, vielleicht geht ' s doch ! « » Ja , wenn das vierte Rädchen nicht war ' « , rief Jossele . » Und das vierte ist grad ' das größte ! Du bist ein schlechter Bursch ' und treibst wüste Sachen ! « » Ich ? ! « rief Sender . » Du ! Du bist schlecht , sag ' ich . Daß du nicht heiraten willst , wundert mich nicht - ein Pojaz will nicht gebunden sein , wenn er seine Späße heut ' hier und morgen dort auskramen will . Aber warum sagst du denn nicht deiner Mutter Nein ! , warum läßt du , wenn du zu feig dazu bist , Schuldlose für diese Feigheit büßen ? ! Du hast es auf dem Gewissen , wenn Reb Mortche Diamant vielleicht erst in Jahren , vielleicht niemals einen Mann für seine Chaje findet - die dummen Leut ' lachen , wenn man ihren Namen nennt , so hast du sie durch deine Possen bloßgestellt ! Ich weiß , du bist gar noch stolz darauf ! ... « » Bei Gott , nein ! « beteuerte der Gescholtene . Der Meister richtete sich auf ; wieder überflammte der Zorn sein Antlitz . » Wer hat ' s unter die Leut ' gebracht ? ! « rief er . » Etwa Reb Mortche , weil er so viel Freud ' davon hat ? Du warst es ! « Sender mußte den Blick senken . In der Tat hatte er einigen davon erzählt . Aber noch schlimmer ward ihm zu Mut , als Jossele fortfuhr : » Das ist aber noch nicht das Ärgste ! Das Ärgste ist , was du jetzt treibst . Wo bist du immer während der Mittagszeit ? Ich hab ' geglaubt , bei deiner Mutter . Aber du kommst nur nach Haus , das Essen in dich hineinzuschlingen , dann rennst du wieder davon . Hierher aber kommst du immer zu spät , und wie schaust du dann aus ? Halb erfroren bist du und Augen hast du , als hätt ' st du zu viel getrunken . Ich hab ' s deiner Mutter bisher verschwiegen , aus Mitleid , sie härmt sich deinetwegen ohnehin genug ab . Aber jetzt muß es sein , denn jetzt weiß ich endlich , was dahinter steckt ! « Sender wurde totenbleich . Hatte der Meister seine Besuche im Kloster wirklich erkundet , so mußte er sofort fliehen , gleichviel wohin , auf die Gefahr , am Wege zu erfrieren oder Hungers zu sterben . Denn in Barnow quälten ihn die Fanatiker unter den Chassidim langsam zu Tode . » Du zitterst ! Du kannst mir nicht ins Gesicht sehn ! Hättst du dich doch lieber geschämt , eh ' du diese Schande und Sünde auf dich und ganz Israel geladen hast ! So was war ja noch nicht da , seit Barnow steht ... « Kein Zweifel , der Mann wußte alles ! Aber hatte er trotzdem bisher geschwiegen , so tat er es vielleicht auch ferner , sofern man ihn nur recht darum anflehte . » Meister ! « stammelte Sender , » denkt an meine Mutter ... « » Hast du an sie gedacht , als du dich so an Gottes heiligem Namen versündigt hast ? ! « Sender beugte das Haupt noch tiefer . » Ich sehe ja ein « , flehte er , » es ist eine Sünde . Aber seht , anderswo , in Czernowitz zum Beispiel , ist ja jeder Jud ' ein Deutsch ... « » Eine schöne Ausred ' ! Übrigens hab ' ich das sogar von den Czernowitzern , die doch gewiß Abtrünnige sind , nie gehört , daß dort jeder eine Liebschaft mit einer Christin hat wie du ! ... « » Was ? ! « Sender traute seinen Ohren nicht . » Willst du dich aufs Lügen verlegen ? ! Du hast es ja eben gestanden ! Du treibst dich täglich irgendwo mit ihr herum ! Neulich bist du sogar mit einem ganz beschmutzten Kaftan hergekommen ! Und mager und grün wirst du davon ! Pfui ! pfui ! « » Ich bin unschuldig ! « rief Sender und beteuerte es mit feierlichen Eiden . Es nützt ihm aber nichts , bis er auf Josseles Drängen auch bei dem Leben seiner Mutter schwor , daß er keine Christin liebe . Da erst gab sich der Meister zufrieden ; eines solchen Meineids wäre auch der gewissenloseste Jude nicht fähig . Während aber Sender schwor , dachte er angstvoll nach , welcher Sünde er sich statt dessen beschuldigen sollte . Endlich fiel ihm etwas bei , was nicht allzu unwahrscheinlich klang . Jedes Judenstädtchen ist von einem an Häusern , Bäumen oder Pflöcken befestigten Draht , dem » Eiruw « umzogen . Bei den » Mismagdim « in Galizien , den frommen Gemeinden in Posen und Westpreußen hat der » Eiruw « nur für den Sabbat Bedeutung . Da der Jude an diesem Tage keine Last aus seinem Hause hinaustragen darf , also niemand mit einem Gebetsmantel oder einem Taschentuch auf die Gasse treten dürfte , so wird durch den » Eiruw « , der den Ort umschließt , die Fiktion hergestellt , als wäre das ganze Weichbild ein Haus . Der Sekte der » Chassidim « aber , die ja in Barnow die herrschende war , genügt diese Bedeutung des Drahtes nicht . Bei ihnen ist es überhaupt verboten , zu anderen Zwecken als in Geschäften oder um das Gotteshaus aufzusuchen , die Stube zu verlassen , denn der Fromme soll daheim sitzen und über Talmud und Thora grübeln . Da aber auch sie dies nicht immer tun können , so bedeutet der » Eiruw « die Grenze , innerhalb deren man spazieren gehen darf , denn da verläßt man gleichsam das Haus nicht . » Den Eiruw hab ' ich überschritten « , gestand also Sender zu . » Aber seht , Meister , als Kutscher