. « » Sehen Sie , Ihr Freund fühlt sich glücklich ! das spricht für meine Ansicht . Wie heißt er denn ? kennt man ihn als Dichter ? « fragte Mario neugierig . » Man kennt ihn wol .... freilich nicht als Dichter , sondern - « » Nun ? sondern ? Sie sagten ja eben - « » Sondern als Dichterin . « » Also eine Frau ? « sagte Mengen gedehnt . » Ja , zum Unglück nur eine Frau , die Ihre Ansicht theilt , « sagte Faustine neckend . » Und warum nannten Sie diese Frau Ihren Freund ? « » Weil für mich das Genie geschlechtslos ist . Mag ein Fledermäuschen oder ein Titane schaffen - sein Genie ist mein Freund . « » Und trauen Sie mir nicht dieselbe Unbefangenheit zu ? « Faustine lachte herzlich . » Excellent ! haben Sie mir je Anlaß zu diesem Vertrauen gegeben ? Sie halten die Frau nicht der Begeisterung fähig und nicht der Leidenschaft : ist es möglich , ohne dieses zweischneidige Schwert sich Bahn zu brechen auf dem Pfade der Kunst ? Nein ! - Sie glauben gar nicht , daß das Genie mit einer Frau Mißheirath schließen , sich gleichsam an sie verplempern könnte . Es braucht eine Hülle sechs Fuß lang , tiefe Baßstimme , Collier grec , - darin hat es Raum . Ein Genie , ihr wunderlichen Herren , muß genau so aussehen wie ihr selbst ! Trüg ' es ein Musselinkleidchen , und das Haar aufgeflochten , ihr würdet ihm für euer Leben gern einen stattlichen schwarzen Bart malen , damit es doch ein klein wenig für seine Würde befähigt wäre ! - Nein , guter Mengen , wenn Ihnen das Genie eine Hand reicht , die halb so schmal ist als die Ihre , so machen Sie sicher nicht Ihren Freund daraus ! « » Möglich ! weil ich , wie gesagt , diese Leute am liebsten in gehöriger Entfernung beobachte und bewundere . In der Nähe findet man schwer den richtigen Gesichtspunkt , von wo sie betrachtet und beurtheilt sein wollen . Das macht und giebt Verwirrung . Ich liebe die Klarheit . « » Dann lassen Sie uns in den großen Garten gehen : da ist jetzt Alles von einer gespenstischen Klarheit . Der Himmel so blau , die Erde so weiß , das Eis so hell , die Bäume so nackt - o diese Klarheit , wie ist sie kalt ! « Sie schüttelte sich vor Graus und ging sich zum Spaziergang und zur Eisfahrt anzukleiden . Mengen sah ihr nach . Es war ihm , als ziehe ein Glanzstreif hinter ihren Schritten , wie Nachts im Mondschein auf dem Wasser hinter dem Schwan . Ich liebe die Klarheit , wiederholte er halblaut und setzte sich in tiefen Gedanken aufs Sopha . Was hält mich ab , bei ihr dahin zu gelangen ? Eine einzige Frage und Alles ist entschieden ! ... aber sie lacht mich aus , sprach sie gestern , wenn ich die Frage thue . Die Sonne ist auch nicht klar , doch licht , himmlisch licht , wie sie . - - Faustine war längst wieder eingetreten und in der Thür stehen geblieben , als sie seine sinnende Stellung wahrnahm . Er bemerkte sie nicht eher , bis sie fast schüchtern seinen Namen aussprach . Dann fügte sie hinzu : » Ich unterbreche ungern Jemand in seinen Gedanken , weil ich nicht weiß , aus welchem Eden ich ihn heimrufe . « » Fürchten Sie nichts ! Sie bringen es « - sagte Mario mit tiefer Innigkeit , sehr verschieden von dem scherzenden Ton , mit welchem er sonst wol ein huldigendes Wort zu sagen pflegte . Und so blieb er auch in den Stunden , die er mit ihr verbrachte . Beim Scheiden rief er : » Und nun vergehen fast vierundzwanzig Stunden , bis ich Sie wiedersehe ? « » Warum ? kommen Sie heut Abend zu Frau von Eilau - da werd ' ich sein . « » Ich kann nicht - ich habe nothwendig - « » So jammern Sie nicht ! « rief Faustine ungeduldig . » Ich werde kommen , « sagte Mario froh , denn er sah wol , daß seine Weigerung , nicht seine Klage sie verdroß , und Faustine lächelte eben so froh als er . Am Abend jedoch verging eine Viertelstunde nach der andern und Mario kam nicht zu Frau von Eilau . Anfangs war Faustine unmuthig , dann unruhig , endlich geängstigt . Zuerst schob sie dies unbebegreifliche Ausbleiben den Geschäften zu , darauf unvorhergesehenen Störungen , zuletzt irgend einem Unglücksfall . Sie dachte an Clemens , ob der sich nicht zu weiß Gott welcher Thorheit Mario gegenüber habe hinreißen lassen . Schauerliche Möglichkeiten tauchten vor ihr auf und umflorten ihren Blick . Sie sank im Sopha , und ihr Kopf auf die Lehne zurück . Seit einer Stunde wurde Musik gemacht , und zwar so gute , daß Niemand daran dachte , Conversation zu machen , welche durch mittelmäßige hervorgelockt wird , wie die Maus aus ihrem Versteck . So blieb Faustine ungestört und kaum beachtet . Aber die Musik schwirrte wie Mückengesumm in ihr Ohr . Sie war auf dem Punkte , die Gesellschaft zu verlassen , um wenigstens der Qual des Wartens in ihrem einsamen Zimmer überhoben zu sein . Da , ganz leise , um nicht zu stören , ging die Thür auf . Es war Mengen ; Faustine hatte aber schon so oft umsonst nach dieser Thür geschaut , daß sie entmuthigt nicht mehr die Augen aufschlagen mochte , und so saß sie ihm gegenüber , ganz blaß , die Wimpern so tief gesenkt , als wären sie geschlossen , um den Mund mühsam verhaltene Trauer - er konnte nicht anders als glauben , ein großer Unfall habe sie betroffen , und um ihr ein Zeichen zu geben , daß eine Freundesseele gegenwärtig , fiel