist auch das Beste so . Wenigstens das Beste für mich . Der Tod löst alles Wirrnis , das ich heraufbeschworen habe . Was sollt ich noch hier ? Ich sterbe gern , Egon , und gerade so , so . Das Glück bleibt mir treu bis zuletzt ... Aber du ? « » Nein , nein , Franziska . Es kann nicht sein ; nicht so . Wir leben noch , müssen leben . « Und er ergriff ihre Hand und bedeckte sie mit Küssen . In diesem Augenblicke schwieg das Pfeifen und Singen oben in der Luft , und statt seiner gab es einen schweren , dumpfen Schlag , wie wenn ein Segel im Winde hin und her klappt . Und dabei legte sich das Boot auf die Seite , so weit und so tief , daß es kentern zu wollen schien ; aber als es wieder stand , griffen beide Bootsleute mit ihren Rudern ein , und alle fühlten jetzt , auch Franziska , daß sie dem Tod entronnen und aus dem Trichter heraus seien . Egon hatte das Steuer genommen . » Wohin ? « rief er . Aber der , der den Führer machte , wies nur auf ein Inselchen , das sie jetzt , keine hundert Schritte mehr entfernt , aus dem Wogenschwall aufragen sahen . Es war ein Schieferfelsen mit angespültem Schlick und Sand , an dessen Abhang die Möwen ihre Nester hatten . Aber keine war zu sehen , alle steckten in ihren Felsenlöchern , und nur ein Fischreiher , so schien es , stand auf der kahlen Höhe und hielt Umschau . » Wohin ? « wiederholte Egon seine Frage . Doch statt aller Antwort kam diesmal ein Wellenstoß und warf das Boot auf den Strand . Alles sprang in die Brandung , und durch Schaum und Gischt hin watete man auf das Vorland zu , das zwischen dem Felsen und dem See lag . Allen voran Franziska , der mit der Hoffnung auf Leben auch die Lust am Leben wiedergekommen war , und als sie jetzt aus Tod und Brandung heraus mit einem Male wieder den trockenen Sand unter ihren Füßen knirschen fühlte , warf sie sich nieder und griff in den Sand hinein , als ob sie das Leben selbst mit aller Kraft aufs neu erfassen wolle . Dabei sprach sie Dankesworte vor sich hin und weinte und schluchzte , bis ihr Weinen und Schluchzen endlich schwieg . » Komm ! « bat Egon . Aber sie hörte nicht mehr , und als er sie vom Boden emporhob , sah er , daß sie besinnungslos war und eine Ohnmacht ihr Leben in Banden hielt . » Ist eine Hütte da ? « » Ja . Da , wo der Rauch zieht . « Und sich untereinander ablösend , trugen sie sie die roh in den Felsen gehauenen Stufen hinauf , bis man oben vor der Fährhütte hielt . Neunundzwanzigstes Kapitel Die Insel , darauf das Boot angelaufen war , lag nur in geringer Entfernung vom Ostufer des Sees , so daß , als der Sturm eine Stunde später nachgelassen hatte , von seiten Egons beschlossen werden konnte , Botschaft an den alten Grafen zu senden . Ein zwölfjähriger Junge , der den See wie sein Vaterunser kannte , war auch zu der Botschaft bereit , setzte glücklich über und traf um zwei Uhr nachts auf dem Schloß oben ein . Er fand noch alles wach und übergab an Graf Adam einen Zettel , den Egon geschrieben hatte . Dieser lautete : » Gerettet . Franziska matt und erschöpft . Bei Tagesanbruch fahren wir mit der Fähre bis Szent-Görgey , wo wir einen Wagen erwarten . Egon . « Der Graf , als er gelesen , gab den Zettel an Judith . Diese war in äußerster Erregung , sah in allem nur Wunder und Gebetserhörung und versprach , eine Kirchenschenkung zu machen , während ihr Bruder das Rettungswunder auf die zwei Bootsleute schob und sich dahin entschied , es diesen zugute kommen zu lassen . » Im übrigen « , schloß er , » da wir nun Egon und Franziska geborgen wissen , wollen wir auch uns selber bergen . Etwas Schlaf ist immer gut , es fehlt uns sonst an Kraft , uns morgen unserer Geretteten zu freuen . Denn eine Freude mit müden Augen ist nur halbe Freude . Also gute Nacht . « Am andern Morgen regte sich bis zu verhältnismäßig später Stunde nichts im Schloß , und zehn Uhr war längst vorüber , als man sich endlich beim Frühstück traf und nach voraufgegangener herzlicher Begrüßung an ein Fragen und Erzählen ging . Franziska hatte das Wort und sprach lebhaft und anziehend , aber obschon sie hinter ihrem Erzählerrenommee nicht eigentlich zurückblieb , so blieb doch vieles in ihrem Vortrage dunkel und lückenhaft und gewann