. » Erschrick nicht vor mir , meine Gabriele , « sprach eine liebe bekannte Stimme , ein paar Arme breiteten sich aus , und Gabriele sank mit einem freudigen Schrei an das treue Herz ihrer Dalling . » Kehrt denn alles , alles heute wieder , was früher mich beglückte ? auch du , auch du ? « rief sie im frohen Taumel des Wiedersehens , während Frau Dalling mit Erstaunen die unglaubliche Veränderung bemerkte , die in der kurzen Zeit mit Gabrielen vorgegangen war . Statt des kaum der Kindheit entwachsenen , bleichen Mädchens , welches sie verlassen hatte , fand sie jetzt Augustens , ihrer Mutter , verklärtes , verschönertes Bild in der Pracht eben erblühender Jungfräulichkeit und wußte kaum , wie sie es anfangen solle , um Gabrielen mit aller der mütterlichen Liebe zu umfangen , die sie im Busen trug , ohne doch die Ehrfurcht zu verletzen , welche diese hohe , schöne Erscheinung von ihr zu fordern berechtigt schien . Während die beiden wieder Vereinten im ersten freudigen Taumel ein fast unverständliches Gespräch mit einander führten und Fragen und Antworten auf die wunderlichste Weise durch einander wirrten , kehrten auch Ernesto , Frau v. Willnangen und Auguste aus der Gesellschaft wieder nach Hause . Niemand hatte an diesem Abende sonderliche Freuden gefunden . Was der General vorher gesagt hatte , war zum Theil eingetroffen , überall hatte es an jemanden gefehlt , der es übernehmen wollte , durch innern Zusammenhang diese Versammlung zu einer Gesellschaft zu bilden . Einige der Anwesenden waren in stummer Unbehülflichkeit neben einander stehen geblieben , andre hatten sich mit ihren Bekannten flüsternd berathen , was denn eigentlich hier vorgehen solle , nur wenigen war der feinere geselligere Zweck dieser Zusammenkunft klar geworden , und diese wenigen hatten sich sogleich dem eigentlichen Kreise der Frau von Willnangen anzuschließen gesucht , ohne sich um die weiter zu bekümmern , welche sich in verlegner oder stolzer Entfernung hielten . Ungeduld trieb endlich den Kapellmeister an das verstimmte Fortepiano , Allwill brachte in der Noth gesellige Spiele in Vorschlag , zuletzt wurden glücklicherweise die Musikanten von der ungewohnten Erleuchtung herbeigezogen und spielten ein paar Walzer auf , mit denen die geselligen Freuden dieses Abends sich endigten . Jubelnd und fröhlich , wie ein Kind , führte Gabriele die sorgsame , treue Pflegerin ihrer ersten Jugend ihren Freunden zu , und war nun doppelt froh , bei jenem verunglückten Versuche zur Beförderung der Geselligkeit nicht gegenwärtig gewesen zu seyn . Ein Unglück weissagendes Gefühl ergriff Frau von Willnangen , als sie Frau Dalling erblickte , aber sie schwieg davon , denn sie sah deutlich , wie es Gabrielen noch gar nicht eingefallen war , daß diese ihr so liebe Erscheinung ihr dennoch unheilbringend seyn könne . Auch Frau Dalling schien über das Wiedersehen ihres theuren Kindes den eigentlichen Zweck ihrer Sendung ganz vergessen zu haben . Sie konnte kein Auge von Gabrielen wenden . In der einen Minute schalt sie sich , daß sie die zu ihrer Gebieterin herangewachsene Jungfrau noch immer wie ein Kind behandle , in der nächsten nahm sie sie wieder liebkosend an ihr Herz und nannte sie mit allen den tändelnden Namen , die sie ihr sonst gegeben hatte , als sie sie noch auf ihren Armen trug . So verging die übrige Abendzeit . Frau Dalling ward späterhin sichtbar ernst , wie jemand , dem etwas trauriges , das er vergaß , plötzlich wieder einfällt ; aber ein bittender Wink der Frau von Willnangen bestimmte sie , ihren Liebling noch diese Nacht dem ungestörten Schlummer zu überlassen , dessen Gabriele nach den mannigfaltigen Begegnissen des Tages augenscheinlich höchst bedürftig war . Erst nachdem diese mit Augusten das Zimmer verlassen hatte , um sich zur Ruhe zu begeben , kam der eigentliche Zweck zur Sprache , welcher Frau Dalling nach Karlsbad geführt hatte . Frau v. Willnangen hatte in ihren Vermuthungen nicht geirrt , sie kam , um Gabrielen auf das schleunigste zu ihrem Vater zu geleiten , der ohne eigentlich gefährlich krank zu seyn , doch höchst ängstlich nach seiner Tochter verlangte . Kurze Zeit vor der Ankunft der Frau Dalling in Karlsbad saß der Baron Aarheim um Mitternacht ganz allein in seinem Laboratorium , so wie er es seit vielen Jahren gewohnt war . Sein starrer Blick ruhte bald auf den Retorten , Gläsern und Tiegeln , welche im Ofen am Feuer standen , bald auf mago-kabbalistischen Figuren , die er an der Wand gezeichnet hatte , und aus denen er den Stand der Sterne , und ob es an der Zeit sey , ersehen zu können glaubte . Alles sagte ihm , es sey an der Zeit , die Stunde der Vollendung sey gekommen , und ein leises Flüstern und Knistern um ihn her bestärkte ihn in diesem Glauben , während es sein zitterndes Erwarten fast bis zur Bewußtlosigkeit steigerte . Nur nichts vergessen ! nur nichts vergessen ! mußte er immerfort innerlich mit wahrer Todesangst wiederholen , während er mit bebenden Lippen unverständliche Formeln stammelte , durch welche er die Elementar-Geister zu bändigen oder zu gewinnen gedachte . Unverwandt blickte er jetzt die Gluth im Ofen an , die Flammen regten sich lustig , er sah wunderliche Gestalten in ihnen spielen . Langbärtige Menschengesichter nickten ihm aus dem Feuer zu und verzogen sich dann grinsend zur gräßlichsten Unform , bis sie in Dampf sich auflösten ; glänzend geringelte , blaue und grüne Schlangen wanden sich hoch empor und reckten die langen , feuerrothen , dreigespitzten Zungen nach allen Seiten aus , immer höher und höher . Aber über alles sah er ein einziges , riesig großes Greisenhaupt sich erheben , mit einem langen , schneeweißen Bart und einer wie Rubin glühenden Krone . So wie der Baron diese Gestalt gewahrte , ward es ihm unmöglich , den Blick von ihr abzuwenden ; sein Haar sträubte sich in der Angst , mit welcher er sich bemühte , an alles , für diese Stunde in seinen Büchern Vorgeschriebne