rüsten ; wenn er angreift , aufs Haupt schlagen , das ist so einfach , daß man eigentlich keinen drum zu fragen braucht . Ich glaube , das viele Bedenken und Erwägen hat der böse Feind als Unkraut auf die deutsche Erde gestreut . Wer schwankt , ist dem Fallen nah , und wer ' s zu sein machen will , der gräbt sich selbst sein Grab : Wir rüsten ! « Die bewegte und bald gefährliche Lage schuf der Herzogin eine freudige Stimmung : so ist die Forelle wohlgemut im rauschenden Gießbach , der über Fels und Trümmer schäumt , im stillen Wasser verkommt sie . Und Beispiel , fester Entschlossenheit oben ist nie vergeblich . Da trafen sie ihre Vorbereitung zum Empfang des Feindes . Vom Turm des hohen Twiel wehte die Kriegsfahne154 weit ins Land hinaus ; durch Wald und Feld bis an die fernsten in den Talgründen versteckten Meierhöfe klang das Heerhorn , die Mannen aufzubieten ; nur Armut befreite von Kriegspflicht . Wer mehr als zwei Mansen LandA1 sein eigen nannte , ward befehligt , beim ersten Ruf in Wehr und Waffen sich zu stellen . Der Hohentwiel sollte der Sammelplatz sein , ihn hatte die Natur dazu gefestet . Boten durchflogen das Hegau . Das Land hub an , sich zu rühren ; hinten im Tannwald standen die Köhler beisammen , den schweren Schürhaken schwang einer überm Haupt wie zum Einhauen . » Es tut sich ! « sprach er , » ich geh ' auch mit ! « An die Türen der Pfarrherrn , der Alten und Bresthaften ward geklopft ; wer nicht ausziehen kann , soll beten ; an alle Ufer des Sees ging die Kunde , auch hinüber nach Sankt Gallen . Auf die friedliche Insel Reichenau ging Ekkehard ; die Herzogin gebot ' s. Der Gang wär ' ihm sauer gefallen , hätt ' es sich um anderes gehandelt . Er brachte dem gesamten Kloster die Einladung auf den hohen Twiel für die Zeit der Gefahr . Dort war schon alles in Bewegung . Beim Springbrunnen im Klostergarten ergingen sich die Brüder ; es war ein linder Frühlingstag ; aber keiner dachte ernsthaft dran , sich des blauen Himmels zu freuen , sie sprachen von den bösen Zeiten und ratschlagten ; es wollt ' ihnen schwer einleuchten , daß sie aus ihren stillen Mauern ausziehen sollten . Der heilige Marcus , hatte einer gesagt , wird seine Schutzbefohlenen schirmen und den Feind mit Blindheit schlagen , daß er vorbeireitet , oder das Grundgewelle des Bodensees aufschäumen lassen , daß es ihn verschlinge wie das Rote Meer die Ägypter . Aber der alte Simon Bardo sprach : » Die Rechnung ist nicht ganz sicher , und wenn ein Platz nicht sonst mit Turm und Mauern umwallt ist , bleibt Abziehen rätlicher . Wo aber noch eines Schillings Wert zu finden ist , da reitet kein Hunne vorbei ; legt einem Toten ein Goldstück aufs Grab , so wächst ihm noch die Hand aus der Erde und greift danach . « » Heiliger Pirminius ! « klagte der Bruder Gärtner , » wer soll den Kraut- und Gemüsgarten bestellen , wenn wir fort müssen ? « - » Und die Hühner ? « sprach ein anderer , dessen teuerste Kurzweil in Pflege des Hühnerhofes bestund , » haben wir die drei Dutzend welsche Hahnen für den Feind ankaufen müssen ? « » Wenn man ihnen einen eindringlichen Brief schriebe « , meinte ein dritter ; » sie werden doch keine solche Unmenschen sein , Gott und seine Heiligen zu kränken . « Simon Bardo lächelte : » Werd ' ein Lämmerhirt « , sprach er mitleidig , » und trink ' einen Absud vom Kraut Camvmilla , der du den Hunnen eindringliche Briefe schreiben willst . O , daß ich meinen alten Oberfeuerwerker Kedrenos mit über die Alpen gebracht ! Da wollten wir ein Licht wider den Feind ausgehen lassen , schärfer als der milde Mondschein über dem Krautgärtlein , der dem seligen Abt Walafrid155 so weiche Erinnerungen an seine Freundin in der Seele wach rief . Dort an der Landzunge ein paar Schiffe versenkt , hier am Hafenplatz desgleichen , - und mit den langen Brandröhren den Uferplatz bestrichen : hei , wie würden sie auseinanderstieben , wenn ' s durch die Luft flöge wie ein feuriger Drache und seinen Naphthabrandregen aussprühte ! Aber was weiß euer einer von griechischem Feuer156 ? ! O Kedrenos , Feuerwerker Kedrenos ! « Ekkehard war ins Kloster eingetreten . Er fragte nach dem Abt . Ein dienender Bruder wies ihm dessen Gemächer . Er war nicht drinnen und auch anderwärts nicht zu finden . » Er wird in der Rüstkammer sein « , sprach ein Mönch im Vorübergehen zu ihnen . Da führte der dienende Bruder Ekkehard in die Rüstkammer ; sie war auf dem hohen Klosterspeicher , viel Harnisch und Gewaffen lag droben aufgehäuft , mit denen das Kloster seine Kriegsleute zum Heerbann ausstattete . Abt Wazmann stand drin , eine Staubwolke verhüllte ihn dem Blick der Eintretenden , er hatte die Rüstungen von den Wänden abnehmen lassen und gemustert . Staub und Rost waren Zeuge , daß sie lange Ruhe gehabt . Beim Mustern hatte der Abt schon an sich selber gedacht ; sein Obergewand lag ausgezogen vor ihm , der blonde Klosterschüler hatte ihm einen Ringpanzer umgeworfen , er reckte seine Arme , ob er ihm fest und bequemlich sitze . » Tretet näher ! « rief er Ekkehard zu , » andere Zeiten , anderer Empfang ! « Ekkehard teilte ihm der Herzogin Aufforderung mit . » Ich hätt ' selber auf dem hohen Twiel drum nachgesucht , wenn Ihr nicht gekommen wäret « , sprach der Abt . Er hatte ein langes Schwert ergriffen und schlug einen Lufthieb , daß Ekkehard etliche Schritte zurückwich ; dem scharfen Pfeifen der Luft war zu entnehmen , daß es nicht der erste , den er in seinem Leben führte . » '