die Gefahr ist gering für Dich . Wäre es auch anders - Du bist aus dem Blut meines Stammes . Sagt den Männern der schwarzen Berge , in der verlassenen Kula des Popowitsch Gradjani würden sie uns finden , mit unserm schnellen Blei die Ungläubigen zu Boden streckend . Wenn Ihr Euch eilt , kann die Hilfe zur Stelle sein , ehe die Sonne ihren Strahl über die Berge der Zenta auf die grünen Wellen des Sees wirft . Ich habe gesprochen ! Die Wila ' s mögen Euch und uns gnädig sein ! « Alle wußten , daß gegen die Entscheidung des Beg keine Einrede galt . Auch war der Auftrag , der den Beiden geworden und bei dem vielleicht dessen selbst unbewußt der Glaware von dem geheimen Wunsch mit geleitet sein mochte , sein Blut und seinen Namen zu erhalten , offenbar weniger gefährlich , als die Aufgabe , die den Männern blieb . Stephana , das grausenvolle Sendzeichen des Vaters in ihre Schürze bergend , und der junge Bogdan knieeten vor dem Familienhaupt nieder , seine Hand küssend ; der Greis machte in jener eigenthümlichen Weise der griechischen Völker mit seinem linken Daumen segnend das Zeichen des Kreuzes über sie und entfernte sich rasch . Stephana warf sich an die Brust des nur eben wieder gewonnenen Gatten und schien sich kaum von ihm losreißen zu können . Aber die drängende Gefahr gewährte hier keine Zeit und die Czernagorzenfrau wußte deren Werth zu schätzen . Noch im Arm ihres Mannes reichte sie dem Griechen die Hand und bat ihn , den Geliebten nicht zu verlassen . Dann verschwand sie rasch mit dem Bruder in eine ginsterbedeckte Felsenspalte , während die Männer dem Beg nacheilten . Schweigend setzten diese einige Zeit ihren Weg fort , absichtlich an einer geeigneten Stelle sich einem im Thale unten bemerkten Posten der Verfolger zeigend , was von diesem mit einigen nutzlosen Schüssen beantwortet wurde . Nach einer weiteren halben Stunde gelangten sie aus eine sich in leichter Abdachung nach Süden senkende Vergebene , zum Theil mit Gebüsch und wilden Kastanienbäumen besetzt , auf der , an eine schützende hohe Felswand gelehnt , die halbzerstörte Kula stand , die sie zu ihrem Zufluchtsort erwählt hatten . Dieselbe war ein viereckiges thurmartiges Gemäuer von Kalksteinen , in der Hauptmauer noch wohl erhalten und nur das obere Stockwerk mit dem Gebälk eingestürzt . Kein Feind war zu sehen , und rasch nahmen sie von der Ruine Besitz , häuften Schutt und Balken vor den Zugang und machten die schmalen Fensteröffnungen in den dicken Mauern für die Vertheidigung frei . Der Platz bot für kühne und standhafte Männer einen nicht üblen Zufluchtsort , und Alle empfanden dies , als sie nach rasch vollendeter Arbeit sich um den Häuptling am Boden lagerten und nochmals ihre Waffen untersuchten , während Jowan an einer der Schießscharten scharfen Auges Wache hielt über die Umgebung . Die Sonne begann bereits hinter den jenseitigen Bergspitzen zu verschwinden , als der Czernagorze das Zeichen gab , daß die Feinde nahten . Im Augenblick waren alle Fünf auf ihrem Posten , alle mit den langen Flinten des Hochlands bewaffnet , da Bogdan die seine , als am raschen Lauf ihn hindernd , an Gabriel gegeben hatte . Ein ziemlich starker Trupp berittener Arnauten sprengte die Bergebene herauf und machte etwa zwei Büchsenschüsse von dem Gemäuer Halt . Offenbar glaubten die Türken , daß sie auf der Spur ihrer Gegner seien , denn sie prüften sorgfältig die ganze Fläche , jedes Gesträuch , jedes Felsenversteck durchspähend und bald nahte ein kleiner Haufe den Ruinen der Kula , mißtrauisch die Verrammelung des Zugangs betrachtend , die Waffen zum augenblicklichen Gebrauch in Händen . Der greise Beg ließ sie bis auf etwa sechszig Schritt herankommen , dann stieß er mit seiner donnernden Stimme den gefürchteten Schlachtruf seiner Familie aus und gab Feuer . Gabriel , Grivas , Jowan und auch der Arnaut Hassan folgten seinem Beispiele , und drei der Reiter stürzten von den Pferden , während die Andern erschrocken Kehrt machten und davon sprengten , der Eine gleichfalls verwundet im Sattel schwankend . In wenigen Augenblicken waren unter dem tobenden Allahruf die Türken außerhalb der Schußweite unter den Kastanienbäumen versammelt , die Pferde wurden gekuppelt und angebunden , während zwei der Reiter mit der Kunde davon jagten , daß die Flüchtigen gefunden seien , und der Führer der Schaar vertheilte seine Leute über die Fläche , von allen Seiten das Gebäude im weiten Halbkreise umgebend . Während die kurze Dämmerung , die im Süden Tag und Nacht scheidet , hereinbrach , begann das Gefecht , und die Schüsse der Plänkler knatterten munter gegen die Oeffnungen des Gemäuers , aus dem hin und wieder ein Schuß aus den langen Flinten der Czernagorzen antwortete , wenn Einer oder der Andere der Moslems unvorsichtig sich zu weit vorwagte . Der Schein des Vollmonds , der den ersten Theil der Nacht erhellte , zeigte klar alle Gegenstände rings umher . Plötzlich übertönte ein wilder Jubelruf der zurückgebliebenen Türken das einzelne Knallen der Flinten . An der Spitze eines zweiten Trupps heran jagte eine Frau im weiten , weiß durch die Nachtluft flatternden Mantel , den Schleier um das Haupt gewunden , die Büchse in der Hand , im Gürtel Pistolen und Handjar , - vor dem weißen Araber her in mächtigen Sprüngen mit gesträubtem Haar der Wolf , ihr Begleiter . Um das Pferd der kühnen Reiterin sammelte sich die Schaar , Befehle flogen von ihren Lippen nach rechts und links , in drei Haufen theilte sich der wohl an fünfzig Mann starke Trupp , und langsam , lautlos rückten sie jetzt von drei Seiten gegen den Thurm . » Bei Allah ! « sagte Hassan zu den Kampfgefährten , » wir werden einen schweren Stand haben . Kennt Ihr den Teufel in Weibergestalt , der sie zum Angriff führt ? Es ist Fatinitza , die Wölfin von Skadar , von der das Volk erzählt , daß sie das Blut ihrer