dich eben so lieb , und darum hab ich ' s getan . Aber recht ist ' s doch nicht , und so davon zu reden , das ist sündlich . « » Du Annemergele , du ! Aber wir wollen nicht streiten . Komm , wollen lieber küssen . « » Mein ' twegen , die Kirch ist ja schon lang aus . « Sie gingen , sich küssend und umschlingend , weit ins beschneite Feld , ohne dem Frost eine Gewalt über ihr Jugendfeuer zu gönnen ; ja , sie warfen einander , wenn sie sich müde geküßt hatten , mit Schneeballen , und traf er sie mit einem gar zu derben Wurfe , so gab dies wieder Anlaß zu Söhnungsbitten und neuen Liebkosungen . Dazwischen zerstreute er ihre stets auftauchenden Besorgnisse wegen der Zukunft durch die bündigsten Versicherungen und Schwüre . Der Mond sank erblassend gegen Westen hinab , und die ersten Schauer der Morgenkälte wehten über die Flur , als sie sich endlich trennten . Immer später kam in den nächsten Nächten die abnehmende Sichel auf den Schauplatz , und immer noch traf sie das Paar und beleuchtete eine Glückseligkeit , die sich um die Welt nichts kümmerte . Wenn aber je Christine wieder zu sorgen und zu zagen begann , so wußte Friedrich sie zugleich zu necken und zu trösten . » Ich glaub , der Mut verfriert dir « , sagte er , » wir werden uns in der Hüterhütte bergen müssen . Sieh , du bist mein Weib vor Gott , ich werd nicht von dir lassen und nicht eher ruhen , bis du es auch vor den Menschen bist . Ich hab einmal gesagt : Ich will ! und das Wollen in eigner Sach ist viel stärker , als das Nichtwollen in fremder Sach . Wenn ich eher den Kopf hergeb als meinen Willen und mein Herz , und das darfst mir zutrauen , so wird das Nichtwollen schon mürb werden . Merk dir nur eins und laß dir ' s gesagt sein : Will und Lieb , die stiehlt kein Dieb . « 12 Zu dem Gantverfahren , das der alte Sonnenwirt seinem Sohne angeraten hatte , schien er ihm volle Zeit und Muße verstatten zu wollen ; denn er ließ ihn seine Tage und Nächte ungestört nach seinem Gutdünken hinbringen . Friedrich befolgte das Gebot seines Vaters , ihm nicht vors Angesicht zu kommen , buchstäblich , und obgleich seine Stiefmutter täglich über die gestörte Hausordnung seufzte , wenn er sich das Essen durch die Dienstboten auf seine Kammer bringen ließ , so wußte sie doch nichts dagegen einzuwenden , weil er sich auf den unmittelbaren Ausspruch des Familienoberhauptes berufen konnte . Dabei ließ er sich ' s jedoch angelegen sein , mit seinen Dienstverrichtungen immer da einzugreifen , wo er den Vater nicht gegenwärtig wußte . Die Nächte widmete er den Zusammenkünften mit seiner Geliebten , und da er mit allen Gängen und Schlichen vertraut war , so machte es ihm keine Schwierigkeit , beim Heimgehen wieder in das verschlossene Haus zu kommen . Es schien ihm beinahe , als ob sein Vater , nachdem er einmal seine Willensmeinung ausgesprochen , den Dingen ohne weiteres Einschreiten den Lauf lassen wollte . Hierin täuschte er sich aber sehr . Der Sonnenwirt hatte , nach reiflicher Beratung mit dem Chirurgen , seinen Plan und Entschluß gefaßt , und wenn die Ausführung desselben sich gerade so lange verzögerte , um einen bereits gesponnenen Schicksalsfaden vollends unabänderlich zu befestigen , so war ja dies einer von den Fehlschlägen , welche die kurzsichtigen Ratschläge der Menschen so häufig treffen . Der Sonnenwirt wollte sichergehen und seinen Plan gründlich durchsetzen . Er schickte seine Frau , mit einem Brätchen aus der Metzig , ins Amthaus , um durch sie der Amtmännin zunächst mitteilen zu lassen , was er mit seinem Sohne vorhabe . Hierzu hatte er einen doppelten Grund . Einmal beanspruchte die Obrigkeit dieselbe unbedingte Gewalt über den Bürger , welche dieser über das Tun und Lassen seiner Kinder , selbst in ihren eigensten Angelegenheiten und noch im erwachsenen Alter , auszuüben sich berechtigt glaubte , und es wäre sehr übel vermerkt worden , wenn man in einem Hause auch nur eine Familiensache ins Werk zu setzen gewagt hätte , ohne sich vorher den Rat des gestrengen Herrn unter der Leitung seiner noch gestrengeren Frau zu erbitten oder ihnen wenigstens der äußeren Form nach die Ehre der Gutheißung zu lassen . Außerdem aber wollte der Sonnenwirt durch diese Unterwürfigkeit für den Fall , daß sein Sohn den Widerspenstigen machen würde , sich des amtlichen Beistandes versichern . Die Amtmännin nahm das Geschenk und die Mitteilung der Sonnenwirtin mit Wohlgefallen auf . Sie gestand ihr offen , daß es ihr jedesmal übel werde , wenn sie den ungeschliffenen Flegel nur von weitem sehen müsse . Auch war sie der Ansicht , daß für die Ruhe des Fleckens nicht besser gesorgt werden könne als durch seine gänzliche Entfernung auf immer oder doch auf möglichst lange Zeit ; denn , meinte sie , ein so gewalttätiger Mensch , der kein Gesetz achte , könnte am Ende , wenn nicht alles nach seinem Kopfe gehe , wohl noch imstande sein , Mord und Totschlag zu verüben oder gar den Leuten die Häuser über dem Kopfe anzuzünden . Sie verhehlte der Sonnenwirtin nicht , daß gar mancherlei über ihn gemurmelt werde . Man sage , er habe an Silvester nicht nur beinahe die ganze Nacht auf höchst gefährliche Weise im Flecken geschossen , sondern auch seinen Feinden einen Mordschlag gelegt , der so Menschen als Gebäuden einen erheblichen Schaden hätte bringen können ; anderer Greueltaten zu geschweigen . Alles dieses werde mit leichten Stücken zu beweisen sein , sowie man ihm nur ernstlich zu Leibe gehen wolle , und das Amt halte also bereits wieder neue Blitze gegen ihn in der Hand . Es sei sonach eine wahre Wohltat für den ungeratenen Jungen , wenn man ihn diesen Blitzen