Frau , der Caplan selbst war durch sie gerührt . So verschieden die drei Menschen waren , so verschieden sie auch in diesem Augenblicke empfanden , sie fühlten sich eng verbunden in einer gemeinsamen Idee , und grade die Hindernisse und Schwierigkeiten , welche der Gründung einer katholischen Capelle mitten in dem protestantischen Lande im Wege stehen konnten , reizten den Baron zunächst . Es begann mit diesem Plane ein neues Leben für ihn , weil sich ihm mit demselben wenigstens für einige Zeit eine lebhafte und vielseitige Thätigkeit darbot . Die Bedenken der Behörden , die bittenden Einwendungen seines protestantischen Pastors regten seine angeborne Herrschsucht auf , und es galt endlich , vor Allem dem Zorne und der Betrübniß seiner Schwiegereltern zu widerstehen , die von einem Religionswechsel ihrer Tochter nicht reden hören wollten . Aber alle diese Hindernisse führten Mann und Frau nur näher zu einander und steigerten den Eifer der Neubekehrten . Angelika war eine starke enthusiastische Natur . Sie wuchs mit jedem Tage mächtiger zur Selbstbestimmung heran , sie stand bald neben ihrem Gatten , als wäre sie ihm gleich an Jahren und Erfahrung , und ihr fester Sinn fing an , ihn zu beherrschen , ohne daß er es gewahrte , ohne daß sie sich dessen klar bewußt war . In Thätigkeit , in Liebe , in religiösen Uebungen kam der Herbst heran , und mit ihm der Jahrestag ihrer Hochzeit , der von dem Freiherrn und von Angelika zu einer dreifachen Feier ausersehen war . Der Baron hatte die Wochen vor demselben theils in der Hauptstadt , theils in der Kreisstadt der angrenzenden katholischen Provinz , in welcher der Fürstbischof residirte , zugebracht . Er kehrte mit der frohen Nachricht heim , daß der Bau der Capelle zugestanden sei und daß der Fürstbischof selbst sich habe bereit finden lassen , der Weihung des Platzes und der Grundsteinlegung beizuwohnen . Weil man es wußte , wie wenig die Gutsleute dem Capellenbaue geneigt waren , hatte der Freiherr für die Einsenkung des Grundsteins einen Maurer mit seinen Gehülfen aus der Stadt nach Richten beordert . Der Freiherr hatte viel zu melden von seinen Mühen und Erlebnissen , der Caplan wies mit Freude die Documente vor , welche man in das Fundament der Capelle zu versenken beabsichtigte . Es waren die Geschlechtstafeln der Herren von Arten und eine Chronik über das Geschlecht , die er während des Sommers ausgearbeitet hatte . Man beschäftigte sich lange damit , Angelika war von ganzer Seele dabei . Und hast Du mir nichts Neues mitzutheilen ? fragte er endlich die Baronin , nachdem die Männer ihre Angelegenheiten durchgesprochen hatten . Nichts als diesen Brief und die Versicherung , daß ich ruhig bin in meinem Gewissen wie in meinem Herzen . Sie reichte ihm den Brief ; er war von dem Grafen , ihrem Vater , und von ihrer Mutter geschrieben . Die Mutter beschwor die Tochter noch einmal mit den dringendsten Bitten und Vorstellungen , nicht abzufallen von dem rechten Glauben . Was die Mutterliebe Zärtliches , was die religiöse Ueberzeugung Eifriges und Flehendes einem Kinde sagen konnten , war in dem Briefe enthalten . Der Graf hatte nichts als seinen Zorn . Er drohte der Tochter mit völliger Verstoßung , er erklärte , ihr soweit als möglich ihr Erbe entziehen zu wollen , wenn sie sich beikommen lasse , sich von dem protestantischen Bekenntnisse abzuwenden . Er wolle seine Enkel nicht als Pfaffenknechte sehen , schrieb er ; er habe das Vermögen seines Hauses davor zu wahren , daß es durch sie nicht etwa einmal ein Raub der ultramontanen Kirche werde . Er sei ein Protestant , er könne nur eine Protestantin seine Tochter nennen , die Katholikin sei sein Kind nicht mehr . Der Freiherr las das Schreiben und blickte Angelika voll Besorgniß an . Er wußte , mit welcher Liebe sie an ihren Eltern gehangen hatte , und war also bekümmert um den Eindruck , welchen das Schreiben auf sie gemacht haben würde . Aber sie ließ seiner Sorge keinen Raum . Sei ohne Furcht für mich , sagte sie . Es steht geschrieben , das Weib soll Vater und Mutter verlassen und dem Manne folgen . Meine Eltern haben mich Dir gegeben , daß ich Dir folge in Deine irdische , vergängliche Heimath , wie sollte ich anstehen , Dir in die wahre , ewige Heimath zu folgen ? Und habe ich nicht Vater , nicht Mutter mehr auf dieser Welt - ihre Stimme zitterte , in ihren Augen perlten Thränen - , so habe ich Dich und habe unsern Heiland , und werde , so Gott will , auch bald das Kind haben , es zu ihm hinzuführen . Ich bin nicht allein , nicht verzagt ; ich bin glücklicher , als ich je zu werden glauben konnte . Zwölftes Capitel Am Morgen des Hochzeitstages schien die Herbstsonne hell über das Thal und über Schloß Richten . Es waren viele Gäste im Hause . Der Fürstbischof war gekommen , von seinen Vicaren begleitet , und auch die beiden Agnaten des Freiherrn waren gekommen , der Feier beizuwohnen . Es waren zwei alte , unvermählte Herren . Das Geschlecht stand in diesem Augenblicke nur auf sechs Augen , die Geburt eines Erben wurde sehr ersehnt . Angelika war die Heldin des Festes . Liebe , Verehrung , Freundschaft und Theilnahme umgaben sie , wohin sie blickte . Ganz früh in der Stille ihres Gemaches hatte sie eine lange Unterredung mit dem Caplan gehabt . Er hatte ihr , nachdem sie ihm gedankt für die Belehrung und die Stütze , die er ihr gewährt , für die tragende Freundschaft , die er ihrem Manne bewiesen , einen peinlichen Auftrag auszurichten . Er sollte ihr die Absichten ihres Gatten in Bezug auf Paul , den Sohn Paulinen ' s , mittheilen und ihr die Erfüllung der Wünsche des Barons an das Herz legen . Der Freiherr wünschte den Knaben unter seinen Augen im Schlosse erziehen , ihn ebenfalls zum