: damit ging der Tag hin , und es kam der Abend heran . Auf dem Feldwege zog Hans zu Fuß neben einem Karren her , der sein Gepäck trug , und da er mit dem elenden Gaul , welcher den Karren zog , Schritt halten mußte , so hatte er Muße , sich gehörig zu sammeln und sich auf alles Gute und Böse , was ihn an seinem neuen Aufenthaltsort erwartete , vorzubereiten . Mancherlei Omina sandten ihm auch diesmal die Götter . Es flog ein Rabe zu seiner Rechten , es lief wiederum ein Hase über den Weg , es begegnete ihm nicht ein altes Weib , sondern zwanzig kamen ihm entgegen . Eine Glücksspinne kroch über seine Hand , und als der Blaukittel , der zu der Mähre gehörte , endlich mit dem Peitschenstiel eine Rauchwolke als » Kohlenau « bezeichnete , mußte der Wandrer niesen , was bei Heiden und Christen als ein glückliches Zeichen gilt , aber in diesem Fall , da der Qualm schuld daran war , doch auch sehr bedenklich erscheinen konnte . Alles in allem genommen , machte der schwarze , hohe Schornstein inmitten der Dampfwolke keinen angenehmen Eindruck auf Hans , und die Aschenhaufen zu beiden Seiten des Weges , welcher ebenfalls immer schwärzer wurde , schienen ihm nichts zur Erhöhung des landschaftlichen Reizes beizutragen . An einer langen Mauer lief der Weg jetzt hin zu einem weiten Tor ; - Hans Unwirrsch war an seinem neuen Aufenthaltsort angelangt . Alles war auf dem Hofe an seinem rechten Flecke , und das Wohnhaus des Fabrikanten , welches links von dem Fabrikgebäude mit demselben einen rechten Winkel bildete , hatte Fenster und Türen , wie es sich gehörte ; mehr ließ sich aber auch nicht darüber sagen . Die Wolken , die sich den ganzen Nachmittag über immer mehr zusammengezogen hatten , ließen sich jetzt leise und feucht zur Erde herab . Schwarze Gestalten liefen über den Hof des Geschäftsanwesens ; aus Röhren , die aus den Mauern der Fabrik guckten , zischte weißer Dampf ; in dem Wohnhause wurde auf einem Fortepiano etwas Musik gemacht , doch nicht ausreichend , um eine helle Stimme zu übertäuben , welche sich sicherlich einbildete , angenehm zu sein . Auf den Treppenstufen der Haustür drängten sich drei blöd aussehende Knaben , sämtlich mit den Zeigefingern im Munde , zusammen , und mit wahrem Präzeptorblick erkannte Hans in ihnen sogleich seine Zöglinge . Dann trat ein Herr hervor , welcher statt des Zeigefingers eine Zigarre im Munde hatte und sich durch einen roten Fes mit blauem Quast glänzend und vorteilhaft von der in Grau und Schwarz getuschten Umgebung abhob ; dieser Herr winkte dem Kandidaten , näher zu treten , und forderte ihn etwas kurz auf , nicht in dem Regen stehenzubleiben ; es blieb kein Zweifel übrig , daß dies der Mann war , der einen Hauslehrer für hundertundfünfzig Taler bar und eine angenehme und freie Station gesucht hatte . Hans Unwirrsch fand , daß er sich wirklich auch in dieser Vermutung nicht getäuscht hatte . Er wurde etwas steif , aber nicht unfreundlich aufgenommen und den Damen des Hauses vorgestellt . Nicht die Hausfrau , sondern die Schwägerin der Hausfrau gab sich hold-verschämt als die musikalische Verbrecherin zu erkennen ; die Hausfrau , eine sehr stämmige Dame , erklärte die Musik für ihre schwächste Seite und verletzte ihre Schwägerin durch die Bemerkung , daß sie nie begriffen habe , wie ein Frauenzimmer , welches schon so lange über das Tanzen hinaus sei , sich aus so was noch was machen könne . Recht real zeigte sich somit die Hausfrau und stach um so vorteilhafter von der Schwägerin ab , welche auf den lieblichen Ruf » Fräulein « ging und dazu den Namen Eleonore führte ; Fräulein Eleonore schwärmte für das ganze übrige Haus mit und fabrizierte Gefühle , Träume , Tränen und Seufzer weit über den Bedarf hinaus . Kalt und klar stand der Herr der Erwerbsanstalt als ein unstreitig sehr nützliches Glied der großen menschlichen Gesellschaft inmitten seiner schwarzen , dampfenden , zischenden , ächzenden , knarrenden , geschäftigen Welt . Auch er hielt den Lärm seiner Maschinen für die beste Musik , und in bezug auf Poesie hatte er abgeschlossen mit einem » Buch der Toaste und Gelegenheitsgedichte « , das er als lebenslustiger Kommis und junger Sünder erstanden hatte . Jetzt war die Zeit längst vorüber , wo es ein Genuß war , durch witzsprühende Improvisationen und geistreiche Trinksprüche zu glänzen . Stumm trank er jetzt sein Glas aus , und stumm füllte er es wieder , und seine Geschäftsfreunde achteten ihn deshalb nur um so höher . Kurz und bündig setzte er dem Kandidaten Unwirrsch auseinander , was für Leute er aus seinen Söhnen zu machen wünsche . » Gute Geschäftsmänner sollen sie werden « , sagte er , » aber bis sie alt genug sind , um in die Lehre genommen zu werden , wird ' s nichts schaden , ihnen ein wenig von dem , was ihr Herren die Humaniora nennt , beizubringen . Die Zeit schreitet mächtig fort , und wir Kaufleute und Fabrikanten haben uns wahrhaftig nicht über sie zu beklagen ; sie nimmt uns gern mit , wenn wir nur wollen . Der Mensch muß sich jetzt in mehr Dingen zurechtfinden lernen als in unserer Väter Tagen - also trichtern Sie nur , Herr Präzeptor , trichtern Sie ! Ich will schon Halt rufen , wenn ich denke , es ist genug und die edlern Organe werden unter Wasser gesetzt . Die Praxis ist doch die Hauptsache - « » Und davon versteh ich leider wenig , sehr wenig « , sagte Hans mit einer Vornehmheit , welche ihm Moses Freudenstein gewiß nicht zugetraut haben würde . Der Fabrikant lachte und klopfte ihn auf die Schulter . » Dafür hab ich Sie auch nicht engagiert . Setzen Sie nur Ihren Trichter an , lieber Herr , und füllen Sie auf ; - Bildung ist