, um sie mit seiner unerwarteten Erscheinung freudig zu überraschen , verbannt er sich auf immer aus der menschlichen Gesellschaft , und bildet eine um sich her , wo aus keinem Munde je ein andres Wort erschallt , als die beständige Erinnerung des Todes . Eine Frau an seiner Stelle würde eine milde Stiftung errichtet haben . « - » Ich habe nicht geglaubt , einen so beredten Kenner der weiblichen Natur in dem Manne zu finden , den mir Betty als einen Verächter der Frauen geschildert hat . « - » Diese Ironie ist stark ! « rief Florentin lachend . » Die Frauen haben freilich im Ernst weder Glück noch Unglück meines Lebens bestimmt . Hat Betty mir das abgemerkt , so werde ich auch wohl nicht Gnade gefunden haben vor ihren Augen , das ist natürlich . Ist es aber meine Schuld , wenn es so ist ? Wären die Frauen alle wohltätige Engel , wie Eleonore und Clementina , sie würden der Menschheit jedes Leiden vergüten , das ihr dummes Vorurteil und selbstsüchtige Eitelkeit zufügen . « - » Sie verlangen etwas Unmögliches , diese großen Mittel . « - » Verstehen Sie mich : es ist ja nicht das , was geschieht , sondern der Sinn , in dem es geschieht . Die freudige , glückliche Eleonore macht um sich her alles glücklich . Sie sammelt die Freuden des Lebens , um sie wieder zu spenden . Die erhabene , unglückliche Clementina haucht ihren eignen Schmerz in göttliche Harmonien aus , und fühlt die Schmerzen der andern tiefer , um Trost und Hülfe zu verleihen . Die Liebe ist es und nichts als diese , die hier tröstet , wie sie dort vergnügt . Es scheint die Tugend der weiblichen Langmut immer mit ruhiger Heiterkeit die Folgen des bösen Prinzips unschädlich zu machen ; sich ihm vernichtend entgegenzustellen ist mehr die unsrige . Ist unser Bestreben auch größer , so ist ihr Gelingen desto sicherer ! « Der Doktor hatte Florentin mit großem Vergnügen eigentlich mehr sprechen sehen , als zugehört ; denn so wenig auffallend Florentin gewöhnlich erschien , so wuchs der Ausdruck seiner Gestalt bis zur Schönheit , wenn er im Feuer der Rede sich selbst und alles um sich her zu vergessen schien . - » Sie sollten uns nicht sobald wieder verlassen « , sagte er ; » Sie würden vielleicht in unsrer Mitte eine Laufbahn finden , die Ihnen genügte , und Ihrer würdig wäre ! « - » Das doch noch nicht « , antwortete er gelassen ; » das darf ich noch nicht . Zuerst will ich , um es zu dürfen , damit beginnen , daß ich wirklich trotz jeder Lockung das ausführe , was ich mir vorgenommen , und an dessen Ausführung ich schon soviel Zeit gesetzt . Sie soll nicht so ganz nur verschwendet worden sein . Sie folgen Ihrem Beruf unter den Augen der erhabenen Clementina , und werden vielleicht doch noch einst dauerndes Glück und Lohn aus ihren bildenden Händen empfangen . Mir aber ist es notwendig , das in großer Masse arbeiten zu sehen , was ich , seitdem ich denken kann , in mir trage . Allenthalben , wo man sich befindet , kann man den Krieg für die Freiheit unterstützen und verfechten . Allenthalben steht man auf dem Schlachtfelde , wo Habsucht und Barbarei herrscht , und so hinge man freilich , wenn auch unsichtbar , mit jener großen Masse zusammen ; wäre es mir nur nicht so notwendig , andre Menschen , einen andern Weltteil zu sehen , als den , der sich jetzt der kultivierte nennt . Das Schauspiel eines neuen , sich selbst schaffenden Staats ist mir interessant . Es häufen sich überdies immer mehr innere und äußere Gründe , warum ich in einer übertäubenden Tätigkeit mich selbst zu vergessen suchen muß . « - Nach diesen Worten ward er wieder still , und in sich gekehrt . Bald darauf gingen sie nach dem Haus des Doktors , das wohleingerichtet , zierlich und bequem , am Ufer des Sees , mitten in der Kolonie lag . Hier zeigte er ihm seine vortreffliche Naturaliensammlung , seine reiche auserlesene Bibliothek , die zugleich einen Schatz an seltnen Karten und Reisebeschreibungen enthielt . Florentin sprach über diese Dinge mit einer Sachkenntnis , worüber der Arzt erstaunte , da er ihm dergleichen nicht zugetraut haben mochte ; auch nahm er seitdem sichtbar an Achtung für ihn zu . Er selbst erschien hier bei seinen Heiligtümern im vorteilhaftesten Lichte . Florentin hatte niemals weniger den Mangel an Witz und überraschenden Einfällen in der Unterhaltung vermißt , als bei diesem wahrhaft verdienstvollen Mann . Er ward nicht müde ihn reden zu hören ; auch sprach er immer besser , je mehr er Gelegenheit fand , seine tiefe Gelehrsamkeit und die mannigfaltigen gründlichen Kenntnisse anzuwenden . Seine sonst mehr ruhige Physiognomie ward dann durch Begeisterung erhöht , besonders bei gewissen , ihm heiligen Dingen . So sprach er das Wort Natur immer mit einer Art von Ehrfurcht aus , so wie man im Tempel sich vor dem Namen des Allerhöchsten beugt . Eine neue Welt ging vor Florentin auf bei seinem Gespräch . Nie hatte er sich mehr belehrt gefühlt , nie hatte er größere Achtung für einen Menschen empfunden . Nur zu schnell verging ihm der Abend ; es graute ihm , als er daran dachte , in die Stadt zu dem lärmenden Gasthof zurückzukehren . Es konnte ihm also nichts Erwünschteres begegnen , als da der Doktor ihm anbot , daß er die Nacht in seinem Hause bleiben möchte . Er nahm das Anerbieten ebenso freimütig an , als jener es getan . Siebzehntes Kapitel Sie waren beim Abendbrot im Garten ; von Julianen und Eduard sprachen sie viel . Florentin verbarg es seinem neuen Freunde nicht , wie sehr ihm beide wert waren . Der Doktor gab ihm einige Aufschlüsse über das Rätselhafte in Eduards Charakter , das so tief in