kein Gaukelspiel irgendwelcher Träume . Er drehte langsam den Kopf . » Im Namen Gottes « , sagte er , » wer Sie auch sein mögen , geben Sie mir Antwort ! « Aber noch hatte er die Worte nicht ausgesprochen , als der Unbekannte zwischen den Büschen verschwand , lautlos , ohne sich umzusehen , ohne eine Silbe zu antworten , wie er gekommen war . Das alles vollzog sich innerhalb einer Minute und ging gedankenschnell vorüber , aber Robert spürte , wie das Grauen in ihm hochstieg . War das der Geist eines seiner Kameraden von der Antje Marie ? - Wollte ihn der Tote rufen , ihn den andern nachziehen in das stille Grab ? - Er suchte und forschte nicht , wo die Erscheinung geblieben war . Aber er hatte heftigen Durst ; Hitze und Kälte wechselten in seinen Adern , - er tastete nach dem Wasserbehälter , um zu trinken . Doch der war leer . Robert hatte vergessen ihn am Tag neu zu füllen . Ermattet kroch er in die Höhle und streckte sich auf sein Lager . Zum Bach zu kommen war in der Dunkelheit unmöglich , daher mußte er ohne einen kühlenden Schluck einzuschlafen suchen . Jetzt schüttelte heftiges Fieber seine Glieder , er begann irre zu reden und sich mit dem nächtlichen , geheimnisvollen Besucher zu unterhalten . » Mohr « , flüsterte er , » alter Onkel Mohr , du bist es , ich sehe dich wohl , und ich weiß , daß du mich zu dir rufen willst in das Grab , das ich gegraben habe . Aber warum sprichst du nicht mit mir , lieber Onkel Mohr , - ich möchte so gern , so gern einmal wieder eine menschliche Stimme hören . « Robert warf den Kopf von einer Seite zur andern . Er seufzte tief , wie erleichtert . » In Pinneberg bist du gewesen , Onkel Mohr ? Und du sagst , daß sie mir nicht böse sind , daß sie mich noch lieb haben und mich wie einen Toten betrauern ? - Aber wo blieb denn mein Brief ? - Den haben die Fischer verloren , wie ich das Schiff verlor , das große , schöne Schiff , das ich immer suche , so lange schon und so sehnsüchtig . Das Meer ist tückisch , es hat mir das eine Fahrzeug geraubt , und es besitzt doch so viele , viele , - warum durfte ich meins nicht wiederfinden ? « Er schluchzte im Traum , und dann wurde alles still . Das Fieber schüttelte ihn , kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn , das Bewußtsein war vollständig geschwunden . - - Am nächsten Morgen erwachte er mit dumpfen Kopfschmerzen und an allen Gliedern wie zerschlagen . Während der ersten Stunden des Tages läßt das Fieber meistens etwas nach , so konnte sich auch Robert mit klarer Besinnung , obgleich schwer krank , vom Lager aufrichten . Er kroch mühsam hinaus ins Freie und schlich , an jedem Baume einen Halt suchend , bis zum Bach , um erst einmal zu trinken ; dann setzte er sich in die Sonne und lehnte den Kopf an die Palme , die heute den fünfundzwanzigsten Einschnitt hätte erhalten sollen . Er konnte ihn nicht hineinkerben , die Anstrengung wäre zu groß gewesen . Auch sein Gedächtnis war geschwächt . Er wußte nicht genau , ob ihm von der Erscheinung dieser Nacht nur geträumt hatte , oder ob er sie wirklich vor sich gesehen hatte . Dort hinten , bei den zehn großen Kisten mit Wein , dort hatte der Mann gestanden , nun schon zweimal , - gewiß , es war der Tod , der ihn holen kam . Ein Frösteln schlich durch seine Adern . Selbst die Sonne mit ihren glühenden , versengenden Strahlen konnte ihn nicht mehr erwärmen , - seine Finger waren weiß , wie die einer Leiche , und das unangenehme Zittern wollte gar nicht aufhören . Ich möchte einen Schluck Wein trinken , dachte er , und dann werde ich mich wieder hinlegen , um zu sterben . Die Fingerspitzen sind , glaube ich , schon tot . Er befühlte mit der rechten Hand die Finger der linken . » Alles steif und kalt « , dachte er . » Oh , wie ich mich auf den Wein freue ! « Er schleppte sich mit Mühe bis zu den Kisten und öffnete die obere . Sie war leer . Robert griff sich an die Stirn . Er hatte nach oberflächlicher Berechnung vielleicht vier Flaschen ausgetrunken , in der Kiste aber waren fünfundzwanzig gewesen . Wie kam das ? Doch gleichgültig . Es kümmerte ihn nicht mehr , ob diese Flaschen vorhanden gewesen waren oder ob er sich vielleicht in ihrer Anzahl geirrt hatte . Er warf mit Aufbietung aller seiner Kräfte die leere Kiste herab und öffnete die zweite . Alles leer . Plötzliche Glut schoß durch Roberts ermatteten Körper . Fieberhaft erregt hob er Deckel auf Deckel , bis alle zehn Kisten offen , vor ihm dastanden . Alles leer . Die Erscheinung , die er zweimal gerade an dieser Stelle gesehen hatte , war also doch kein Geist , kein Schattenbild gewesen , sondern ein Mensch , der allnächtlich hierherkam , um zu stehlen , ein Dieb , der dem Verschmachtenden die letzte Labung geraubt hatte . Aber wer ? Wer ? Es brauste vor seinen Ohren , seine Sinne verwirrten sich . Er glitt an den Kisten langsam zu Boden und blieb bewußtlos liegen . Es war am Abend des zweiten Tages danach . Durch den Wald kamen drei Männer , die neben sich einen vierten mit gebundenen Händen als Gefangenen zu führen schienen . Sie trugen sämtlich . Fischerkleidung , aber in den Gürteln steckten breite Messer und auf den Schultern lagen kurze Gewehre . » Wirklich « , sagte in spanischer Sprache der Gefangene , » ihr irrt , Kameraden . Ich bin unschuldig an dem Verbrechen