, ich bin nie sehr gesprächig , am wenigsten mit Höheren : doch selbst das Wenige , was zwischen uns geredet wurde , reichte hin , uns einander achtungswerth und bekannter zu machen , als man es sonst gewöhnlich in der ersten Unterredung wird . Als der Bischof zurück kam , fand er uns in einem Gespräch über Gegenstände , die in der jetzigen Zeit Jedem wichtig seyn müssen , der nicht blos für den Augenblick lebt . Constantins Unterhaltung straft den ersten Eindruck , den seine Gestalt macht , nicht Lügen , sie hält mehr , als jener verspricht . Wir haben uns seitdem öfters gesehen , und werden es künftig noch mehr ; denn er ist von seinem Vater dem Schutze und Befehl des Cäsar Galerius übergeben , und wir werden den Feldzug zusammen machen . Diese Aussicht ist ein Reiz mehr für mich , Nikomedien , seine Muße , und seine Verhältnisse bald zu verlassen . Ich stehe mit einem tief verwundeten Herzen seltsam unter Menschen , die eine solche gänzliche Umstaltung des Innern für Schwärmerei halten , und nicht begreifen können , daß unmöglich mehr Alles so seyn kann , wie vor anderthalb Jahren . Diese Forderungen , so leise sie angedeutet werden , fühle ich doch , und sie drücken mich , besonders dort , wo ich überall kein Recht zu Forderungen sehe , sie entleiden mir den Umgang , den ich sonst gesucht haben würde , und verschließen mir die kleine Aussicht , die ich für Erheiterung und Zerstreuung vor mir sah . O daß die glücklichen , leichtherzigen Menschen so schwer die Bedürfnisse eines trauernden Gemüthes ahnen können ! Ihnen ist nur dort wohl , wo Alles so leicht , so schwebend ist , als in ihrem Innern ! Was diesem behaglichen Zustand widerspricht , was ihn zu stören droht , fliehen sie aus einer Art von natürlicher Antipathie , und glauben an kein tieferes Gefühl , als das , was sie begreifen können . Es wird mir sehr wohl seyn , wenn ich einmal die Stadt im Rücken haben , und mit Constantin und Tiridates dem kräftig wechselnden Spiel des Lebens im Lager zueilen werde . Du lebe recht wohl , und sieh mir freundlich nach , wenn in den geräuschvollen Stunden , die meiner jetzt warten , meine Briefe seltener und kürzer seyn werden . 41. Eneus Florianus , Centurio der Leibwache des Cäsars Constantius , an Constantin . Eboracum1 , im März 302 . Wenn ich dein Herz nicht kennte , und von der Billigkeit sowohl , als dem Ernste deiner Denkungsart überzeugt wäre : so würde ich gewiß Bedenken tragen , ich , der Mann , den Jüngling , der Lehrer den Zögling , zum Vertrauten einer Angelegenheit zu machen , die sonst nur der junge Mann mit seines Gleichen auszumachen haben sollte . Noch mehr sollte mich die Rücksicht abhalten , daß du selbst , obgleich in der Blüthe der Jugend , und mit allen Ansprüchen auf ein Glück begabt , dem , in deinen Jahren , so Manches aufgeopfert wird , dies nie dafür erkannt , und den Neigungen von einer weicheren zärtlicheren Art nie Eingang in deine . Seele gestattet hast . Doch , mit aller dieser Kälte gegen die Liebe weiß ich doch dein Herz der Freundschaft fähig , und so lege ich meine Sorgen und mein Bekenntniß offen in deine Hand . Du wirst dich des Asinius Ponticus erinnern , den seine Geschäfte oft mit uns in Verbindung brachten . Als du Britannien verlassen , und mein Herz und meine Zeit öde gemacht hattest , besuchte ich zuerst aus Bedürfniß der Zerstreuung sein Haus öfters . Er und seine Frau waren Heiden , aber rechtliche und einfache Menschen ; sie erzogen eine Pflegetochter , Valeria , ein liebliches Geschöpf auf der Grenze zwischen Kind und Jungfrau , mit großer Sorgfalt und Liebe . Des Schulmeisterns gewohnt , zog ich bald dies Kind an mich , und es war mir eine angenehme Beschäftigung , dieses empfängliche Gemüth zum Guten zu bilden . So vergingen drei . Jahre in ungestörter Ruhe ; aber unbemerkt war während meinen Anweisungen das Kind ganz verschwunden , und die Jungfrau stand blühend , verschämt und bedeutend vor mir . Es waren andere Regungen , die nun mein Herz gegen sie bewegten , und ich fühlte die Nothwendigkeit , hier mit Ernst und Festigkeit abzubrechen . Aber bei dem ersten Versuche entdeckte ich , daß auch das ihrige sich seiner bewußt zu werden anfing , und daß Dankbarkeit , täglicher Umgang , und das überströmende Bedürfniß , sich innig an ein theures Wesen anzuschließen , alle edleren Neigungen desselben auf den nächsten Gegenstand , den überraschten Lehrer , geheftet hatten . Mich hatte in Rücksicht ihrer der große Unterschied der Jahre und der Gedanke sicher gemacht , daß ein Mann von meiner Denkart und meinem Betragen keine Ansprüche an die zärtliche Empfindung eines Mädchens von sechzehn Jahren machen könnte . Desto heftiger und tiefer war der Eindruck , den diese Entdeckung in mir hervorbrachte , und ich erröthenicht , zu gestehen , daß ich , im achten Lustrum2 des Lebens , Valeriens Gefühle mit gleichem Feuer erwiederte . Ich erwog ihre Umstände , die ich genau zu kennen glaubte , ich stellte ihr Herz auf mehr als Eine Probe , ich durchspähte jede Falte des meinigen , und nach einer besonnenen Ueberlegung , wie sie dem Manne wohl ziemt , gab ich mich endlich dem reizenden Zuge hin , der mit jedem Tage mich fester an das holde Mädchen , sie inniger an mich band . Ich dachte nun darauf , sie ganz für mich zu bilden , das heißt , ich versuchte in dem heiligen und wichtigen Punkte meine Ueberzeugung zu der ihrigen zu machen . Ihr kindlich frommer Sinn kam mir auf halbem Wege entgegen , und machte mir das Vorhaben , sie in die Geheimnisse unserer Religion einzuweihen , zum anziehendsten , aber auch zum bindendsten Geschäfte .