sie beteuerte , sich unschuldig zu wissen , sie rief mich zürnend zum Zeugen auf . Ich war hingerissen von diesem Zauber der Liebe , der sich mir hier zum erstenmal in seiner ganzen Schönheit darstellte . Es ist etwas Schönes um ein Mädchen , das in sanfter , stiller Liebe ist , es ist etwas Heiliges , möchte ich sagen . Aber der Schmerz inniger Liebe , das Zittern zärtlicher Angst , und diese Tränen in den blauen Augen , dieses Flüstern der süßesten Namen von den feinen Lippen , und diese Röte der Angst und der Beschämung auf den zarten Wangen , es ist ein Bild , irdischer zwar als jenes , aber von einer hinreißenden Gewalt . « » Ich kenne das « , unterbrach ich diese rednerischen Schilderungen des verliebten Berliners , dem die Dame seines Herzens in jeder neuen Form wieder lieblicher schien , » ich kenne das , so was Heiliges , so was Weinendes , Madonnenartiges , Grazienhaftes , Süßes , Bitterschmerzliches , kurz so was Klagendes , Anziehendes , ich kenne das ; aber wie war es denn mit dem zornigen Patron , der Euer Wohlgeboren so ähnlich ? « » Er glaubte ihren Versicherungen nicht , war es Eifersucht , war es sein leidenschaftlicher Zorn , den er nicht bemeistern konnte , er stieß sie zurück , er drohte , sie nie mehr zu sehen . Das Mädchen setzte sich weinend auf ihren Stuhl . Die tobende Freude der Römer an dem Pferderennen , ihr Jauchzen , ihr Rufen stand in schneidendem Kontrast mit dem stillen Schmerz dieses Engels . Ich fühlte inniges Mitleid mit ihr , ich fühlte mich tief verletzt , daß ein Mann , eine Dame , ein Liebender , die Geliebte so schnöde beleidigen könne . Mein Herr , sagte ich , das Wort eines Mannes von Ehre kann Sie vielleicht überzeugen , daß die Schuld dieser Szene allein auf mir ruht . Eines Mannes von Ehre ? rief er höhnisch lachend ; so kann sich jeder Tropf nennen . Jetzt glaubte ich die Formen der gesellschaftlichen Höflichkeit nicht weiter beobachten zu müssen . Ich gab ihm ein wohlbekanntes Zeichen , flüsterte ihm meinen Namen , die Nummer meines Hauses und die Straße zu , in welcher ich wohnte , und verließ ihn . Es waren widerstreitende Gefühle , die in meiner Brust erwachten , als ich zu Haus über diesen Vorfall nachdachte . Ich mußte mir gestehen , daß ich unbesonnen , töricht gehandelt hatte , die Rolle eines andern bei diesem Mädchen zu übernehmen . Es ist wahr , der Zufall war so überraschend , die Gelegenheit so lockend , ihre Erscheinung so reizend , so anziehend , daß wohl keiner der Versuchung widerstanden hätte . Aber mußte mich nicht schon der Gedanke zurückschrecken , daß es ihr bei dem Geliebten schaden könnte , traf er uns beide zusammen ? in welch ungünstigem Lichte mußte ich , mußte auch sie ihm erscheinen ! Und doch - wo ist der Mensch , der nicht in einem solchen Falle sich vor sich selbst zu entschuldigen wüßte ; ich fühlte , daß ich dieses unbekannte , reizende Wesen liebe , und wie leicht entschuldigt Liebe ! und weil ich sie liebte , haßte ich den begünstigten Mann . Er war ein Barbar in meinen Augen ; wie konnte er die Geliebte so grausam behandeln ; wie durfte er , wenn er sie wahrhaft liebte , an ihrer Tugend zweifeln , und wer , der jemals in dieses treue , seelenvolle Auge gesehen , wer konnte an der Reinheit dieses Engels zweifeln ? Am Morgen nach dieser Begebenheit bekam ich einen italienischen , schlechtgeschriebenen Brief , er enthielt die Bitte einer Signora Maria Campoco dem Überbringer des Briefes in ihr Haus zu folgen , wo sie mir etwas Wichtiges zu sagen habe . Ich kannte keine Dame dieses Namens , ich fragte den Diener nach der Straße , er nannte mir eine , von welcher ich nie gehört hatte . Eine Ahnung sagte mir übrigens , dieser Brief könnte mit meinem Abenteuer von gestern zusammenhängen ; ich entschloß mich zu folgen . Der Diener führte mich durch viele Straßen in eine Gegend der Stadt , die mir völlig unbekannt war . Er beugte endlich in eine kleine Seitenstraße , ein Brunnen , eine Madonna von Stein fiel mir ins Auge , es war kein Zweifel , ich befand mich an dem Haus , wohin ich Luisen aus den Lamentationen begleitet hatte . Es war ein kleines unscheinbares Haus , dessen Türe der Diener aufschloß ; über einen finstern Gang , eine noch dunklere Treppe , brachte er mich in ein Zimmer , dessen Eleganz nicht mit dem übrigen Ansehen des Hauses übereinstimmte . Nachdem ich eine Weile gewartet hatte , erscholl das Klaffen vieler Hunde , die Türe öffnete sich - aber nicht meine Schöne , sondern eine kleine , wohlbeleibte , ältliche Frau trat , umgeben von einer Schar kleiner Hunde , ins Zimmer . Es dauerte ziemlich lange , bis Tasso , Ariosto , Dante , Alfieri und wie die Kläffer alle hießen , über den Anblick eines fremden Mannes beruhigt waren , und die kleine Dame endlich zum Wort kommen konnte . Sie sagte mir sehr höflich , sie habe mich rufen lassen , um wegen einer Angelegenheit ihrer Nichte , Luise von Palden mit mir zu sprechen . - Das Verlangen , das schöne Kind wiederzusehen , mich bei ihr selbst zu entschuldigen , gab mir eine Notlüge ein : ich fragte sie in so miserablem Italienisch , als mir nur möglich war , ob sie Französisch oder Deutsch verstehe ? Sie verneinte es , ich zuckte die Achsel und gab ihr mehr durch Zeichen als Worte zu verstehen , daß ich der italienischen Sprache durchaus nicht mächtig sei . Sie besann sich eine Weile , sagte dann , ich könne in ihrer Gegenwart mit ihrer Nichte sprechen , und entfernte sich . Wie schlug