ein Mann sein . Die Krisis zu beschleunigen , verschreibe ich Dir das beste Mittel . Du suchst sogleich den Purpurhändler Valerius Procillus , meinen ältesten Gastfreund in Neapolis auf Er ist der reichste Kaufherr des Abendlandes , ein grimmiger Feind der Kaiser von Byzanz , die ihm Vater und Brüder getötet , ein Republikaner wie Cato und schon deshalb mein vertrauter Freund . Seine Tochter Valeria Procilla aber ist die schönste Römerin unsrer Zeit und eine echte Tochter der alten , der heidnischen Welt . Antigone oder Virginia würden sich der Freundin freuen . Sie ist nur drei Jahre jünger und folglich zehnmal reifer als Du . Gleichwohl wird sie Dir der Vater nicht versagen , erklärst Du ihm , daß Cethegus für Dich wirbt . Du aber wirst Dich beim ersten Anblick sterblich in sie verlieben . Du wirst das : obgleich ich es Dir vorhersage , und obgleich Du weißt , daß ich es wünsche . In ihren Armen wirst Du alle Freunde der Welt vergessen : geht die Sonne auf , erbleicht der Mond . Übrigens , weißt Du , daß Dein Kastor einer der gefährlichsten Römerfeinde ist ? Und ich habe einmal einen gewissen Julius gekannt , der geschworen : Rom über alles . Vale . « Cethegus rollte den Papyrus zusammen , umschnürte ihn mit den Bändern von rotem Bast , befestigte diese an der Schleife mit Wachs und drückte seinen Amethystring mit dem herrlichen Jupiterkopf auf dasselbe . Dann berührte er einen aus dem Marmorgetäfel hervorschauenden silbernen Adler : draußen an der Wand des Vestibulums schlug ein eherner Donnerkeil auf den Silberschild eines niedergeworfenen Titanen mit glockenhellem Ton . Der Sklave trat wieder ein . » Laß den Boten in meinen Thermen baden , gib ihm Speise und Wein , einen Goldsolidus und diesen Brief . Morgen mit Sonnenaufgang geht er damit zurück nach Neapolis . « - - Siebentes Kapitel . Mehrere Wochen darauf finden wir den ernsten Präfekten in einem Kreise , der sehr wenig zu seinem hohen Trachten , ja zu seinem Alter zu passen schien . In dem seltsamen Nebeneinander von Heidentum und Christentum , das in den ersten Jahrhunderten nach der Konstantiner Bekehrung das Leben und die Sitten der Römerwelt mit grellen Widersprüchen erfüllte , spielte besonders die friedliche Mischung von Festen der alten und der neuen Religion eine auffallende Rolle . Neben den großen Feiertagen des christlichen Kirchenjahres bestanden auch noch größtenteils die fröhlichen Feste der alten Götter fort , wenn auch meist ihrer ursprünglichen Bedeutung , ihres religiösen Kernes beraubt . Das Volk ließ sich etwa den Glauben an Jupiter und Juno nehmen und die Kultushandlungen und die Opfer , aber nicht die Spiele , die Feste , die Tänze und Schmäuse , die mit jenen Handlungen verbunden waren ; und die Kirche war von jeher klug genug , zu dulden , was sie nicht ändern konnte . So wurden ja sogar die echt heidnischen Lupercalien , mit welchen sich derber Aberglaube und wüster Unfug aller Art verband , erst im Jahre vierhundertsechsundneunzig - und nur mit Mühe - abgeschafft . Viel länger natürlich behaupteten sich harmlose Feste wie die Floralien , die Palilien und zum Teil haben sich ja manche von ihnen in den Städten und Dörfern Italiens mit veränderter Bedeutung bis auf diese Stunde erhalten . So waren denn die Tage der Floralien gekommen , die , früher auf der ganzen Halbinsel , als ein Fest besonders der fröhlichen Jugend , mit lauten Spielen und Tänzen gefeiert , auch in jenen Tagen noch wenigstens mit Schmaus und Gelage begangen wurden . Und so hatten sich denn die beiden Lizinier und ihr Kreis von jungen Rittern und Patriziern an dem Hauptfesttag der Floralien zu einem Symposion zusammenbestellt , für welches jeder der Gäste , wie bei unsern » Picknicks « , seinen Beitrag in Speisen oder Wein zu liefern hatte . Die Fröhlichen versammelten sich bei dem jungen Kallistratos , einem liebenswürdigen und reichen Griechen aus Korinth , der sich im Genuß künstlerischer Muße zu Rom niedergelassen und nahe bei den Gärten des Sallust ein geschmackvolles Haus gebaut hatte , das als der Mittelpunkt heitern Lebensgenusses und feiner Bildung . galt . Außer dem reichen Adel Roms verkehrten dort vornehmlich die Künstler und Gelehrten , und dann auch jene Schichten der römischer Jugend , denen über ihren Rossen und Wagen und Hunden wenige Zeit und Gedanken für den Staat übrigblieb und die daher bis jetzt dem Einfluß des Präfekten unzugänglich gewesen waren . Deshalb war es diesem sehr erwünscht , als ihm der junge Lucius Licinius , jetzt sein glühendster Anhänger , die Einladung des Korinthers überbrachte . » Ich weiß wohl , « sagte er schüchtern , » wir können deinem Geist nicht ebenbürtige Unterhaltung bieten und wenn dich nicht die alten Kyprier und Falerner locken , die Kallistratos spenden wird , lehnst du ab . « » Nein , mein Sohn , ich komme , « sagte Cethegus , » und mich locken nicht die alten Kyprier , sondern die jungen Römer . « - Kallistratos , der sein Hellenentum mit Stolz zur Schau trug , hatte sein Haus mitten in Rom in griechischem Stil gebaut . Und zwar nicht in dem des damaligen , sondern des freien , des perikleischen Griechenlands und dies machte im Gegensatz zu der geschmacklosen Überladung jener Tage den Eindruck edler Einfachheit . Durch einen schmalen Gang gelangte man in das Peristil , den offenen , von Säulengängen umschlossenen Hof , dessen Mittelpunkt ein plätschernder Springbrunnen in braunem Marmorbecken bildete . Die nach Norden offne Säulenhalle enthielt außer andern Gelassen auch den Speisesaal , der heute die kleine Gesellschaft versammelt hielt . Cethegus hatte sich vorbehalten , nicht schon zu der » Cöna « , dem eigentlichen Schmause , sondern erst zu der » Commissatio « , dem darauffolgenden nächtlichen Trinkgelag , zu kommen . Und so fand er denn die Freunde in der vornehmen Trinkstube , wo längst schon die zierlichen Bronzelampen an den schildpattgetäfelten Wänden brannten