Streitberg mit der Scheurlin gewünschte Zusammenkunft zu veranstalten . Wie sehr auch die Hallerin wünschte , die beneidete und darum verhaßte Feindin zu demüthigen , so wollte sie sich doch erst lange nicht zu einer Vermittlerin hergeben , obwohl Weyspriach nichts von ihr verlangte , als daß sie Elisabeth mit andern Gästen zu sich lade und sie dann in ein abgelegenes Gemach locke , in dem ein von ihr verschmähter Liebhaber - der Ritter nannte absichtlich keinen Namen - sie ungestört treffen könne . Nur um einen Preis war sie bereit das zu thun : wenn sie eine , derjenigen Elisabeth ' s ganz gleiche Nadel erhalte , die sie nun , wo der König fort war , auch als ein Geschenk seiner Huld ausgeben , dadurch Elisabeth demüthigen und sich an ihr rächen könne - ja die Hallerin bestand entschieden darauf , nicht früher ihre hülfreiche Hand zu bieten , bis sie in den Besitz der Nadel gesetzt worden . Doppelt ungelegen war es darum den Rittern , durch die Antwort des Goldschmieds sich so hingehalten zu sehen . Als endlich die drei Wochen vorüber waren , sandten sie nächtlicher Weile ein paar ihrer Knappen mit der für die Nadel geforderten Summe zu Meister Dürer , und der Knappe mußte froh sein mit einer abschlägigen Antwort davon zu kommen . Nun war die Hülfe der Hallerin verwirkt - ja man mußte noch froh sein , wenn sie in ihrem Aerger nicht plauderte und den Ritter , der ihr durch ein Versprechen Hoffnungen erregt , die er nicht erfüllen konnte , in seinem Vorhaben zu stören suchte . Doch erhielt sie die Furcht , durch eine Mittheilung zum Nachtheil des Ritters zugleich sich selbst zu schaden , bei dem Vorsatz des Schweigens ; aber sie hoffte , daß sich eine Gelegenheit finden werde dem Ritter zu zeigen , daß man eine Nürnberger Patrizierin nicht ungestraft hintergehe , und wartete auf dieselbe . Vergessen würde sie die Täuschung nie . Indeß hatte Weyspriach wenig Neigung , für Eberhard von Streitberg noch fernere Schritte zu thun , und verwies diesen allein auf die Hülfe des Juden , als dieser wieder mit seiner Tochter auf seinem Hausirergange in das Schloß kam . Er schlug die alte Jacobea als Bundesgenossin vor , die mit Elisabeth ' s Amme in einem Hause wohnte ; aber man wollte dem Juden nicht allein trauen und behielt ihn so lange bei sich , bis Rachel nach Jacobea gesandt mit dieser zurückkam . So verhandelte man in der Gegenwart des Mädchens , das man seiner stillen Weise nach beinah ' nicht anders wie ein einfältiges , dem Vater blind gehorsames Kind betrachtete . Ja noch mehr ! Streitberg , der schon in Nürnberg doch so viel über die beiden Baubrüder erkundet hatte , um ihre Namen zu wissen , forderte sowohl von dem Juden als von Jacobea Rath und Mittel sich an ihnen zu rächen . Wie hätte ein Eberhard von Streitberg je den Schimpf mögen auf sich sitzen lassen , sich sein Schwert von den Händen eines Steinmetzen entwinden zu sehen - eines Menschen also , der von Früh bis Abends mit diesen Händen arbeitete und unter strengen Regeln sein Leben verbrachte , indeß er , der stolze Ritter , der jede Arbeit , auch wenn sie dem Dienste der erhabensten Kunst galt , tief gering achtete , und mit roher Willkür auf den Landstraßen raubte was er brauchte , wenn einmal ein beutereiches Kriegerleben sich ihm nicht gleich nach Wunsche bot - er , der in unzähligen Turnieren den ebenbürtigen Gegner aus dem Sattel gehoben und mit verwegenem Muthe bei kecken Abenteuern so gut wie in wilder Schlacht Heldenthaten verrichtet ! Mit der kecken Zuversicht , die ihm immer eigen , hatte er danach von König Max sein Schwert zurückgefordert und wider die Baubrüder geklagt , die ihn in der Mehrzahl auf der Hallerwiese überfallen und ihm unter frechen Scherz- und Schimpfworten sein Schwert entrissen . Aber er hatte dabei nicht gedacht , daß der König selbst ein Baubruder war und den Worten freier Steinmetzen mehr Vertrauen schenkte als einem Ritterwort ; noch weniger wußte er , daß Elisabeth schon vor allen Frauen Nürnbergs vor den Augen des Königs Gnade gefunden . So hatte er erst nur die königliche Antwort erhalten , daß die Sache untersucht werden solle , um darauf den noch größern Schimpf zu erleben , daß ihm der König sein Schwert zwar wieder sandte , aber mit der Bemerkung , daß er es nur außerhalb der Stadt tragen dürfe , und mit der Verweisung aus derselben und der Drohung , daß er , falls er nicht gehorche , als ein Friedensbrecher dem Gefängniß und Gericht der Stadt werde überantwortet werden . Wie sehr Streitberg auch wüthen mochte : es blieb ihm nichts übrig als zu gehorchen , und er mußte noch froh sein , daß er doch keinen öffentlichen Schimpf erleben , sondern sich den Anschein geben durfte , als riefe ein Geschäft ihn fort . Er zog sich indeß auf Weyspriach ' s Veste zurück , und ward immer mehr von Zorn erfüllt , als er vernahm , wie der König Elisabeth auszeichnete , bei deren Anblick seine ganze alte Leidenschaft für sie wieder erwacht war . Eberhard von Streitberg war eine jener ungebändigten Naturen voll roher Kraft und starker Gefühle , ohne den Willen dieselben jemals zu zügeln , da er ohne sittliche Grundsätze war . Seine feurige Leidenschaftlichkeit und die augenblickliche Wahrheit seiner Empfindungen machte sein Glück bei liebebedürftigen und gefühlvollen Frauen , die von seiner äußern ritterlichen Erscheinung und einzelnen heroischen Eigenschaften seines Charakters bestochen , ohne denselben näher prüfen zu können , in ihm das Ideal eines Helden fanden . So hatte er früh das Herz des Edelfräuleins Helene von Heideck gewonnen und sie als seine Gattin heimgeführt . Aber bald ward er ihrer überdrüssig , und nur um wieder frei leben zu können , nahm er Kriegsdienste und abenteuerte in allen Ländern umher . So kam er nach