folgend , den Verunglückten gefunden . Das scheue , zügellose Pferd , durch Dick und Dünn jagend , war gegen einen Baum mit seinem Reiter angerannt , hatte ihn abgeworfen und gegen einen scharfkantigen großen Stein geschleudert . Sie fanden ihn schon sprachlos in Todesängsten . Das mochte man sich selbst so auslegen , auch wenn er kein Wort gesprochen hätte ; aber bei jedem Schritt wußte man mehr und die Mägde in der Küche , die gar nicht hinausgekommen waren , wußten es ganz genau , wie es hergegangen . Da hatte Hans Jochem sich verschworen gegen die Andern , er allein wollte den Krämer werfen und bis auf ' s Hemd ausziehen , auch wenn der Kurfürst mit allen seinen Trabanten um ihn stände . Auch so der Teufel neben ihm ritt ? fragten die Andern . Auch dem will ich ein Schnippchen schlagen , hatte Hans Jochem gesagt . Da als er dem Pferd die Sporen gab , war ein schwarzer Reiter wie aus der Erd aufgeschossen und hatte sich ihm in den Weg gestellt . » Mach ' Platz ! « rief Hans Jochem . » Wer bist Du ? « Der Reiter schlug das Visir auf , und die helle Lohe schlug ihm aus des Reiters grünen Augen und Rachen entgegen . Da ward sein Roß scheu , kehrte und trug ihn über Stock und Block . Und hinter ihm rief ein altes Weib : » Ach Junker nehmt mich doch mit ; ich kann meine Kiepe nicht tragen , « und vor ihm lief ein anderes Weib , die rief : » Folgt mir nur , ich zeig ' Euch den Weg . « Und das Weib hinter ihm saß bald auf dem Sattel in seinem Rücken , und umklammerte ihn mit ihren Armen , daß ihm der Athem verging , und das Weib vor ihm führte ihn durch Sumpf und Brüche , und er sah ihre Laterne und konnte sie doch nicht erreichen , bis sie dort an den Teufelssteinen stille stand und die Arme ausbreitete und rief : » Springt nur , Junker , ich helfe Euch runter . « Und da er sich im Sattel schwang , riß ihn die Andere hinab und er fiel . Die Frauen waren verschwunden , er lag auf den scharfen Steinen , und während er vor Schmerz wimmerte , lachte und kreischte und flatterte es auf wie hundert wilde Gänse , und die Eulen heulten im Walde . So wußten es die in der Küche ganz bestimmt und Keinem hätt ' ich rathen mögen , daß er daran zweifelte . » Er hat geseufzt , er lebt ! « stürzte Agnes in die Thorstube , wo der Verwundete jetzt lag , und ihr Auge strahlte vor Freude der Mutter entgegen , welche die Arme bepackt mit feinen , weichen Linnen aus dem Wohnhaus kam . Die Leinen kamen zu spät , die Stirn war schon verbunden , kalte Wasserumschläge waren gemacht , der Schmied aus dem Dorfe war auch schon da , aber er schüttelte den Kopf , was hier zu thun war , ging über seine Kunst . » Ach lieber Himmel , daß mir das nicht gleich einfiel , « rief die Edelfrau . » Schnell zu Pferd Einer nach Altenbrandenburg , er soll die Sporen nicht scheuen , zum Meister Hildebrand ! « Sie sah sich um nach einem guten Reiter . Auch das war schon besorgt . Der Bote ritt seit einer Viertelstunde . » Dechant , das ist brav von Euch , daß Ihr daran gedacht . « Der Dechant blickte abwehrend auf Agnes : » Das liebe Kind denkt und waltet , als wäre sie schon eine barmherzige Schwester . Da wird des Himmels Segen nicht ausbleiben . « » Agnes Du ! Ach heilige Mutter , mir fällt ein , der Hildebrand wird nicht in der Stadt sein . Reit Einer nach , er ist - « » Beim Vetter in Golzow , « fiel Agnes ein . » Er reitet auch über Golzow . Erst , wenn er ihn Nicht findet , soll er nach Brandenburg . « » Wen habt Ihr hingeschickt ? « fragte die Frau . » Hans Jürgen , « sagte leis Eva zur Mutter . Die wiegte etwas den Kopf : » Der Junge wird auch müde sein . ' S schadet aber nichts . Ein Nußbaum , der tragen soll , muß früh geschlagen werden . Die Vettern waren sich nimmer sehr gut . Schon als Kinder lagen sie sich in den Haaren . Nun wenn der Eine - der bessere , « entfuhr es ihr , aber sie unterdrückte die Stimme , - » wenn der dran glauben muß , dann hat der Andre den Trost , daß er ihm zuletzt noch einen Liebesdienst gethan . Mehr kann am End ' Keiner sagen , daß er für die Anderen that . Wir sind alle Kinder des Staubes , wir müssen Alle unter die Erde . « Sie wischte mit dem kleinen Finger eine Thräne aus dem Auge , Eva weinte laut , und Agnes weinte still . Da war das Zeichen gegeben . Wenn die Herrschaft weinte , durfte die Dienerschaft auch , es war sogar ihre Schuldigkeit , weinen . Sie weinten nicht still , sie schluchzten laut , sie drängten ihre Schürzen am Aug ' nach der Thorstube , den lieben jungen Herrn zu sehen , sie schrieen auf , wenn sie ihn sahen , und heulend stürzten sie fort , bis es durch das ganze Haus und die ganze Burg ein Geheul war um den Junker , der ein so lieber schöner Herr gewesen , und nun war er ein Krüppel , eine halbe Leiche , schlimmer als eine Leiche . Und wie viel gute Eigenschaften und Vorzüge kamen bei dieser Gelegenheit an dem grauen Tage von Einem zu Tage , von dem sie bis da gar nicht gesprochen , und wenn es geschah , schalten sie