Anmerkungen gab . So nannte sie Sophie ziemlich unzart eine phantastische Thörin , die unaufhörlich die Liebe mit dem Gegenstande derselben verwechsle , und ihr daher bald Altäre , bald Gräber erbaue . Ich verstehe Sie nicht , sagte Luise empfindlich . Nun , entgegnete sie , alle Frische , Kraft und Göttlichkeit des Gefühls meint sie in dem geliebten Manne zu finden , und wenn denn nun nach und nach die mangelhafte Natur hervorsieht , und das Traumbild ein ordinärer Mensch wird , dann erhebt sie ein Geschrei und hüllt sich in Trauerschleier , und klagt über das trügerische Spiel der Liebe . Warum sieht sie im Sperling den Paradiesvogel ? Ich begreife , fuhr sie fort , daß ein ungeprüfter , vielleicht überall stumpfer Blick sie verwirren kann ; aber was quält sie sich denn noch nach erkannter Täuschung ? und warum will sie diese mit Gewalt auf Kosten ihres eignen natürlichen Gefühls erhalten ? Was ist es denn weiter ? sie hat sich geirrt ; lasse sie den Irrthum fahren und sehe sich nach Wahrheit um . Luise hatte es sich längst des Streitens mit ihr begeben . Sie schwieg , und begnügte sich , wie herabsetzend auch jene Worte klangen , sich nur fester und vertrauender an Sophie anzuschließen , deren zarter Sinn und treue Anhänglichkeit für das einmal Erwählte sie , trotz des sichtlichen Mißgriffs ihrer Wahl , höchst liebenswürdig machte . Luise übersah oder schob auf die allgemeine Verwirrung menschlicher Gefühle und Verhältnisse , was sie nicht billigen konnte , und neigte sich ohne Rückhalt zu einem Herzen , das im Mißverstehn selbst noch so groß und tief empfand . Mehrere Zeit hatte es Luise vermieden , in das Schauspiel zu gehn , aus geheimer Furcht , in dem Unbekannten Fernando wiederum anzutreffen . Endlich mußte sie indeß den wiederholten Bitten ihrer Bekannten nachgeben , und so ließ sie sich wirklich von Auguste in ihre Loge führen . Das erste Störende , was sie von hier aus erblickte , war Werner , der , sie erkennend , ohne Zeichen der mindesten Verlegenheit zu ihnen eilte , und sie ganz in seinem gewohnten Ton begrüßte . Diese Ruhe drückte die ganze Vergangenheit in die dunkelste Tiefe . Luisen war , als sei eine lange Reihe von Jahren verflossen , seit sie Werner sah , und die damals gehemmte Ordnung längst wieder im alten Geleis . Nicht lange darauf trat auch Baron Roll zu ihnen in die Loge . Er that sehr vertraut mit Werner , der ihn mit komischer Freundlichkeit empfing , gleichsam als thue es ihm wohl , die geschärften Blicke eine Zeitlang auf jener flachen Unbedeutendheit ausruhen zu lassen . Das Stück hätte allenfalls Aufmerksamkeit verdient , allein Roll ließ es bei Keinem , außer bei Augusten , um die er sich niemals bekümmerte , zu einen gesunden Gedanken kommen . Sehn Sie um Gottes Willen ! rief er ganz empört , hat die Reinhart nicht rothe Schuhe an ! bei dem großen Fuß ! Es ist , auf Ehre , unbegreiflich ! Sein Mund verzog sich fast wehmüthig . Das allerliebste Mädchen ! rief er , und so schimpfirt ! Kaum gewann ein Lieblingsschauspieler so viel über ihn , daß er einige Augenblicke schwieg ; dann aber beugte er sich zu Werner und sagte ihm vertrauend : wenn ich so glücklich sein könnte , den Richter nur einmal zu frisiren , er sollte wahrhaftig anders aussehn ! Hm - entgegnete jener ganz kalt , das ließe sich vielleicht machen . Luise konnte sich trotz ihres Ingrimms des Lachens nicht erwehren , ein Muthwille , den Roll sehr bald , ohne es zu wissen , rächte , indem er zu Werner sagte : haben Sie schon gehört , daß unser hübscher Italiener wieder hier ist ? Luise fuhr unwillkührlich zusammen . Werner bemerkte es , und sich gegen das Innre des Hauses vorbeugend , sagte er : in der That , da sitzt er ja ! Luise war seinen Blicken gefolgt , die sich nach dem Parterre richteten , und ohne zu wissen wen er meine , heftete sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf einen jungen Mann , der , in nachlässiger Stellung , halbliegend saß , den Arm auf die Lehne des benachbarten Sitzes gestützt , und so , das abgewandte Gesicht in der aufwärts gerichteten Hand ruhend , angelegentlich mit einer hübschen Nachbarin sprach . Ich werde ihn morgen bei der Seckingen einführen , sagte hierauf Roll , er wird unsere Damen mit seinen kleinen Talenten amüsiren . Das thun Sie doch , erwiederte Werner , und verließ , da das Stück bald zu Ende war , gleich darauf mit Roll die Loge . Vergebens hatte Luise bis dahin auf eine Wendung des ängstlich beobachteten Kopfes gewartet ; jetzt , da alles aufstand und das Gedränge immer mehr zunahm , schwankten die Gestalten verworren und unsicher umher . Sie konnte nichts bestimmt unterscheiden ; allein je mehr ihr die Mittel fehlten , sich zu überzeugen , je überzeugter ward sie in sich . Es war Fernandos Stellung , sein dunkel gelocktes Haar ; sie durfte nicht zweifeln . Halb entschlossen , die morgende Gesellschaft nicht zu besuchen , gedachte sie mit Unruhe des Obristen , und erwog , wie seltsam , wenn es Fernando wirklich sei , man ihr Ausbleiben deuten , wie auffallend es erscheinen müsse , daß sie früher von seiner Anwesenheit unterrichtet gewesen . Das Für und Wider abwechselnd annehmend , fuhr sie endlich des folgenden Abends sehr spät zu ihrer neuen Freundin . Es ward getanzt , und sie fand alles in fröhlicher Bewegung , als sie mit gesenktem Blick , flüchtig durch die Zimmer hin , in ein kleines Cabinet eilte , wo sie nur ältere Damen am Spieltisch wußte . Bleich und zerstreut setzte sie sich neben die Baronin , welche diese Auszeichnung als eine schuldige Aufmerksamkeit gütig aufnahm . Indem trat Emilie , erhitzt vom Tanzen , herein , und flüsterte ihr leise zu :