Hinchvoch näherte sich den Jungfrauen , und sagte , sich die Hände reibend , nach einigem Besinnen : Ihr liebwerthen und schönen Jungfrauen , wenn sich einmal der unvorhergesehene Fall ereignen sollte , daß dem Przemysl und dem Hinchvoch die Wlasta und die Stratka gefielen , so könnte es wohl geschehen , was ihr uns ansinnet . Da man aber nicht wissen kann , wann dieser Fall eintreten möchte , so laßt euch bis dahin Gutes gerathen sein , und thut , wie die andern Mägde im Lande , und spinnet und stricket , nähret euch redlich und betet zu den Göttern . Denn was seid ihr Besseres ? Aber gedenkt auch zu euerm Trost daran , daß sich bisweilen selbst unvorhergesehene Fälle ereignen . Nach dieser Rede entließ er die Jungfrauen , die alle in schweigendem Zorn von dannen gingen . Sie schlichen betrübt einher , wie geschorene Lämmer , und getrauten sich kaum einander selbst anzusehen . Sie sprachen kein Wort zusammen auf dem ganzen Rückwege , und nicht einmal ein Seufzer schlich sich aus der gepreßten Brust hervor . Als sie so in stummer Reihe bei dem Berg Widowle anlangten , kamen ihnen die andern Mädchen schon von fern fragend entgegengesprungen . Aber Budeslawka winkte ernst mit der Hand , und bedeutete sie , still zu sein . Dann erzählte sie mit einer Stimme , die wie gemessenes Grabgeläute klang , welche schnöde Antwort den Jungfrauen zugetheilt worden sei . Als Wlasta dies hörte , warf sie sich lautschreiend an die Erde nieder , und brüllte wie eine Löwin , welche des Jägers Schuß ins Herz getroffen . Sie zerraufte sich das wunderschöne Haar , und jammerte , daß sie diese Schande nicht überleben werde . Die schmachtende Stratka weinte bloß helle Thränen , und faßte ihre Freundin in die Arme , um sie an ihrem Busen zu trösten . Aber Wlasta wollte von keinem Trost hören , sie schlug bald auf mit donnernden Tönen einer wuthentbrannten Seele , bald wimmerte sie in sich hinein wie eine sterbende Nachtigall . Dann ward sie ganz still , während sich die andern Jungfrauen in schmerzlicher Theilnahme um sie her drängten . Nachdem sie eine Zeitlang so gelegen , ihr herrliches Antlitz der Erde zugekehrt , erhob sie sich plötzlich wieder , und stellte sich aufrecht in ihrer strahlenden Gestalt vor die Freundinnen hin . Ihre Augen leuchteten , wie zuckende Blitze , in ihrem hochgehobenen Arm bewegte sich , wie zum Kampf , die empörte Muskelkraft . Auf , auf , zur Rache , ihr Schwestern ! rief sie aus . Zur Rache an allen Männern ! Kein einziges dieser Ungeheuer darf am Leben bleiben , so lange wir böhmischen Mägde walten in diesem Lande ! Zur Rache , zu den Waffen ! Jede suche sich ihre Waffe , damit wir gerüstet sind ! Schlaget todt , schlaget todt , jeden Mann schlagt todt ! Zu den Waffen , zu den Waffen ! Jetzt will ich euch sagen vom freien Weibe , was es ist ! Das freie Weib ist die Amazone , die gegen die Männer sicht ! Die Amazone , mit Schwert und Bögen und Pfeil , ein freies Weib ! Sie ist unabhängig , sie streitet für ihre Freiheit gegen die Männer ! Darum auf , zur Rache , zu den Waffen ! Die Amazone , mit Schwert und Bogen und Pfeil , ein freies Weib ! Da jubelten und jauchzten alle die böhmischen Jungfrauen , und im ganzen Kreise hallte und schallte es , daß der Berg erzitterte : » Zur Rache , zu den Waffen ! Die Amazone , mit Schwert und Bogen und Pfeil , ein freies Weib ! « Und sie ordneten sich in Schaaren , und beschlossen , noch in derselbigen Nacht die Veste Motol zu stürmen , um sich darin zu verschanzen . Wlasta , der Mägde hochherzige Führerin - - - * * * - Doch hier , o Heilige , muß ich wahrlich abbrechen ! Vielleicht schreibe ich Dir den Rest ein anderes Mal auf , vielleicht auch nicht . Du mußt bedenken , ich sitze im Wirthshause . Und wer hat in den Wirthshäusern dieses Lebens Zeit und Ruhe , ein Kunstwerk zu schaffen ? Ich mindestens nie , mit meiner flatterhaften Muse , die so wenig reelles Sitzfleisch jetzt hat . Also gehe ich lieber spazieren , da ich einmal auf der Reise bin . Ich habe Dir jedoch wenigstens die Exposition zu dem böhmischen Mägdekrieg gegeben , wie ich ihn mir denke , und ich wundere mich recht , daß alle bisherigen Bearbeiter dieser Geschichte , sowohl der an manchen lyrischen Schönheiten reiche Karl Egon Ebert , als auch van der Velde in seiner bekannten Novelle , die eigentlichen Motive dazu , wie ich sie aufgefaßt , so ganz verkannt haben . Du mußt Dir nun aber weiter denken , wie sich aus diesem kühnen Beginnen der Mägde der blutigste Krieg entsponnen , welcher einige Jahre lang das ganze Land verheerte ; wie allmählig alle Frauen im gesammten Reiche Partei ergriffen wider ihre Männer , und den öffentlichen Kampf der Jungfrauen durch kleines häusliches Gewehrfeuer unterstützten ; wie alle Morgen Männer , welche die Oberherrschaft des Weibes nicht anerkannten , ermordet im Bette gefunden wurden ; wie die kriegerischen Jungfrauen , nachdem sie sich lange auf der Veste Motol verschanzt , sich endlich ein eignes Schloß erbauten , das berühmte Schloß Diewin ( von diewicze , die Jungfrauen ) , weil es ganz von jungfräulicher Hand erstanden , und kein Mann auch nur einen Stein zu seinem Bau getragen ; wie in diesem Mägdeschloß die Jungfrauen einen eignen Staat errichteten , und sich in allen ritterlichen und männlichen Künsten , bald mit dem Speer , bald mit dem Bogen , bald zu Roß , bald zu Fuß , beherzt und geschickt übten und ausbildeten ; wie von Przemysl und seinen Schaaren das Schloß Diewin vergeblich belagert und bekriegt wurde ; wie die Mägde viele und