junges Kind , mein zartes auserwähltes Kind , stehe fest in Gott , denn er lässet Dich nicht . 6. Die Mohrin an den Einsiedler Heiliger Vater ! Ich bin demütig und meine Freude ist , allen zu dienen , und doch werde ich verschmähet . Wie können sie mich verachten , da Ihr mich gewürdigt habt der Lehre . Bei der Pfingstprozession traf mich die Reihe ein Fähnlein zu tragen , mit dem Bilde Mariens geschmücket , aber die weißen Schwestern rissen mir die Fahne aus der Hand und ich - wie eine Aussätzige mußte ich hinterher allein gehen , denn auch Therese hatte sich da einer anderen gesellt . Und ich konnte vor Scham nicht rot werden , daß sie ein sichtbar strafend Zeichen ihrer Bosheit sähen ; ich bin schwarz und von Gott zur Nacht verstoßen . Heiliger Vater , wie bedarf ich so sehr Eures Trostes , daß ich auch hier nicht tauge , wo ich meinte selig zu werden ; ich muß weinen um andrer Leute Stolz ; ist das nicht Hochmut ? Ich habe an Euch und an den himmlischen Bräutigam zu denken , und denke immer meiner Mitschwestern , und zwinge mich wohl , für sie zu beten , aber mein Herz wird vom Zorne überwältigt ; umsonst geißle ich mein Fleisch - ich hatte einen schlimmen Herren auf der Insel - es ist zu gewohnt der Schläge und fühlt sie nicht mehr . Hörte ich nur ein Wort von Euch , heiliger Vater , so würde ich ruhig sein . 7. Der Einsiedler an die Mohrin Die Töchter Jerusalems hatten ein Angaffen , daß König Salomos auserwählte Frau schwarz war , und ihm doch wohl unter vierzig und hundert Frauen die liebste . Da antwortete sie ihnen jugendlich : » Ich bin schwarz , aber gar schön wie die Teppiche im Tempel . « - Liebe schwarze Tochter , mir ist lieber eine gnadenreiche Schwarze , denn der Schein einer gnadenlosen Weißen ; wer sich auf der himmlischen Heide ermaiet hat , der achtet nicht viel auf das zeitliche Maiengewand . Mein Kind , mein Kind , werden Dir auch meine Worte was helfen , da Dein Auge voll Wasser , Dein Herz voll Zornes ist . Lieber Gott , es ist so leicht zu sprechen und raten , es tut aber gar wehe , ein Gegenwärtiges zu empfinden . Ach mein Kind , ich muß Dir eines erzählen , daß Du Deines Leides vergessest . Siehe , es geschahe einmal , da war ich in großen verschmäheten Leiden , da saß ich in meiner Zelle und sahe einen Hund , der lief mitten in den Kreuzgang und schleifte da ein Gebetbuch , und warf es nieder und biß darein und spielte damit . Also , liebes Kind , war ich in der Brüder Mund . Das Gebetbuch läßt sich behandeln , wie es der Hund will , aber ich erkannte es und nahm es auf und legte es in mein Käppelein neben meinen Stuhl und schicke es Dir nun zum Troste ; höre an diese edle Trutznachtigall meines Bruders Spee ; das irdische Geschrei muß dieser himmlischen Stimme schweigen , die Dich immerdar mahnt : Hast Du ein Herz wie das meine , so schwinge Dich auf durch Nebel und Schloßen . - Mein Kind , wir sind nicht allein die Verschmähten , die Verstoßenen in der Welt , die Mehrzahl des himmlischen Hofes war es einst viel mehr ; gedenke der vielen Märtyrer . Sind wir den Leuten unnütz ? Das Weidenholz ist auch unnütz ; man schnitzet aber nach dessen Absterben heilige Bildnisse daraus , die man werter hält als Zedernholz . 8. Die Mohrin an den Einsiedler Heiliger Vater ! Ihr wandelt wie die seligen Engel unermüdet weiter und beglücket wunderbar alle Menschen , bei denen Ihr zusprechet , sehet aber nicht zurück auf die , welche beglückt sind durch Euch . Es ist auch christliche Milde den frommen Dank anzuhören und den Lohn seiner Taten zu empfangen . - Mir ist der Friede geworden ; ja es scheinet Gottes Auge über mir zu weilen und mich mit einem Meere lichter Wolken zu erfüllen ; kein Unfall störet mich mehr , und die Schwelle , über die ich erst gefallen , wird mir zu einer Altarstufe , der ich den Anstoß danke , um mich darauf höher zu erheben . Ich bin ungeschickt , es Euch zu sagen , mag auch meine Seligkeit nicht sträflich unterbrechen mit Nachsinnen ; mir ist oft , als wenn ich flöge , wie eine Biene und sammelte den seligen Honig ein , ja der Himmel ist mir offen und das neue Jerusalem , wenn ich daran gedenke . Die ungläubigen Schwestern spotten über meine Gesichte , weil mein Angesicht schwarz ist ; aber mich schmerzt das nicht mehr ; ich weiß , daß ich Ihn habe ; je mehr ich ruhe , je mehr ich begreife ; je länger ich schweige , je mehr Wunder ich wirke in Seiner Macht ; je mehr Seine Lust wächset , je größer meine Hochzeit ; je minniglicher wir uns ansehen , je ungerner wir uns scheiden ; je mehr Er mir gibt , je mehr ich verzehre ; je mehr ich leuchte , je mehr Lob wird Gott zubereitet . Ich war oft so entzückt in seliger Anschauung des Bräutigams , daß ich das Geläute der Metten nicht hörte . Sie schickten mir den frommen Abt , um mich ermahnen zu lassen , und ich sagete ihm , was ich sehe . Und ihm ward wie einer schwebenden Taube und er kniete vor mir . Heiliger Vater , kommt zu mir , es wandelt mich oft eine Furcht an vor meiner Seligkeit und Vollkommenheit , als wenn ich damit nicht leben könnte auf Erden ; als wäre ich schon im Himmel wie eine rote Abendwolke , die alle Gesichter der Menschen rötet . Schon kommen Bedrängte aus ferner Gegend , die von mir gehört haben