junges Mädchen mit Blumen beschäftigt . Sie kniete vor den Töpfen , in welche sie Samen und Sprossen senkte . » Mademoiselle ... « sagte er , und wollte den Auftrag der Rektorin ausrichten . Welche Überraschung für ihn , als sie sich wandte , erhob , und er das Hausmütterchen aus der Försterei erblickte ! Sie war es , Cornelie . Aber welche Verwandlung ! Aus dem Kinde war die Jungfrau geworden . Er stand , durch die unerwartete Begegnung aus der Fassung gebracht , verloren in den Anblick dieser reizenden Jugendblüte , und konnte kein Wort vorbringen . Sie dagegen schien von seiner Erscheinung nur erfreut zu sein , und begrüßte ihn mit holder Unbefangenheit . Er wollte sich erkundigen , wie sie hieher komme , als vom Hofe der Ruf der Rektorin nach ihr ertönte . Mit fliegenden Worten konnte er ihr nunmehr nur sagen , daß er unter fremdem Namen hier sei , daß auch sie ihn bei diesem nennen müsse , und die Wahrheit nicht verraten dürfe . Sie erschrak und flüsterte bestürzt : » Ach Gott , das wird mir schwer werden ! « Er faßte sie bei der Hand , und beschwor sie , ihm dennoch den Gefallen zu tun , es sei etwas ganz Unschuldiges . Die Rektorin trat in den Garten , Cornelie zog ihre Hand aus der seinigen , und eilte jener ängstlich entgegen . Hermann hatte sich vorgenommen gehabt , sogleich zum Edukationsrate zu gehn , fühlte sich aber nach diesem Vorfalle zu beunruhigt , und suchte das Freie , um sich zu sammeln . Die Gegend war die anmutigste , die man sich denken kann ; Hügel , mit dem frischesten Laubholze bestanden , liefen in sanften Linien bis beinahe an die Tore des Orts , der mit Ringmauer , Türmen und Graben , altertümlichen Ansehens , dazwischenlag . Hermann setzte sich auf eine Wiese , die von roten , gelben und weißen Blumen ganz bunt war , und genoß den Überblick . Ein Hirt , der in der Nähe stand , und dessen Ziegen und Schafe zwischen den Büschen umher grasten , trat zu ihm und sagte : » Wenn der Herr meinem Rate folgen will , so steht Er auf , die Stelle ist ungesund , Er kann den Schwindel dort bekommen . « Wirklich hatte Hermann ein leichtes Übelbefinden verspürt , als er sich niedergesetzt hatte . Es verlor sich , sobald er aufstand . » Woher wißt Ihr das , Landsmann « , fragte er den Hirten . Dieser versetzte : » Das Vieh frißt dort nichts , es geht in einem Bogen um die Stelle , wie Sie an den Kräutern sehn können . Ein Gift muß da in der Erde verborgen sein . « Hermann bemerkte , daß die Gräser an der Stelle unberührt üppig emporgeschossen waren , während ringsumher der Zahn der Tiere die Halmen abgenagt hatte . Er fühlte sich versucht , mit dem Hirten , der aus klugen Augen schaute , das Gespräch fortzusetzen , und erfuhr eine Menge von Ernten- und Wetterprophezeiungen . Als er seine Zweifel kundgab , und fragte , wie der Hirt das alles erfahren habe , versetzte dieser : » Es trifft doch zu . Die Leute in der Stadt sehn von ihren Fenstern immer nur auf die Straßen und gewahren höchstens ein kleines Stückchen Himmel , und da meinen sie , kein Tag sei dem andern gleich , und wenn sie das grüne Gemüse bekommen , verwundern sie sich , weil sie es nicht wachsen gesehen haben . Wir aber , die wir immer im Freien sind , merken , wie es mit Wolken und Wind , Wärme und Kälte und Wachstum steht , und ich versichre Sie , es geht jahraus jahrein immer in einem fort . Ich habe oft meine Gedanken , wenn die Herrn über die Erziehung , wie sie es nennen , sich streiten , und meine : Fragtet ihr den Hirten um Rat , der würde es euch sagen . « » Welche Herrn ? « » Der Herr Rektor , und der andre . Sie trinken ihren Kaffee zuweilen in meinem Baumgarten , weil sie von dort die schöne Aussicht , wie sie es nennen , haben , und ich muß ihnen das Feuer dazu besorgen . Sie haben immer ihr Gespräch , wie man die Kinder am besten in die Höhe bringen soll , und sie treffen es beide nicht . « » Wie würdet Ihr denn die Kinder erziehn , Freund ? « fragte Hermann . » Mehr wie das Vieh « , antwortete der Hirt . » Die Hauptsache bleibt das Waschen und Kämmen , das Füttern , und daß keins sich überfrißt . Für alles übrige sorgt der liebe Gott . Aus einem Schaflamme wird mein Tage keine Ziege , und aus einem Zickchen niemals ein Schwein . Aber soviel ich von den Worten der gelehrten Herrn verstehe , wollen sie immer auf dergleichen mit den Kindern hinaus . Da kommt der eine Herr eben mit seinen Söhnen . « Ein kleiner rascher Mann trat aus einem Hohlwege , gefolgt von vier bis fünf Knaben . Er stand auf der Wiese still , stützte sich auf seinem Stock , schaute umher und fragte dann den Hirten : » Was meint Ihr , Schäfer ? gibt es eine gute Ernte heuer ? « » Die Eichhörner haben noch nicht fertig gebaut , Herr Rat « , versetzte der Hirt ; » es läßt sich noch nicht sagen . « » Wie kann sich die Ernte nach dem Bauen des Eichhorns richten ? « » Wenn das Eichhorn sein Nest sehr dick baut , so gibt es Regen und kühle Witterung bis Fronleichnam , und danach kommt eine gute Ernte . Bauen sie dünn , so folgt Dürre und Trocknis und die Saat verbrennt in der Erde . « Hermann trat mit einer höflichen Verbeugung zum Edukationsrat , sagte ihm ungefähr das nämliche , womit