wo es etwas zu thun galt . Und was soll jetzt werden ? fragte er den Sohn . Clara weiß es bereits , antwortete Eduard . Ich hatte ihr geschrieben , um Abschied von ihr zu nehmen . Ich war entschlossen fortzugehen , um ihr und mir die Trennung zu erleichtern . Ich wollte mich in der freien Größe der Natur verlieren , weil ich mir einen Augenblick vorspiegelte , ich würde irgendwo die Bande nicht fühlen , die mich an Clara binden ; die Ketten vergessen , unter denen die Juden seufzen . Der erste Schmerz ist trügerisch in jedem Sinne . - Dann kam Clara ' s Antwort ! - Er seufzte , und blieb eine Weile schweigend in seine Gedanken vertieft , darauf fuhr er fort : Sie will nicht , daß wir scheiden ; ihr sanftes Herz vermag es zu entsagen , sie hofft , in die Schranken ruhiger Neigung zurückzukehren , glücklich dabei sein zu können . Ich soll sie wiedersehen , bald , in wenig Tagen - und soll schweigen - wie ist das möglich ? Möglich , mein Sohn ! sagte der Vater , muß es sein , weil Clara es so will ; und das Einzige , was Du thun kannst , ist , Dich unbedingt in jeden Vorschlag zu fügen , den sie Dir macht , und von dem sie sich Beruhigung verspricht . Du fragtest mich neulich , Vater ! als wir über diesen Gegenstand sprachen : wohin soll das führen ? Ich gebe Dir heute die Frage zurück . Wohin soll die Pein führen , uns zu sehen und zu schweigen von Dem , was jeder Blick , jeder Gedanke uns dennoch verräth ? Zu einer nothwendigen Trennung , wenn Ihr nach Monden eingesehen haben werdet , daß der Instinkt der Jugend sich gegen jeden hoffnungslosen Zustand sträubt . Denn lösen , Eduard , mußt Du jetzt ein Band , das Clara an Dich bindet , ohne ihr die mindeste Aussicht auf Glück zu geben . Und mit diesem Bewußtsein soll ich sie sehen ? rief Eduard . Ich soll sie sehen und daran denken , sie zu lassen ? Sprich nicht von Dir , sagte der Vater ruhig , Du bist ein Mann ! Aber Clara ! was soll aus Clara werden ? fragte Eduard im Tone des tiefsten Schmerzes . William ' s Frau , wenn es irgend mit ihrer Neigung zu vermitteln ist , antwortete mit festem Ernst der Vater , und fuhr , ohne auf Eduard ' s Widerstreben bei dem Ausspruch zu achten , in seiner gewohnten Weise also fort : Der herbe Kelch , den uns das Leben bisweilen zu kredenzen liebt , muß ganz und schnell geleert werden , wenn wir uns das Leben nicht schwerer machen wollen , als es leider oftmals ist . Darum stehe ich keinen Augenblick an , Dir zu sagen , Clara ist für Dich verloren , sie fühlt sich in diesem Augenblick so unglücklich wie Du - vielleicht noch mehr - aber damit ist Euer Leben nicht beendet . Denn gerade dieses Mädchen vermag es , ihr Glück in Andern zu finden . Wenn sie William ' s Hand ausschlägt , zerfällt sie mehr und mehr mit ihrer Mutter . Die Deine kann sie niemals werden ; soll sie unaufhörlich den Vorwürfen einer herrschsüchtigen Mutter ausgesetzt bleiben , damit Dir der Schmerz erspart werde , sie mit einem andern Mann glücklich zu sehen ? Kann sie so schnell vergessen ? sprach Eduard im Tone des Zweifels , und schon bei dem bloßen Gedanken an die Möglichkeit erbangend : Kann sie das auch nur wollen ? Das hoffe ich , mein Sohn ! Nur Thoren verlangen Etwas , dessen Unmöglichkeit sie eingesehen haben . William ist brav und liebt seine Cousine , Clara hätte ohne Dein Dazwischentreten diese Liebe gewiß erwidert , und ich wünsche um ihretwillen lebhaft , daß sie noch jetzt , wenn auch mit Ueberwindung , sich zu dieser Ehe entschließt , in der ich allein Glück und Ruhe für sie erblicke , wenn Du sie und William , die Dir Beide als einem Freunde vertrauen , auf den rechten Standpunkt leitest . Nimmermehr ! rief Eduard . Es ist genug , daß ich sie verliere . Kannst Du glauben , daß ich , ich selbst sie in die Arme eines Andern führen werde ? Ich erwarte das von Dir , wie ich Dich kenne ! antwortete Herr Meier . Eduard konnte sich gegen die Wahrheit in den Worten seines Vaters nicht verblenden , so gern er es auch wollte . Er erkannte die edle strenge Gerechtigkeit des Greises , aber sein Gefühl empörte sich noch dagegen , als gegen eine Sünde an Clara selbst . Indeß der Vater ließ sich nicht erweichen . Er wollte gleich in dieser Stunde in seinem Sohne jeden möglichen Selbstbetrug ertödten . Er glaubte am sichersten jenem langwierigen , unbestimmten Hinsiechen der Seele vorzubeugen , wenn er die Wunde rasch nach allen Seiten hin untersuchte , sie tüchtig ausbluten ließ , und dann die Heilung der Zeit , und besonders dem Bedürfniß nach Glück überließ , das uns unbewußt antreibt , zu genesen , wenn ein geistiges Leid uns niedergeworfen hat . Denn wir sind zum Glück geschaffen , wir streben darnach , und erlangen es am sichersten , wenn wir uns durch keine falschen Hoffnungen täuschen lassen . Eine Weile saßen Vater und Sohn noch bei einander , dann schieden sie mit einem Händedruck und Eduard ging davon , um am Bette der Kranken Trost zu bringen , er , der dessen selbst noch so nöthig bedurfte . Also Adieu princesse ? Adieu plaisir ? sagte Steinheim zu Jenny , die auf dem Balkon unter Erlau ' s Anleitung spielend die Gegend aufnahm , welche vor ihren Augen lag . Sie wollte das Bildchen Reinhard schenken , ehe sie morgen auf das Gut hinausfuhren . Adieu gewiß , für ein paar Tage , antwortete sie , doch