so vor den Ohren ; - ich konnte nicht schlafen , - ich wollte stilliegen ; - da hörte ich in den gewundenen Säulen der Bettstelle die Totenwürmchen picken ; eins nach dem andern legte los , wie geschäftige Gesellen in einer Waffenschmiede . - Ich muß mich schämen vor Dir ; - ich fürchte mich zuweilen , wenn ich so allein bin in der Nacht und ins Dunkel sehe ; es ist nichts , aber ich kann mich nicht dagegen wehren ; dann möcht ich nicht allein sein , und bloß darum denke ich manchmal , ich müsse heiraten , damit ich einen Beschützer habe gegen diese verwirrte angstvolle Gespensterwelt . Ach Goethe ! - nimmst Du mir das übel ? - Ja , wenn der Tag anbricht , dann bin ich selbst ganz unzufrieden über solche alberne Verzagtheit . - Ich kann in der Nacht gehen im Freien und im Wald , wo jeder Busch , jeder Ast ein ander Gesicht schneidet ; mein wunderlicher der Gefahr trotzender Mutwille bezwingt die Angst . - Draußen ist es auch was ganz andres , - da sind sie nicht so zudringlich ; man fühlt das Leben der Natur als ewiges göttliches Wirken , das alles und einem selbst durchströmt ; - wer kann sich da fürchten ? - Vorgestern auf dem Rochus in tiefer Nacht allein , da hörte ich den Wind ganz von weitem herankommen ; - er nahm zu in rascher Eile , je näher er kam , und dann grade zu meinen Füßen senkte er die Flügel sanft , ohne nur den Mantel zu berühren , kaum , daß er mich anhauchte , mußte ich da nicht glauben , er sei bloß gesendet , um mich zu grüßen ? - Du weißt es doch , Goethe , Seufzer sind Boten ; Du säßest allein am offnen Fenster , am späten Abend , und dächtest und fühltest die letzte Begeisterung für die letzte Geliebte in Deinem Blut wallen ; - dann unwillkürlich stößt Du den Seufzer aus , - der macht sich augenblicklich auf den Weg und jagt , - Du kannst ihn nicht zurückrufen . Irrende Seufzer nennt man , die aus unruhiger Brust , aus verwirrtem Denken und Wünschen entspringen ; aber ein solcher Seufzer aus mächtiger Brust , wo die Gedanken , in schöner Wendung sich verschränkend , auf hohen Kothurnen die taugebadeten Füße in heiligem Takte bewegen , von schwebender Muse geleitet ; - ein solcher Seufzer , der Deinen Liedern die Brust entriegelt , - der schwingt sich als Herold vor ihnen her , und meine Seufzer , lieber Freund ! - zu Tausenden umdrängen sie ihn . Heute nacht nun hab ich mich grausam gefürchtet , - ich sah nach dem Fenster , wo es hell war , - ich wär so gern dort gewesen ! Ich war auf mein fatales Erblager aus dem vorigen Jahrhundert , in dem Ritter und Prälaten schon mögen ihren Geist ausgehaucht haben und ein Dutzend kleiner Meister vom Hammer , alle emsig , pochten und pickten , fest gebannt . Ach , wie sehnt ich mich nach der kühlen Nachtluft . - Kann man so närrisch sein ? - Plötzlich hatte ich ' s überwunden , ich stand mitten in der Stube . Auf den Füßen , da bin ich gleich ein Held , es soll mir einer nah kommen , - ach , wie pochten mir Herz und Schläfe ; die vierzehn Nothelfer , die ich aus alter Gewohnheit vom Kloster her noch herbeirief , sind auch keine Gesellschaft zum Lachen , da der eine seinen eignen Kopf , der andre sein Eingeweide im Arm trägt und so weiter . Ich entließ sie alle zum Fenster hinaus . Und du magischer Spiegel , in dem alles so zauberisch widerscheint , was ich erlebe , was war ' s denn , was mich beseligte ? - Nichts ! - Tiefes Bewußtsein , Friede atmen , - so stand ich am Fenster und erwartete den anbrechenden Tag . - Bettine Am 24. Juli Über Musik lasse ich Dich nicht los . Du sollst mir bekennen , ob Du mich liebst , Du sollst sagen , daß Du Dich von ihr durchdrungen fühlst . Der Schlosser hat Generalbaß studiert , um ihn Dir beizubringen , und Du hast Dich gewehrt , wie er sagt , gegen die kleine Sept , und hast gesagt : » Bleibt mir mit eurer Sept vom Leibe , wenn ihr sie nicht in Reih und Glied könnt aufstellen , wenn sie nicht einklingt in die so bündig abgeschloßnen Gesetze der Harmonie , wenn sie nicht ihren sinnlich natürlichen Ursprung hat so gut wie die andern Töne « , - und Du hast den verdutzten Missionar zu Deinem heidnischen Tempel hinausgejagt und bleibst einstweilen bei Deiner lydischen Tonart , die keine Sept hat . - Aber Du mußt ein Christ werden , Heide ! - Die Sept klingt freilich nicht ein , und ohne sinnliche Basis ; sie ist der göttliche Führer , Vermittler der sinnlichen Natur mit der himmlischen ; sie ist übersinnlich , sie führt in die Geisterwelt , sie hat Fleisch und Bein angenommen , um den Geist vom Fleisch zu befreien , sie ist zum Ton geworden , um den Tönen den Geist zu geben , und wenn sie nicht wär , so würden alle Töne in der Vorhölle sitzenbleiben . Bilde Dir nur nicht ein , daß die Grundakkorde was Gescheuteres wären als die Erzväter vor der Erlösung , vor der Himmelfahrt . Er kam und führte sie mit sich gen Himmel , und jetzt , wo sie erlöst sind , können sie selber erlösen , - sie können die harrende Sehnsucht befriedigen . So ist es mit den Christen , so ist es mit den Tönen : ein jeder Christ fühlt den Erlöser in sich , ein jeder Ton kann sich selbst zum Vermittler , zur Sept erhöhen und da das ewige Werk der Erlösung aus dem Sinnlichen