Höchst verdächtig , bestätigte Franz ; ich trage darauf an , daß der Inculpat auf das allerschärfste inquiriret und auf jede Weise zu einem offenen und umfassenden Geständniß persuadiret werde . Ja , er soll gestehen ; er soll gestehen ! rief das übermüthige Mädchen in die Hände klatschend ; er soll sich über diese verrätherische Röthe seiner Wangen verantworten . Angeklagter , ich frage Sie auf Ihr Gewissen : kennen Sie eine Dame mit braunem Haar und Augenpaar ? Aber , wie Sie auch fragen , Fräulein Sophie ? erwiderte Herr Bemperlein , noch röther werdend , als vorhin . Eure Rede , Angeklagter , sei ja , ja ! oder nein , nein ! Was darüber ist , ist vom Uebel . Nun denn : ja ! sagte Herr Bemperlein lachend . Haben Sie , als Sie von dem braunen Haar und Augenpaar sprachen , an diese Dame gedacht ? Ja , antwortete Herr Bemperlein nach einigem Zögern . Da haben wir ' s ! Er hat an sie gedacht ! Er hat an sie gedacht ! rief Fräulein Sophie und schnippte vor Vergnügen mit den Fingern . Aber wer ist sie ? warf Franz ein . Wir werden es gleich erfahren . - Angeklagter , wohnt sie in dieser Stadt ? Ja . Franz , nimm zu Protokoll : sie wohnt in dieser Stadt . Angeklagter : sehen Sie sie oft ? Nein . Hm ! haben Sie sie heute gesehen ? Aber , Fräulein So - Keine Ausflüchte ! Haben Sie sie heute gesehen ? Nun , ich merke schon , ich komme besser weg , wenn ich nur gleich Alles offen gestehe , sagte Herr Bemperlein , der trotz seiner Bemühung , unbefangen auszusehen , immer befangener geworden war . So hören Sie denn , gestrenger Herr Untersuchungsrichter und Sie , diabolisch lächelnder Herr Beisitzer , die sonderbare Geschichte , die mir heute passirt ist und die eigens darauf angelegt scheint , mich aus einer Verlegenheit in die andere zu bringen . Erzählen Sie , Bemperchen ! erzählen Sie , rief Sophie ; die Sache wird romantisch . Nun denn , Sie wissen , Fräulein Sophie , daß Grenwitzens heute Morgen in die Stadt gekommen sind . Wir sind davon unterrichtet . Weiter , Angeklagter ! Sie wissen aber noch nicht , daß die Baronin gleich nach ihrer Ankunft an mich geschrieben und mich gebeten hat , sie noch im Laufe des Tages zu besuchen . Sie habe über eine Sache von der äußersten Wichtigkeit mit mir zu sprechen . Die Sachen der Baronin sind immer von der äußersten Wichtigkeit , meinte Franz . Das wußte auch ich und beeilte mich deshalb nicht eben mit meiner Visite . Gegen Abend indessen , kurz vorher , ehe ich hierher kam , war ich dort . Nun , um welche Bagatelle handelte es sich ? Ich habe es nicht erfahren , denn ich hatte nicht das Glück , vorgelassen zu werden . In der Hausthür begegnete ich Herrn Timm , der in solcher Eile war , daß er mich fast über den Haufen lief und eben nur noch Zeit hatte , zu sagen : Wie zum Teufel kommen denn Sie hierher , Bemperlein ? Im Vorzimmer , in welches mich der Bediente gewiesen hatte , traf ich Mademoiselle Marguerite . Hat sie braune Augen , Bemperchen ? Sie hat braune Augen , Fräulein Sophie , sehr schöne braune Augen , die in diesem Augenblicke um so glänzender erschienen , als sie voll heller Thränen standen . O ! sagte Fräulein Sophie , weshalb denn ? Weiß ich es ? Ich war , weil ich Niemand im Zimmer vermuthete , ohne anzuklopfen eingetreten . Bei meinem Erscheinen fuhr die junge Dame , welche mit dem Kopf auf dem Tisch schluchzend dasaß , empor und suchte , so gut es gehen wollte , ihre Thränen zu verbergen . Sie erwiederte auf meine Frage , ob die Baronin zu sprechen sei : sie wolle gehen und nachsehen . Sie ging aber nicht , wenigstens nur bis an die nächste Thür , wo sie stehen blieb , um abermals in Thränen auszubrechen . Sie können sich meine Verlegenheit denken . Ich kann Niemand weinen sehen , geschweige denn ein so junges , armes , hülfloses Geschöpf , wie Mademoiselle Marguerite . Ich trat also auf sie zu , faßte sie bei der Hand - ich konnte bei Gott nicht anders - und sagte - was sollte ich sonst sagen ? - weshalb weinen Sie , Mademoiselle ? Ihre Thränen flossen nur noch reichlicher . Ich wiederholte meine Frage wieder und wieder . Je suis si malheureuse ! war Alles , was sie endlich herausschluchzte . Dabei blieb es . Das arme Kind that mir von Herzen leid . Ich fragte , ob ich ihr helfen könne ? Sie schüttelte weinend den Kopf . Ich suchte sie zu trösten , und sagte Alles , was man in einer solchen Situation zu sagen pflegt . Nach und nach wurde sie ruhiger , trocknete sich die Augen , drückte mir die Hand und sagte : Oh vous êtes bon . Damit schlüpfte sie aus der Thür . Ich war so klug , als ich vorher gewesen war . Nach einigen Minuten kam nicht sie , sondern Baron Felix , um mir zu sagen , daß seine Tante unendlich bedauere , mich heute Abend nicht mehr sehen zu können . Sie sei von der Reise zu angegriffen . Ich möchte morgen wieder kommen . Da Baron Felix es ebenfalls sehr eilig zu haben schien , empfahl ich mich schleunigst . Als ich schon in der Thür war , rief er mir nach : Apropos , Herr Bemperlein , wissen sie nicht , wann der Doctor Stein zurückkommen wird ? Ich glaube , in diesen Tagen , erwiderte ich und ging . Da haben Sie meine romantische Geschichte . Die Manches zu denken giebt , sagte Franz . Ich möchte nebenbei auch wohl wissen , wann