der That den Befehl zu vollziehen , sich das Mobiliar der verstorbenen Fürstin Amanda vollständig anzueignen . Fürst Waldemar von Hohenberg , der Verstorbene , zu allen Zeiten Verschwender und geldbedürftig , verkaufte nach einer Sinnesart , die wir noch deutlicher werden kennen lernen , auf seinen Gütern das Ei unterm Huhne und wie dann auch das Huhn dazu , so auch sogar die letzten Erinnerungen an seine Gattin . Zu diesem Schritt entschloß er sich einige Wochen vor seinem vor drei Monaten erfolgten Tode . Wie die Intendantur der königlichen Schlösser eigentlich darauf kam , sich so geflissentlich diesen Erwerb anzueignen , war dem Publicum noch ein Räthsel . Die Einen fabelten von einer wunderbaren Einrichtung , die jedoch Andere gänzlich in Abrede stellten . Viele sagten , die Einrichtung der Fürstin Amanda von Hohenberg war zwar nicht kostbar , aber sie war sinnig und geschmackvoll . Sie liebte Rococomöbeln , sagten die Einen . Im Gegentheil berichtete Frau von Trompetta ( und sie , die zu den Wenigen gehörte , die Hohenberg besucht und sich der verschollenen frommen Fürstin manchmal erinnert hatten , konnte es wissen ) ; im Gegentheil , ihre Wohn- , Schlaf- und Betzimmer wären ganz in altdeutschem Geschmack gewesen : man fände daselbst nur große Tische und gewaltige Schränke mit gewundenen Füßen und Säulen , Alles pechbraun oder rabenschwarz gebeizt ; ausgezeichnet , gestand sie zu , sind die Gegenstände , die auf einem rings an den Wänden angebrachten zierlichen Holzsimse ständen . Da sähe man Schnitzarbeiten von Elfenbein und Hirschhorn , gußeiserne Crucifixe , das Abendmahl von Leonardo da Vinci aus Wachs bossirt , ein Meisterstück von einem tiroler Mönche .... Ja ! fügte die Trompetta in ihrer Weise erregt hinzu , und der vielen Lithophanieen an den Fenstern und all der bunten Glasbehänge nicht zu gedenken , die ihren Zimmern einen wahrhaft heiligen , das Gemüth sanft zur Ruhe wiegenden Dämmerschein gaben ! Nach dieser Mittheilung der Frau von Trompetta kam dann eine mysteriöse Schalkheit dieser Frau . Frau von Trompetta , behauptete man , hätte bei einer Audienz , wo sie die Königin zur Theilnahme an einem neu von ihr begründeten Kleinkinderbewahrinstitute aufgefodert , sich erlaubt , der erlauchten hohen Dame eine solche Schilderung von Hohenberg zu entwerfen , daß diese eine große Neigung faßte , die Hinterlassenschaft zu erwerben . Man liebte ja bei Hofe die Dämmerungszustände .... Man hüllte sich ja so gern in diese bunten Lichter des Räthselhaften und Ahnungsvollen ein .... General Voland von der Hahnenfeder , der berühmte militairische Diplomat , hatte ja den Hof und dessen Liebhabereien mit seinen Sammlungen von Glasmalereien , Elfenbeinschnitzarbeiten , Handschriften ganz in der Gewalt und auch für diese Idee , obgleich sie vielleicht von der ihm nicht sehr zusagenden quecksilbernen Frau von Trompetta angeregt , von dem geistreichen artistischen Tonangeber , dem Probste Gelbsattel , den Voland wie alles lutherisch Kirchliche nicht gern zu üppig und breit aufkommen ließ , unterstützt war , lautete sein Votum doch durchaus empfehlend . Für den Leonardo da Vinci aus Wachs hatte Voland sogar schon einen Platz in der Privatkunstkammer des Königs , wo bereits mehre Kunstwerke standen , die Voland bei seinen Reisen durch österreichische Klöster gesammelt hatte . So vermutheten die Tiefern , die Bedeutenden und Ahnungsvollen .... Doch gestehen wir , daß es auch noch eine andere sehr nüchterne , kalte und rationalistische Partei bei Hofe gab , die diese Acquisition ganz vom finanziellen Standpunkte beurtheilte . Diese sahen eine dem überschuldeten Fürsten Waldemar von Hohenberg aus der königlichen Chatulle gezahlte Summe von dreitausend Thalern rein als eine einfache Unterstützung an , die man dem vom höchstseligen Landesfürsten abgöttisch verehrten tapfern Husaren Waldemar von Hohenberg , einem der glorreichsten Haudegen der Armee , in dieser harmlosen Form wollte zufließen lassen , und darauf das Mobiliar der Fürstin als eine Verpfändung . Um den Bruder des Königs , den Prinzen Ottokar , der den Oberbefehl der Armee führte , gruppirten sich Diejenigen , die sich für diese nüchterne Auslegung verbürgen wollten und die Mission des Geheimraths Henning von Harder zu Harderstein als eine einfache , nur dem königlichen Kämmerer , der die Chatulle verwaltete , bekannte finanzielle Eintreibung einer verfallenen Schuld ansahen . Dann begreif ' ich aber nicht , hatte Bartusch , das Factotum des Justizraths Schlurck zu diesem noch vor einigen Tagen auf Schloß Hohenberg gesagt , dann begreif ' ich nicht , wie Herr von Harder mit so ungestümer Eile , mit so ängstlicher Sorgfalt von dem Inhalt dieser drei Zimmer Besitz nehmen konnte . Wie rasch die Siegel an die Zimmer gelegt wurden ! Kaum , daß der Fürst die Augen geschlossen , lag schon das Siegel der Hofkanzlei auf Thür und Fenster . Jetzt , statt einfach einen Commissar zu senden und den Inhalt auf Treu und Glauben verladen zu lassen für dasjenige Schloß , wohin jene Schnurrpfeifereien nun bestimmt sein mögen , kommt die Excellenz da mitten in der Nacht in höchst eigener Person , einen Tag darauf folgt ein großer Meubles- und Transportwagen , wie für ein Paar Elefanten , und jetzt soll Einer die Angst sehen , mit der zwei Bediente über die drei Zimmer wachen , daß auch nicht eine Stecknadel hinaus kann . Was steckt dahinter ? Sie kennen , hatte dagegen Schlurck zu seinem treuen Bartusch gesagt , Sie kennen die ängstliche Gewissenhaftigkeit dieses musterhaftesten aller Staatsdiener . Henning von Harder , der nichts von Dem sehen und hören will , was die närrische Pauline in seinem Hause täglich anrichtet und in der Welt schon Alles angerichtet hat , weiß dennoch mit genauester Bestimmtheit , ob gerade in dieser Minute ein Rhododendron in dem königlichen Schlosse zu Buchau am Rheine blüht oder geblüht hat oder blühen wird . Dieser Mensch ist eine Uhr . Im Gefühl seiner Pflicht einmal aufgezogen , schnurrt er sich in mathematischer Genauigkeit Minute um Minute ab , bis er sich mit dem Gefühl seiner Würde wieder neu aufzieht und wieder da anfängt wo er geendet