strebte , indem sie jene Blumen , so wie das Geheimnis ihrer Herkunft blos ihrer Zudringlichkeit , nicht Erna ' s Geringschätzung seiner Gabe verdankte . Seitdem hatte er weder Mutter noch Tochter eines Wortes wieder gewürdigt , und mit kalter Höflichkeit ihre zuvorkommende Begrüßung erwiedernd , ging er auch jetzt stumm an ihnen vorüber . Wie erstaunte er aber , als er die Gräfin in der lebhaftesten Gemüthsbewegung , und zugleich im Begriff , auszugehen fand . Ah , sind Sie es ? rief sie ihm entgegen , nun Gott sei Dank , so erhalte ich wohl früher als durch mich selbst Aufschluß über die räthselhaften Begebenheiten , die mich quälen , und an die ich nicht eher glauben kann , bis ich sie auf eine Art bestätigt höre , die mir keinen Zweifel mehr gestattet . Was macht Erna ? Das eben glaubt ' ich von Ihnen zu erfahren , erwiederte Alexander , ich sah sie lange nicht . Und auf welche Weise sahen Sie sie zuletzt ? unterbrach ihn die Gräfin , ihre heftig gereizte Lebhaftigkeit nicht mehr im Zaume haltend . Man sagt , wie mir eben Lahnbergs erzählten , daß Linovsky sie kürzlich in einem tête à tête mit einem Liebhaber überrascht , und sogar entdeckt habe , daß sein unschuldiger dreijähriger Knabe bereits als Postillon d ' amour gebraucht worden sei - daß er , Mutter und Kind mishandelnd , auf Scheidung sinne , und öffentlich dem fluche , der , das heilige Recht der Freundschaft misbrauchend , ihm seinen Himmel stahl . Wie vom Blitz getroffen , stand Alexander stumm und starr , bis er in namenlosem Schmerz erbebte . Denn nicht nur die Ruhe , auch den Ruf der angebeteten Frau verunglimpft zu sehen , die so engelrein vor seiner Seele stand , raubte ihm den letzten Rest des inneren Friedens , der sich auf den Glauben stützte , daß wenigstens der Schleier des tiefsten Geheimnisses , ihrem Zartgefühl so wohlthätig , den Mangel ihres häuslichen Glücks bedecke . Man sagt ! fuhr er stürmisch auf , dies heillose Wort ist die giftigste Natter des geselligen Lebens , der feige Hinterhalt der Verläumdung , die die eigenen Erfindungen unter dieser Aegide dreist verbreitet . Daß sehr Viele einem solchen : man sagt , blinden Glauben beimessen , wundert mich nicht . Aber wie konnten Sie , Gräfin , einem bloßen feindseligen Gerücht Ihr Ohr leihen , und an Ihrer Freundin zweifeln ? Ich zweifele nicht an ihrem Werth , versetzte die Gräfin , aber - ungern spreche ich es vor einem Herrn der Schöpfung aus , was ein feiner Menschenkenner schon vor Jahrhunderten von der Mehrzahl meines Geschlechtes behauptete : Gebrechlichkeit , dein Nam ' ist Weib ! - Eine frühe Jugendliebe , die unter der Asche um so beharrlicher fortglimmt , da sie nicht in lichten Flammen auflodern durfte , eine misvergnügte Ehe , nur von der Vernunft , nicht vom Herzen geschlossen - grundlose , und darum eben doppelt ermüdende , doppelt beleidigende Eifersucht , die der Gemarterten jeden freien Aufblick ins Leben wehrt - alles dies kann wohl am Ende selbst einen Engel von seinen himmlischen Höhen auf eine glatte irrdische Bahn herabführen , auf der das Straucheln so leicht ist . Und so viel ist unbezweifelt wahr , daß man Erna sehr krank zur Stadt brachte - freilich unter dem Vorwand , dem Arzte näher zu seyn . Aber aus vielen einzelnen Umständen läßt sich doch mit Sicherheit auf ein Misverständnis , wo nicht auf eine gänzliche Entzweiung zwischen ihr und Linovsky schließen . Diese Nachricht beraubte Alexandern seiner ganzen Fassung . Die Maske indifferenten Gleichmuths , hinter welcher er strebte , zu verbergen , was in seiner Seele vorging , entfiel ihm , und weder die Gluth seiner Neigung , noch seine Angst mehr verhehlend , beschwor er die Gräfin , nachdem er ihr den wahren Vorgang der Sache mitgetheilt hatte , ihm hülfreich zu seyn , und ihm Kunde von Erna ' s wirklichem Zustande zu verschaffen . Eigentlich sollt ' ich mich zu nichts verpflichten , sagte sie , da ich Ihr Vertrauen nur dem Schrecken und der Ueberraschung verdanke . Ich will es jedoch so genau nicht nehmen , und da mich selbst darnach verlangt , mich von dem Befinden der armen Kreuzträgerin zu überzeugen , so erwarten Sie hier meine Zurückkunft , und lassen Sie mich jetzt sogleich meinen schon früher gehabten Vorsatz , sie zu besuchen , ausführen . Sie eilte bei diesen Worten hinweg , und allen Martern der Ungewisheit Preis gegeben , blieb Alexander zurück . XVII Zwischen Furcht und Hoffnung schwankend , hörte er nach einer quaalvoll durchseufzten Stunde den Wagen der Gräfin zurückkommen . Er trat ihr bis ins Vorzimmer entgegen , aber dort , wo er sie von ihren Leuten umgeben fand , durfte er sich keine andere Frage erlauben , als die , die sein forschender Blick an ihre schmerzlich ergriffenen Züge und an die Spuren der Thränen that , die er in ihren Augen bemerkte . Endlich waren sie allein , und nun warf sich die Gräfin erschöpft und weinend in den Sopha . Es ergreift mit doppelter Gewalt , wenn man Menschen , die sonst stets die scherzhafte Seite des Daseyns auffassen , und nur dem Frohsinn und dem Lachen sich gewidmet haben , plötzlich von tiefer Betrübnis durchdrungen sieht . Wie um so heftiger erschütterte es jetzt Alexandern , die Gräfin so zu erblicken , da ihr Schmerz ihm auch ohne Worte das Todesurtheil der Geliebten zu verkünden schien . Reden Sie , rief er mit dem Ungestüm der namenlosesten Seelenmarter , sprechen Sie das Entsetzliche nur aus ! Erna - ich ahne es - ist verloren - sie ist todt . Nein , versetzte die Gräfin , sich sammelnd , noch ist sie es nicht , aber bald , fürchte ich , wird die Vermuthung Ihrer Furcht wie eine prophetische Weissagung sich bestätigen . Ich habe sie sehr krank gefunden , und